Lernlandschaft im Churermodell
Ein zentrales Element des Churermodells ist die bewusst gestaltete Lernlandschaft – also der physische Raum, in dem Phase 2 (Lernzeit) stattfindet. Lutz und Thöny nehmen ernst, was in vielen Klassen unausgesprochen ist: Räume kommunizieren, was erwartet wird, was möglich ist, was verboten ist.
Was eine Lernlandschaft ausmacht
Eine Lernlandschaft kennt verschiedene Lernorte im selben Raum: Tische zum konzentrierten Einzel-Arbeiten, Gruppentische für Austausch, Stehpulte für kurze Sequenzen, Boden- oder Teppich-Bereiche für entspanntere Arbeit, eine «ruhige Ecke» für Schüler:innen, die Rückzug brauchen, eventuell ein «Forscher-Tisch» mit Material zum Experimentieren.
Wichtig: Die Vielfalt ist kein Selbstzweck. Sie soll unterschiedliche Lernformen ermöglichen, die zur Aufgabe passen. Wer einen Text vertieft lesen will, braucht Ruhe; wer eine Aufgabe diskutieren will, braucht Austausch; wer etwas üben will, braucht Konzentration.
Klare Zonen, klare Regeln
Eine Lernlandschaft funktioniert nur mit klaren Regeln: Wo wird gesprochen, wo nicht? Wer entscheidet, wo gearbeitet wird? Was passiert bei Konflikten um Plätze? Lutz und Thöny betonen, dass die Regeln nicht der Lernfreiheit widersprechen, sondern sie erst ermöglichen. Ohne klare Zonen entsteht Chaos, und die Schüler:innen verlieren die Orientierung.
Material und Werkzeuge
Zur Lernlandschaft gehört auch das Material: Aufgaben in mehreren Niveaus zugänglich gemacht, Lösungen zur Selbstkontrolle, Hilfen für Stockphasen, Anschauungsmaterial. Material ist nicht «Beschäftigung», sondern Teil der didaktischen Architektur. Ein gut zugängliches Material ermöglicht Wahl; schlecht zugängliches Material zwingt die Schüler:innen, ständig die Lehrperson zu fragen.
Der Raum als «dritter Pädagoge»
Die Metapher vom Raum als «drittem Pädagogen» – nach Lehrperson und Mitschüler:innen – stammt aus der Reggio-Pädagogik und ist im Churermodell ein wichtiger Hintergrund. Räume sind nicht neutral. Ein Raum mit Reihen frontal zur Tafel kommuniziert «hier wird zugehört, hier wird zentral gesteuert». Eine Lernlandschaft kommuniziert «hier wird gearbeitet, hier wird gewählt, hier wird ausgetauscht».
Für Schulleitungen bedeutet das: Räume sind eine pädagogische Frage, nicht nur eine Möbel-Frage. Wer das Churermodell einführen will, muss Räume oft mit-umgestalten – das ist ein zusätzlicher Aufwand, aber konzeptionell unverzichtbar.
Verbindungen
- Churermodell – Grundkonzept – das übergeordnete Konzept, das die Lernlandschaft konstituiert
- Adaptiver Unterricht – Prinzipien – die Lernlandschaft ermöglicht adaptiven Unterricht räumlich-didaktisch
- Aufgabe als zentrales didaktisches Element – Aufgaben sind das didaktische Material in der Lernlandschaft
- lernateliers-altersgemischtes-lernen – verwandte Form offenen Lernens, in der die Lernlandschaft eine Schwester hat
Literatur
- Lutz, K. & Thöny, R. (2024). Das Churermodell. Dem Lernen Raum geben. Bern: Hep.
Verweise auf diese Seite
- Churermodell – Grundkonzept Zettelkasten
- Projektbasiertes Lernen und multiple Intelligenzen Zettelkasten