🕸️
Wahlmöglichkeiten und Selbststeuerung

Wahlmöglichkeiten und Selbststeuerung

Ein Kernprinzip des Churermodells: Schüler:innen treffen während der Lernzeit eigene Wahlen – über die Aufgabe, das Niveau, den Lernort, die Sozialform, manchmal das Tempo. Lutz und Thöny argumentieren, dass diese Wahl nicht «Sahnehäubchen» ist, sondern zentral für die Wirksamkeit des Modells.

Was gewählt werden kann

Typische Wahldimensionen im Churermodell:

Aufgabe: Welche der angebotenen Aufgaben wird zuerst, welche danach bearbeitet? Manche Aufgaben sind verpflichtend, andere ergänzend.

Niveau: Die meisten Aufgaben werden in mehreren Niveau-Varianten angeboten. Schüler:innen entscheiden, welches Niveau sie in Angriff nehmen – mit Möglichkeit zu wechseln, wenn die Wahl nicht passt.

Sozialform: Allein? Mit Partner:in? In Gruppe? Manchmal ist die Sozialform vorgegeben, oft frei wählbar.

Lernort: An welchem Ort im Raum wird gearbeitet? Diese Wahl ist nicht trivial – sie wirkt auf Konzentration, soziale Dynamik, Selbsteinschätzung («Wo arbeite ich am besten?»).

Reihenfolge und Tempo: Innerhalb gewisser Strukturen wählen die Schüler:innen, womit sie beginnen und wie lange sie an einer Sache bleiben.

Warum Wahl wirkt

Die Wirkmechanismen von Wahl sind in der Lernforschung gut belegt: Sie aktiviert Autonomieerleben – eine zentrale Motivationsquelle. Sie fördert Selbsteinschätzung – wer wählt, muss sich überlegen, was zu wem passt (Anschluss an SRL). Sie macht Lernen sichtbarer – die Wahl zeigt der Lehrperson, wo die Schüler:in steht.

Plus: Wahl verteilt Verantwortung – Schüler:innen lernen, mit Konsequenzen ihrer Entscheidungen umzugehen. Wer ein zu schweres Niveau gewählt hat, lernt nicht nur Mathematik, sondern auch Einschätzungskompetenz.

Grenzen der Wahl

Lutz und Thöny grenzen ab: Wahl heisst nicht «alles ist freigestellt». Manche Aufgaben sind verpflichtend. Manche Niveaus sind für bestimmte Schüler:innen empfohlen. Manche Lernorte sind in bestimmten Phasen nicht verfügbar. Die Lehrperson begleitet Wahlen und greift ein, wenn Schüler:innen systematisch zu leichte Aufgaben wählen oder Stagnationsmuster zeigen.

Zudem braucht Wahl Schulung. Schüler:innen müssen erst lernen, sinnvoll zu wählen – das ist eine Selbstregulationsfähigkeit, die sich entwickelt. Berufseinsteigende ins Churermodell zeigen oft Überforderung («Ich weiss nicht, was ich machen soll») oder Unterforderung («Ich nehme immer das Einfachste»). Beide Tendenzen sind normal und gehören zur Lernkurve. Mit klarer Begleitung und Reflexion lernen die Schüler:innen, ihre Wahlen zu kalibrieren.

Verbindungen

Literatur