🕸️
Körperbildstörung bei Anorexie

Körperbildstörung bei Anorexie

Aufbauend auf der Unterscheidung in Körperschema und Körperbild lässt sich die AN-spezifische Störung präzise verorten. Probst et al. differenzieren Körperschema (basale Orientierung/Organisation des Körpers), Körperbild (subjektive innere Repräsentation und Bewertung), Körperwahrnehmung (Verbindung äusserer und innerer Signale) und Körpererleben (emotional-soziale Bedeutung des Körpers) (Probst et al. 1995, S. 145–147).

Bei der Anorexia nervosa ist diese Körpererfahrung nachhaltig gestört – und das ist nicht ein Randsymptom, sondern eine Kerndimension: Körperbildstörung, Körperunzufriedenheit, Körpervermeidung, Body-Checking und eine veränderte Wahrnehmung innerer Signale sind klinisch zentrale Merkmale (Jaite et al. 2024) (Probst et al. 1995) (Vocks et al. 2019). Die Störung zeigt sich als leibnahes Stresserleben: Schon der Blick in den Spiegel kann bei Betroffenen eine Stressreaktion auslösen, obwohl objektiv ein erhebliches Untergewicht besteht – Körperumrisse werden trotz Untergewicht als unförmig erlebt (Haas 2021, S. 137 u. 144).

Therapeutisch gilt die Veränderung der gestörten Körpererfahrung als prioritäres Ziel körperorientierter Verfahren – zugleich beklagen Probst et al. einen Mangel an Therapien, die genau darauf fokussieren (Probst et al. 1995) (Probst & Diedens 2017). Die klinische Relevanz zeigt sich auch in Aufnahmedaten: Neben der Esssymptomatik finden sich deutlich erhöhte Belastungen bei Körperunzufriedenheit, Gewichts-/Figursorgen und interozeptiver Wahrnehmung (Fröhlich-Gildhoff et al. 2023). Ziel der psychomotorischen Arbeit ist deshalb nicht «Schönheitskorrektur», sondern eine weniger bedrohliche, weniger entfremdete und differenziertere Beziehung zum eigenen Körper (Probst & Diedens 2017, S. 217 u. 220).

Verbindungen

Literatur