Churermodell – Grundkonzept
Das Churermodell ist ein in Chur entwickeltes Unterrichtskonzept, das eine bestimmte Rhythmisierung der Lektion mit einer bestimmten Raumnutzung verbindet. Es ist in vielen Schweizer Volksschulen verbreitet – primär in der Primarstufe, zunehmend auch in der Sekundarstufe I. Lutz und Thöny haben das Modell systematisch beschrieben und für die Praxis aufbereitet.
Die drei Phasen
Eine Churermodell-Lektion strukturiert sich klassisch in drei Phasen:
Phase 1 – Inputphase im Kreis: Kurzer, klarer Lehrpersonen-Input im Stuhlkreis (typischerweise 5–15 Minuten). Die Lehrperson zeigt, erklärt, demonstriert, gibt Aufgaben bekannt. Der Kreis ist nicht zufällig – er sorgt für gemeinsame Aufmerksamkeit, Blickkontakt und überschaubare Gruppe.
Phase 2 – Lernzeit mit Wahl: Die längste Phase. Schüler:innen wählen aus mehreren Aufgaben oder Niveaus und arbeiten an unterschiedlichen Orten im Raum – allein, zu zweit, in Kleingruppen, mit oder ohne Lehrperson. Die Lehrperson begleitet, beobachtet, gibt Feedback.
Phase 3 – Auswertung und Reflexion: Rückkehr in den Kreis. Was wurde gelernt? Wer hat was bearbeitet? Welche Fragen sind offen? Diese Phase wird oft vernachlässigt – ist aber für die Lernwirksamkeit zentral.
Hintergrund-Annahmen
Das Modell baut auf mehreren Grundannahmen auf: Heterogenität ist Normalität, nicht Ausnahme; Wahl stärkt Verantwortung und Motivation; Raum ist «dritter Pädagoge» und beeinflusst, wie gelernt wird (siehe Lernlandschaft im Churermodell); Rhythmus zwischen Plenum und Einzelarbeit ermöglicht beides – gemeinsame Orientierung und individuelle Vertiefung.
Abgrenzungen
Das Churermodell ist nicht freies «Wochenplan-Lernen» – die kurze, dichte Inputphase im Kreis ist obligatorisch und prägt die Struktur. Es ist nicht beliebige Differenzierung – die Aufgaben in Phase 2 sind sorgfältig vorbereitet, mit klaren Erfolgskriterien.
Es ist auch nicht auf bestimmte Fächer beschränkt – Lutz und Thöny zeigen Anwendungen quer durch die Fächerlandschaft. Was es verlangt: eine Lehrperson, die loslassen kann, einen Raum, der die Lernlandschaft zulässt, und eine Klasse, die schrittweise an Selbststeuerung herangeführt wurde.
Verbindungen
- Inklusive Didaktik: innere Differenzierung – das Churermodell ist eine konkrete Realisierung innerer Differenzierung
- Adaptiver Unterricht – Prinzipien – das Churermodell operationalisiert Adaptivität durch räumlich-didaktische Struktur
- heterogenitat-in-den-klassen – das Churermodell ist eine Antwort auf wachsende Heterogenität
- Lernlandschaft im Churermodell – die räumlich-didaktische Konkretion des Grundkonzepts
Literatur
- Lutz, K. & Thöny, R. (2024). Das Churermodell. Dem Lernen Raum geben. Bern: Hep.
Verweise auf diese Seite
- Förderansätze in der Schule Zettelkasten
- Inklusive Didaktik: innere Differenzierung Zettelkasten
- Lernlandschaft im Churermodell Zettelkasten
- Projektbasiertes Lernen und multiple Intelligenzen Zettelkasten
- Rolle der Lehrperson im Churermodell Zettelkasten
- Wahlmöglichkeiten und Selbststeuerung Zettelkasten