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Bewegung bei Anorexie – Dosierung und Sicherheit

Bewegung bei Anorexie – Dosierung und Sicherheit

Bei der Anorexia nervosa ist Bewegung doppeldeutig: Sie ist potenzielles Symptom (Bewegungsdrang, kompensatorischer Sport) und möglicher therapeutischer Zugang. Deshalb gilt als nicht verhandelbare Bedingung: Vor jeder bewegungsbezogenen Intervention steht eine ärztliche Belastungsfreigabe. Bewegungsbezogene Arbeit setzt geklärte medizinische Belastbarkeit, Gewichtsentwicklung und Bewegungsverhalten voraus (Zeeck et al. 2019; Vocks et al. 2019) (Jaite et al. 2024).

Bei ausgeprägtem Untergewicht ist besondere Vorsicht geboten; ein sehr niedriger BMI gilt als klinische Leitplanke (ein BMI unter 15 wird als Kontraindikation für Sporttraining genannt), und im Jugendmanual folgt die Bewegungsfreigabe einem Stufenmodell nach BMI-Altersperzentilen (Knöchel et al. 2023, S. 189 f.) (Jaite et al. 2024, ~S. 66 f.). (Diese Schwellen sind Sicherheitsmarken, nie Zielwerte.)

Entscheidend ist Bewegungsqualität statt Bewegungsmenge: Bewegung soll nicht erschöpfen, kompensieren oder den Kalorienverbrauch steigern, sondern Wahrnehmung, Regulation und ein sichereres Körperverhältnis fördern. Daraus folgt Trigger-Hygiene: keine leistungs- oder wettbewerbsorientierten Settings, keine Kalorien-/Gewichtsverlustlogik, keine Bewegung als Belohnung oder Bestrafung, keine vorschnell konfrontative Körperbildarbeit – Bewegung muss aus der Logik von Zwang und Kontrolle herausgelöst werden (Calogero & Pedrotty 2004, S. 276) (Calogero & Pedrotty-Stump 2010, S. 433) (Jaite et al. 2024). Das deckt sich mit der kinder- und jugendpsychiatrischen Forderung, ungesunde Aktivität nicht einfach zu verbieten, sondern bewegungstherapeutisch zu bearbeiten und ein alters- und gesundheitsangemessenes Bewegungsverhalten zu renormalisieren (Kauczor-Rieck et al. 2024) (Thimme et al. 2021).

Positiv gewendet – ganz im Sinn der ressourcen- und kompetenzorientierten Haltung – geht es darum, Freude an Bewegung klar gerahmt und dosiert (wieder) zu vermitteln, damit Bewegung langfristig in Alltag und Freizeit integriert bleibt (Kauczor-Rieck et al. 2024, S. 114) (Knöchel et al. 2023).

Verbindungen

Literatur