🕸️
Churermodell – Grundkonzept

Churermodell – Grundkonzept

Das Churermodell ist ein in Chur entwickeltes Unterrichtskonzept, das eine bestimmte Rhythmisierung der Lektion mit einer bestimmten Raumnutzung verbindet. Es ist in vielen Schweizer Volksschulen verbreitet – primär in der Primarstufe, zunehmend auch in der Sekundarstufe I. Lutz und Thöny haben das Modell systematisch beschrieben und für die Praxis aufbereitet.

Die drei Phasen

Eine Churermodell-Lektion strukturiert sich klassisch in drei Phasen:

Phase 1 – Inputphase im Kreis: Kurzer, klarer Lehrpersonen-Input im Stuhlkreis (typischerweise 5–15 Minuten). Die Lehrperson zeigt, erklärt, demonstriert, gibt Aufgaben bekannt. Der Kreis ist nicht zufällig – er sorgt für gemeinsame Aufmerksamkeit, Blickkontakt und überschaubare Gruppe.

Phase 2 – Lernzeit mit Wahl: Die längste Phase. Schüler:innen wählen aus mehreren Aufgaben oder Niveaus und arbeiten an unterschiedlichen Orten im Raum – allein, zu zweit, in Kleingruppen, mit oder ohne Lehrperson. Die Lehrperson begleitet, beobachtet, gibt Feedback.

Phase 3 – Auswertung und Reflexion: Rückkehr in den Kreis. Was wurde gelernt? Wer hat was bearbeitet? Welche Fragen sind offen? Diese Phase wird oft vernachlässigt – ist aber für die Lernwirksamkeit zentral.

Hintergrund-Annahmen

Das Modell baut auf mehreren Grundannahmen auf: Heterogenität ist Normalität, nicht Ausnahme; Wahl stärkt Verantwortung und Motivation; Raum ist «dritter Pädagoge» und beeinflusst, wie gelernt wird (siehe Lernlandschaft im Churermodell); Rhythmus zwischen Plenum und Einzelarbeit ermöglicht beides – gemeinsame Orientierung und individuelle Vertiefung.

Abgrenzungen

Das Churermodell ist nicht freies «Wochenplan-Lernen» – die kurze, dichte Inputphase im Kreis ist obligatorisch und prägt die Struktur. Es ist nicht beliebige Differenzierung – die Aufgaben in Phase 2 sind sorgfältig vorbereitet, mit klaren Erfolgskriterien.

Es ist auch nicht auf bestimmte Fächer beschränkt – Lutz und Thöny zeigen Anwendungen quer durch die Fächerlandschaft. Was es verlangt: eine Lehrperson, die loslassen kann, einen Raum, der die Lernlandschaft zulässt, und eine Klasse, die schrittweise an Selbststeuerung herangeführt wurde.

Verbindungen

Literatur