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Psychomotorische Interventionsbausteine bei Anorexie

Psychomotorische Interventionsbausteine bei Anorexie

Die folgenden Bausteine sind literaturbasierte, konzeptionelle Ableitungen (kein empirisch validiertes Manual) und werden je nach Behandlungsphase, somatischer Stabilität, Alter und Setting unterschiedlich gewichtet. Leitprinzip ist eine Stufung von stabilisierenden, indirekten zu stärker konfrontativen, gruppen- und transferorientierten Elementen – stets auf der Basis von medizinischer Sicherheit/Dosierung und scham-/traumasensiblem Vorgehen (Probst 2017) (Probst et al. 1995).

  1. Körpererleben und Körperbild. Zuerst Halt, Grenze, basale Sicherheit (Boden-/Druckerfahrung, Atem, Rhythmus, Körpergrenz-Übungen). Spiegel-/Videoarbeit erst nach Stabilisierung; davor symbolische Verfahren (Körperumrisse, -landkarten, Collagen), die Körpererleben externalisieren, ohne zu überfluten (Probst & Diedens 2017).
  2. Körper- und Wahrnehmungsübungen. Interozeption und Arousal-Regulation: differenzierte Wahrnehmung von Atmung, Spannung, Müdigkeit, Hunger/Sättigung; Wechsel von Aktivierung und Beruhigung; nicht leistungsförmig gerahmt (Sipos & Schweiger 2011).
  3. Starkes Selbst. Selbstwirksamkeit und Emotionsregulation in Bewegung: bewältigbare Anforderungen, Wahlmöglichkeiten, Fokus auf eigene Fortschritte statt Vergleiche; Selbstakzeptanz und selbstmitfühlender Umgang mit Fehlern als Bausteine gesunden Selbstwerts (Mair 2019) (Fehm & Weidmann 2023).
  4. Soziale Resonanz. Kooperative Gruppenaufgaben, Partnerübungen, nonverbale Abstimmung – resonanz- statt konkurrenzorientiert; Ziel sind Kooperation, Rollenübernahme, Grenzaushandlung und Vergleichsentlastung (Probst et al. 2010).
  5. Digitale Reflexion. Körperbezogenes Aufgreifen digitaler Vergleichsdynamik → eigene Notiz digitale Körperräume und Körperbild.
  6. Transfer. Wirksamwerden im Alltag – Schulweg, Pausen, Sportunterricht, Verein, Umgang mit Erschöpfung und Bewegungsdrang; enge Abstimmung mit Familie, Schule und Behandlungsteam.

Zur Evidenz: Körperwahrnehmungsorientierte Verfahren zeigen bei jugendlicher AN keinen gesicherten Gesamtnutzen; immerhin normalisierte sich in einer frühen Studie bei anfänglich verzerrter Körpergrössenschätzung die Wahrnehmung stärker als unter Familientherapie allein (Wallin et al. 2000).

Verbindungen

Literatur