Mediennutzung Jugendlicher – JAMES-Befunde
Die JAMES-Studie zeigt regelmässig wiederkehrende Strukturmuster in der Mediennutzung 12- bis 19-Jähriger in der Schweiz. Diese Muster sind über die letzten Erhebungen stabil – mit Verschiebungen innerhalb der Strukturen.
Geräte und Verfügbarkeit
Das Smartphone ist die zentrale Medien-Plattform – nahezu alle Jugendlichen besitzen ein eigenes Smartphone und nutzen es täglich, mit zunehmender Nutzungsdauer durch die Adoleszenz. Daneben sind Laptop/Computer, Spielekonsole und Smart-TV verbreitete Geräte – die genauen Verhältnisse verschieben sich über die Erhebungswellen.
Bemerkenswert ist die Allgegenwart: Jugendliche sind «always on», Medien sind nicht «Zusatz» zum Leben, sondern Teil der Lebenswelt. Diese Verschiebung hat Konsequenzen für die Schule – Medienfasten-Initiativen oder Geräte-Verbote stossen an Grenzen, wenn sie nicht die Funktion der Medien für die Jugendlichen ernst nehmen.
Aktivitätsfelder
Mediennutzung verteilt sich auf mehrere Kernbereiche: Kommunikation (Messenger-Apps, Social Media), Unterhaltung (Video-Streaming, Musik, Gaming), Information (Suchmaschinen, Nachrichten), Selbst-Inszenierung (eigene Inhalte produzieren und teilen), Lernen (in unterschiedlichem Mass auch für schulische Zwecke genutzt).
Die Plattform-Landschaft wandelt sich rasch: Was vor einigen Jahren dominant war, ist heute weniger relevant; neue Plattformen entstehen und gewinnen Reichweite. Die JAMES-Studie dokumentiert diese Verschiebungen und ermöglicht so eine Anpassung pädagogischer Konzepte.
Geschlechter- und Altersunterschiede
JAMES zeigt konsistent Geschlechterunterschiede in einzelnen Bereichen (z.B. Gaming, Social Media, Foto- und Video-Inhalte) und Altersunterschiede (jüngere Adoleszent:innen nutzen anders als ältere). Diese Differenzierungen sind wichtig: «Die Jugend» ist nicht eine homogene Gruppe.
Auch sozialdemografische Faktoren (Bildungsniveau der Eltern, Migrationsbiografie) spielen eine Rolle – wenn auch weniger stark als bei anderen Bildungsindikatoren.
Eltern und Schule als Kontext
JAMES erhebt auch, wie Jugendliche das Verhältnis ihrer Eltern und Schule zu Medien wahrnehmen. Wiederkehrend ist ein Erwartungs-Realitäts-Gap: Eltern überschätzen typischerweise die schädliche Wirkung bestimmter Medien und unterschätzen die alltägliche Relevanz für ihre Kinder. Schulen sind oft in der Mittlerposition – zwischen elterlichen Sorgen und jugendlicher Lebensrealität.
Bezug zu Adoleszenz
Die Mediennutzung ist eng mit Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz verbunden: Identitätssuche (Selbstinszenierung in Social Media), Peer-Beziehungen (Messenger, Gruppen-Dynamiken), Autonomie (eigene Mediennutzung als Abgrenzung von Eltern), kognitive Reifung (Auseinandersetzung mit Inhalten). Wer Mediennutzung pathologisiert, übersieht ihre entwicklungspsychologische Funktion.
Verbindungen
- JAMES-Studie – Grundkonzept – die Studie, aus der die Nutzungsdaten stammen
- medien-digitale-entwicklung – die Entwicklung des Medienangebots als Hintergrund der Nutzung
- Digitalisierung im Unterricht – die schulpraktische Antwort auf veränderte Mediennutzung
- pubertat-adoleszenz – Mediennutzung verändert sich entwicklungsspezifisch
Literatur
- Külling-Knecht, C., Waller, G., Willemse, I., Deda-Bröchin, S., Suter, L., Streule, P., Settegrana, N., Jochim, M., Bernath, J. & Süss, D. (2024). Ergebnisbericht zur JAMES-Studie 2024. Zürich: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – Departement Angewandte Psychologie [ZHAW].
Verweise auf diese Seite
- JAMES-Studie – Grundkonzept Zettelkasten
- Leitmedienwechsel nach Döbeli Honegger Zettelkasten
- Medien im schulischen Kontext (JAMES-Befunde) Zettelkasten
- Medien und Informatik (Lehrplan 21): Kompetenzen aufbauen Zettelkasten
- Online-Risiken im Jugendalter: JAMES-Befunde Zettelkasten