Ressourcen- und Kompetenzorientierung in der Psychomotorik
Die zeitgenössische Psychomotorik hat sich vom defizit- und störungsorientierten Blick gelöst und fragt zuerst nach Stärken, Ressourcen und Kompetenzen des Kindes. Nicht das Behandeln eines Mangels steht im Zentrum, sondern das Ermöglichen gelingender Erfahrungen – eng verknüpft mit der psychomotorischen Trias und dem Verständnis von Bewegung als Entwicklungsmedium.
Vom Defizit zur Ressource (salutogenetisch)
Zimmer rückt Psychomotorik in den Rahmen einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung und einer ausdrücklich «ressourcenorientierten Sichtweise», die nicht die Krankheitsrisiken, sondern Schutzfaktoren und Stärken in den Vordergrund stellt (Salutogenese nach Antonovsky). Der Blick verschiebt sich von «Was fehlt?» zu «Was trägt?».
Kompetenzorientierung statt Funktionstraining
Fischer ordnet diesem Denken eine kompetenztheoretische Perspektive zu: Förderung zielt auf den Aufbau von Handlungskompetenz (→ die drei Kompetenzbereiche Ich – Sach – Sozial), nicht auf das Einüben isolierter Funktionen. Bewegung ist Mittel zur Kompetenz, nicht Selbstzweck.
Wirkung: Selbstwirksamkeit
Möllers macht den Mechanismus explizit: Ressourcenorientierung heisst, Selbstwirksamkeitserfahrungen zu ermöglichen – das Kind erlebt sich als wirksam, was Resilienz und Gesundheitsressourcen stärkt. Theoretisch ist das anschlussfähig an Banduras Selbstwirksamkeitserwartung; diese Brücke (Bewegungserfolg als Bewältigungserfahrung) führt die eigene Notiz Selbstwirksamkeit in der Psychomotorik aus. Gerade bei motorischen Entwicklungsstörungen verhindert dieser Zugang die Verfestigung eines Misserfolgs-Selbstbildes.
Verbindungen
- Psychomotorische Trias: Wahrnehmen – Bewegen – Erleben – Die Einheit von Wahrnehmen, Bewegen und Erleben begründet, warum Förderung über Stärken auf die ganze Person wirkt.
- Kompetenzbereiche der Psychomotorik: Ich – Sach – Sozial – Die Kompetenzorientierung konkretisiert sich in den drei Erfahrungs- und Kompetenzbereichen.
- Selbstwirksamkeitserwartung (Bandura) – Der psychologische Wirkmechanismus der Ressourcenorientierung (Bandura).
- Selbstwirksamkeit in der Psychomotorik – Vertieft die Brücke: warum gerade Bewegungserfolge Selbstwirksamkeit stiften (Bewältigungserfahrung).
- Motorische Entwicklungsstörungen – Gegenfolie: der ressourcenorientierte statt defizitfixierte Umgang mit Störungen.
- Bewegung bei Anorexie – Dosierung und Sicherheit – klinische Anwendung: Bewegungsfreude statt Bestrafung als ressourcenorientierte Haltung bei der Anorexie.
Literatur
- Zimmer, R. (2019). Handbuch Psychomotorik. Theorie und Praxis der psychomotorischen Förderung von Kindern (Überarb. Neuausg., 14. Gesamtaufl.). Freiburg im Breisgau: Herder. — Kap. 1.3 «Psychomotorik als ganzheitliche Gesundheitsförderung» / Salutogenese; «ressourcenorientierte Sichtweise» (~S. 26). ()
- Fischer, K. (2009). Einführung in die Psychomotorik (3., überarb. u. erw. Aufl.). München: Reinhardt. — Kap. 4.2 «erkenntnisstrukturierende / kompetenztheoretische Perspektive» (~S. 215 ff.; handlungsorientierter Ansatz Schillings). ()
- Möllers, J. (2015). Psychomotorische Förderung in der Heilpädagogik. Hilfe durch Bewegung. Stuttgart: Kohlhammer. https://doi.org/10.17433/978-3-17-025224-0 — Kap. 6.4 «Ressourcenorientierung und Ermöglichung von Selbstwirksamkeitserfahrungen» (~S. 179 ff.). ()
Verweise auf diese Seite
- Bewegung bei Anorexie – Dosierung und Sicherheit Zettelkasten
- Exekutive Funktionen Zettelkasten
- Kompetenzbereiche der Psychomotorik: Ich – Sach – Sozial Zettelkasten
- Motorische Entwicklungsstörungen Zettelkasten
- Psychomotorische Ansätze im Überblick Zettelkasten
- Psychomotorische Haltung und Beziehung Zettelkasten
- Selbstwirksamkeit in der Psychomotorik Zettelkasten