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Leitmedienwechsel nach Döbeli Honegger

Leitmedienwechsel nach Döbeli Honegger

Döbeli Honeggers Diagnose stellt die Digitalisierungsdebatte vom Kopf auf die Füsse: Nicht Geräte sind das Thema, sondern ein Leitmedienwechsel – der vernetzte Computer löst das Buch als Leitmedium ab, mit Folgen «vergleichbar mit denjenigen bei der Erfindung und Verbreitung des Buchdrucks» für alle Lebensbereiche (2017, Kap. 1). Angetrieben wird er von drei ineinandergreifenden Kräften: Digitalisierung (alle Daten im selben Alphabet aus den titelgebenden Zeichen 0 und 1), daraus folgend Automatisierung und Vernetzung.

Die Leitmedienwechsel-Reaktionsskala

Das für Schulleitungen brauchbarste Werkzeug des Buchs: eine Skala der beobachtbaren Reaktionsweisen, die «in Diskussionen klärend wirken» kann, weil sie Beiträge einordnet und die dahinterliegenden Welt- und Wertvorstellungen sichtbar macht (Kap. 2):

StufePosition
−1Gegensteuern – das Digitale bewusst zurückdrängen
0Ignorieren – Wandel ausblenden, Folgen für die Bildung leugnen
1Integration in alle Fächer (ohne eigenes Gefäss)
2Es braucht ein Fach (ohne Integration)
3Sowohl ein Fach als auch Fächerintegration
4Schule muss neu gedacht werden
5Wer redet noch von formaler Bildung?
6Wer redet noch von Bildung?

Döbeli beobachtet, die integrative Position (Stufe 1) sei «bereits in vielen aktuellen Lehrplänen zu finden», meist als Lehrplanzusatz ohne eigenes Fach. Wer die Skala kennt, erkennt an einer Elternabend- oder Konventsäusserung sofort die Position – und kann die Debatte von Geräten auf Werthaltungen zurückführen.

Eigene Einordnung (nicht Döbelis Wortlaut – der Lehrplan 21 wird im Buch nicht namentlich behandelt): Der LP21 realisiert Stufe 3 – Modul «Medien und Informatik» als eigenes Gefäss plus fächerübergreifend aufzubauende Anwendungskompetenzen.

Digitale Kompetenzen: mit, über und trotz

Digitale Medien kommen in der Schule in drei Rollen vor – als Werkzeug, als Thema und als Ablenkung; entsprechend muss die Schule «mit, über und trotz digitaler Medien» unterrichten (Kap. 5). Die Kompetenzen gliedern sich in drei Bereiche, deren getrennte Beschreibung hilfreich, deren gemeinsame Vermittlung aber meist sinnvoller ist:

Warum das Digitale in die Schule gehört – vier Argumente

Döbeli sortiert die Begründungen sauber (Kap. 4) – nützlich, weil in Debatten meist nur eines davon bedient wird: Lernargument (digitale Medien können das Lernen fördern) · Lebensweltargument (das Digitale prägt die Alltagsrealität der Lernenden) · Zukunftsargument (digitale Kompetenzen werden zur notwendigen Kulturtechnik) · Effizienzargument (Abläufe lassen sich effizienter gestalten). Für die Allgemeinbildung folgt daraus mehr als Gerätebedienung: Wenn der Computer das Automatisierbare übernimmt, muss sich der Mensch «auf das Nichtautomatisierbare konzentrieren» – Filtern statt Sammeln, Fragen stellen statt nur Antworten geben, systemisches Denken, lebenslanges Lernen (Kap. 3).

Relevanz für die Schulleitung

Verbindungen

Quellennachweis

Döbeli Honegger, B. (2017). Mehr als 0 und 1: Schule in einer digitalisierten Welt (2., durchgesehene Auflage). hep verlag. – Leitmedienwechsel, Digitalisierung/Automatisierung/Vernetzung: Kap. 1; Reaktionsskala (−1 bis 6): Kap. 2; Allgemeinbildung, Filtern/Fragen: Kap. 3; vier Argumente: Kap. 4; Werkzeug/Thema/Ablenkung, Kompetenzbereiche: Kap. 5; Informatik und computational thinking: Kap. 6; WWW-Formel, Innovation, ICT-Weiterbildung, Föderalismus: Kap. 7; Ausstattung, 1:1, BYOD: Kap. 8. Nicht vertieft: Kap. 9 (Schulbücher/OER: einfacher erstell-, vernetz- und durchsuchbar; OER-Durchsetzung als bildungspolitische Frage) und Kap. 10 («Gesetzmässigkeiten des Digitalen»).

Beleg-Granularität

Im Korpus liegt nur die ePub-Ausgabe (Zotero MX6DYHWX), die keine Seitenmarker enthält – Belege daher nach Kapitel statt nach Seite. Inhalte am Volltext verifiziert (Kapitel-Kernaussagen und Fliesstext). Für seitengenaue Zitate wäre die Druckausgabe oder die frei zugängliche Online-Fassung (mehrals0und1.ch) nötig.

Literatur