Online-Risiken im Jugendalter: JAMES-Befunde
Die JAMES-Studie erhebt nicht nur, wie Jugendliche Medien nutzen, sondern auch, welchen Risiken sie online begegnen. Die Befunde sind für Schulen relevant – sie ergänzen Anekdoten aus dem Schulalltag mit empirischer Breite.
Typische Risikofelder
JAMES dokumentiert konsistent mehrere Risiko-Kategorien:
Cybermobbing: Jugendliche werden online beleidigt, blossgestellt, ausgeschlossen, mit Inhalten konfrontiert, die sie verletzen. Ein nicht unerheblicher Teil hat eigene Erfahrungen damit. Für Schulen ist Cybermobbing ein Themenfeld mit klarem Handlungsbedarf – und nach Alsaker fast immer mit dem Mobbing in der Klasse verbunden, weshalb bei ersten Anzeichen beides anzusprechen ist.
Sexuelle Grenzverletzungen online: Unerwünschte sexuelle Nachrichten, Konfrontation mit pornografischen Inhalten, Cyber-Grooming, Druck zum Versenden eigener intimer Bilder («Sexting» mit Risikodimension).
Datenschutz und Persönlichkeitsschutz: Jugendliche teilen oft mehr, als ihnen rückblickend recht ist. Posts, Bilder, Kommentare bleiben dauerhaft. Bewusstsein für digitale Spuren ist je nach Alter und Reflexionsstand sehr unterschiedlich.
Falsche oder schädliche Inhalte: Konfrontation mit Hass-Inhalten, Verschwörungserzählungen, gefährlichen «Challenges», Inhalten, die Selbstverletzung oder Essstörungen begünstigen.
Kontaktrisiken: Unbekannte Personen mit Manipulations- oder Missbrauchsabsicht – verkleidet als Gleichaltrige, Idole oder Helfer.
Übermässige Nutzung und Suchtähnliches Verhalten: Bei einer Minderheit werden Anzeichen suchtähnlicher Nutzung berichtet – mit Beeinträchtigung von Schlaf, Schule, sozialen Kontakten.
Was wirkt – was nicht
Aus der JAMES-Forschung und ergänzender Studienliteratur lassen sich einige Wirkungs-Hinweise ableiten: Verbots-Strategien allein sind wenig wirksam, weil Jugendliche sie unterlaufen können und weil sie die Lebensrealität ignorieren. Reine Aufklärung («Achtung, das ist gefährlich!») wirkt begrenzt. Bildung im Sinne von Reflexions- und Handlungskompetenz zeigt bessere Effekte – Jugendliche lernen, Risiken einzuschätzen und mit ihnen umzugehen.
Das passt zum Schweizer Lehrplan-21-Modul «Medien und Informatik», das nicht nur technische, sondern auch reflexive und ethische Kompetenzen formuliert.
Schule und digitale Prävention
Schulen haben mehrere Hebel: Thematisierung im Unterricht (Medien und Informatik, Lebenskunde, Klassenrat); klare Regeln zur Nutzung in der Schule mit Begründung; Anlaufstellen für betroffene Schüler:innen; Elternzusammenarbeit mit realistischer Information; Kompetenzaufbau bei Lehrpersonen (Lehrpersonen sollen selbst kompetent in Medienfragen sein).
Wichtig: Risiko-Thematisierung ist nicht Pathologisierung. JAMES zeigt: Die grosse Mehrheit der Jugendlichen nutzt Medien überwiegend kompetent und unproblematisch. Wer alles unter Risiko-Lupe stellt, übersieht die Chancen und schafft sich kein realistisches Bild.
Verbindungen
- JAMES-Studie – Grundkonzept – die Studie liefert die Datengrundlage für Risiko-Einschätzungen
- Mobbing an der Schule – Cyber-Mobbing als Teil des Mobbing-Musters: seltener als das klassische Mobbing, eng damit verbunden, mit Anonymität und grossem Publikum als Besonderheiten
- Cyberdimension sexueller Übergriffe – weiteres Risiko mit hoher schulpraktischer Relevanz
- Digitale Prävention – die Antwort der Schule auf erkannte Risiken
- Mediennutzung Jugendlicher – JAMES-Befunde – die Nutzungsbreite kontextualisiert die Risiken
- Manosphere – das Milieu hinter der Radikalisierung, mit Warnzeichen und Anlaufstellen
Literatur
- Külling-Knecht, C., Waller, G., Willemse, I., Deda-Bröchin, S., Suter, L., Streule, P., Settegrana, N., Jochim, M., Bernath, J. & Süss, D. (2024). Ergebnisbericht zur JAMES-Studie 2024. Zürich: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – Departement Angewandte Psychologie [ZHAW].
Verweise auf diese Seite
- Chat-Symbole Glossar
- Die Manosphere: Landkarte, Einstieg und Warnzeichen Zettelkasten
- JAMES-Studie – Grundkonzept Zettelkasten
- Kryptische Chatinhalte: erst fragen, dann deuten Zettelkasten
- Mobbing an der Schule: Muster erkennen statt Vorfälle sehen Zettelkasten