Psychomotorische Haltung und Beziehung
In der Psychomotorik – besonders im beziehungsorientierten Ansatz nach Aucouturier – ist die Beziehung zwischen Fachperson und Kind kein blosser Rahmen der Förderung, sondern selbst ein Wirkfaktor. Die professionelle Haltung entscheidet darüber, ob Bewegung zum Entwicklungsraum wird.
Beziehung als Wirkfaktor
Esser (zu Aucouturier) rückt nicht die Diagnose, sondern das Kind «in eine Entwicklungsdynamik» ins Zentrum; es geht darum, dass Kinder «sich selbst wertschätzen und tiefe zwischenmenschliche Beziehungen leben». Die Fachperson begleitet dialogisch, präsent und wertschätzend. Reichenbach beschreibt die Rolle in der handlungsorientierten Förderung entsprechend als «kooperative Beziehung» statt als anweisende Instruktion.
Was die Haltung ausmacht
Kennzeichnend sind die Annahme des Kindes, die Orientierung an seinen Themen statt an seinen Defiziten, sichere Präsenz und das Verstehen des Bewegungshandelns als Ausdruck. Diese Haltung ist die praktische Kehrseite der Ressourcenorientierung und das Bindeglied, das die Trias mit dem konkreten Tun verbindet: Erst in einer tragenden Beziehung wird Bewegung zum Entwicklungsmedium.
Verbindungen
- Psychomotorische Ansätze im Überblick – Haltung und Beziehung sind das Herzstück des verstehend-beziehungsorientierten Ansatzes.
- Ressourcen- und Kompetenzorientierung in der Psychomotorik – Die wertschätzende Haltung ist die gelebte Form der Ressourcenorientierung.
- Psychomotorische Trias: Wahrnehmen – Bewegen – Erleben – Die Beziehung ist der Resonanzraum, in dem die Einheit von Wahrnehmen, Bewegen und Erleben wirksam wird.
- Psychomotoriktherapie – Bewegung als Entwicklungsmedium – Erst die Beziehung macht Bewegung zum Entwicklungsmedium.
- Trauma- und schamsensibles Vorgehen – klinische Zuspitzung der Haltung: scham- und traumasensible Körperarbeit bei der Anorexie.
Literatur
- Esser, M. (2020). Beweg-Gründe. Psychomotorik nach Bernard Aucouturier (5., aktual. Aufl.). München: Reinhardt. — Haltung («Nicht die Diagnose steht im Vordergrund, sondern der Versuch, das Kind in eine Entwicklungsdynamik zu führen»); Beziehung und Wertschätzung als Kern. ()
- Reichenbach, C. (2010). Psychomotorik. München: Reinhardt. — Förderung als «kooperative Beziehung» (~S. 32). ()
Verweise auf diese Seite
- Psychomotorische Ansätze im Überblick Zettelkasten
- Trauma- und schamsensibles Vorgehen in der Körperarbeit Zettelkasten