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Kontrolle und Autonomie bei Anorexie

Kontrolle und Autonomie bei Anorexie

Entstehung und Aufrechterhaltung der Anorexia nervosa lassen sich nicht auf ein einzelnes Motiv reduzieren; neben dem Körpermotiv tritt aber das Kontrollmotiv besonders hervor: AN als Versuch, Essen, Gewicht, Bewegung und Körperform rigide zu steuern und damit Unsicherheit, Spannung und Selbstwertprobleme zu regulieren (Jaite et al. 2024).

Kathrein beschreibt in rekonstruierten Überwindungswegen aus der Essstörung Kontrolle als zentrale Form des Umgangs mit äusseren Erwartungen und innerer Unsicherheit (Kathrein 2019). Klinisch zeigt sich der schwer steuerbare Drang, insbesondere nach Mahlzeiten durch Aktivität Kontrolle über den Körper wiederherzustellen (Haas 2021, S. 143). Kognitiv-verhaltenstherapeutisch wird restriktives Essen durch das subjektive Erleben von Kontrolle aufrechterhalten: Kontrolle verspricht kurzfristig Ordnung und Selbstwirksamkeit, stabilisiert langfristig aber die Störung – und betrifft nicht nur Nahrung, sondern auch Körpergrenzen, Bewegung, Nähe, Leistung und soziale Sichtbarkeit (Jaite et al. 2024, S. 40).

Im Schulalter ist das besonders anschlussfähig: Jugendliche sollen autonomer werden, verfügen aber noch nicht über durchgehend stabile Selbst- und Emotionsregulation (Resch & Parzer 2022). Daraus folgt die therapeutische Stossrichtung: nicht Kontrolle bekämpfen, sondern echte Selbstwirksamkeit und tragfähige Selbstregulation als Alternative zur rigiden Kontrolle erfahrbar machen – Kathrein nennt das «Finden eines eigenen Masses» statt Orientierung an äusseren Erwartungen (Kathrein 2019, S. 47).

Verbindungen

Literatur