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Rolle der Lehrperson im Churermodell

Rolle der Lehrperson im Churermodell

Die Rolle der Lehrperson verändert sich im Churermodell deutlich gegenüber dem klassischen frontal-instruierenden Unterricht. Lutz und Thöny beschreiben sie als zweigeteilt: kurz, klar und führend in der Inputphase – beobachtend, begleitend und unterstützend in der Lernzeit.

In der Inputphase

In Phase 1 ist die Lehrperson klassisch führend: Sie zeigt, erklärt, demonstriert. Sie ist im Zentrum, der Stuhlkreis bündelt die Aufmerksamkeit. Diese Phase darf nicht zu lang werden – das Modell setzt auf hohe Dichte: kurz, klar, prägnant. Wer die Inputphase zerredet, beraubt die Lernzeit ihrer Wirkung.

Wichtig: Die Inputphase ist nicht «weniger wichtig» als die Lernzeit. Sie legt das Fundament, klärt Begriffe, zeigt Verfahren, gibt Orientierung. Schlecht gemachte Inputphasen führen zu Phase-2-Lernzeit, in der die Schüler:innen orientierungslos herumirren.

In der Lernzeit

In Phase 2 ist die Lehrperson Begleiterin: Sie beobachtet, wo wer steht; gibt individuelles Feedback; berät bei Aufgabenwahl; arbeitet mit Einzelnen oder Kleingruppen an spezifischen Fragen; greift ein, wenn Aufgaben über- oder unterfordern.

Das verlangt eine andere Art von Präsenz als das Frontalunterrichten: weniger Reden, mehr Hören; weniger Antworten, mehr Fragen; weniger Vorgeben, mehr Ermöglichen. Diese Verschiebung ist für viele Lehrpersonen ungewohnt und braucht Übung.

In der Reflexion

In Phase 3 ist die Lehrperson Moderatorin: Sie strukturiert das Auswertungsgespräch, gibt Stimmen Raum, fasst zusammen, klärt offene Fragen. Hier kommt die Inputphase noch einmal zurück – im Sinne einer Sicherung des Gelernten.

Was die Rolle nicht ist

Das Churermodell macht die Lehrperson nicht überflüssig, im Gegenteil – ihre Bedeutung verändert sich. Die Forderung nach Wahl der Schüler:innen heisst nicht «laufen lassen». Beobachten heisst nicht «zuschauen». Begleiten heisst nicht «nichts sagen».

Lutz und Thöny betonen, dass die Rolle eine echte pädagogische Kompetenz verlangt – sie ist anspruchsvoller, nicht einfacher als das klassische Unterrichten. Die Lehrperson muss ständig zwischen Beobachten, Eingreifen, Zurückhalten, Fragen, Erklären und Loslassen wechseln. Wer das nicht eingeübt hat, fühlt sich im Churermodell oft hilflos.

Für adaptiven Unterricht ist diese Rollenverschiebung Voraussetzung – sie schafft die Möglichkeit, auf individuelle Lernstände wirklich zu reagieren.

Verbindungen

Literatur