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Lernmotivation – Quellen und Dynamik

Lernmotivation – Quellen und Dynamik

Berner betrachtet Lernmotivation als mehrdimensionales Phänomen, das nicht auf die einfache Unterscheidung intrinsisch/extrinsisch reduzierbar ist. Verschiedene Motivationsquellen wirken zusammen, verstärken oder unterminieren sich – und sie verändern sich über die Schulzeit.

Drei zentrale Quellen

Aus der Motivationsforschung lassen sich drei besonders bedeutsame Quellen identifizieren: Kompetenzerleben (das Erleben, etwas zu können – ein zentraler Treiber für anhaltende Auseinandersetzung), Autonomieerleben (das Erleben, selbst gestalten und entscheiden zu können – nicht «alles allein machen», sondern Wahlmöglichkeiten haben) und soziale Eingebundenheit (das Erleben, zugehörig und gesehen zu sein – im Klassenverband, in der Beziehung zur Lehrperson, vgl. Lehrer-Schüler-Beziehung als Wirkfaktor).

Diese Triade (nach Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan) ist auch im Erwachsenenlernen wirksam und gilt nicht nur für Schüler:innen.

Intrinsisch und extrinsisch – kein Gegensatz

Intrinsische Motivation (etwas tun, weil es interessiert) und extrinsische Motivation (etwas tun für eine Folge ausserhalb der Tätigkeit) sind nach Berner kein Gegensatz, sondern Pole eines Kontinuums. Extrinsische Anreize können intrinsisches Interesse wecken – aber auch zerstören, wenn sie als kontrollierend erlebt werden.

Schulen produzieren in den höheren Klassen typisch einen Motivations-Knick: Was als interessierte Auseinandersetzung begann, wird zur Notenjagd. Berner plädiert für eine Lernkultur, die intrinsische Motivation nicht systematisch erstickt – durch sinnvolle Aufgaben, durch Wahlmöglichkeiten, durch Beurteilungsformen, die nicht nur sortieren.

Erwartung × Wert

Ein klassisches Modell der Lernmotivation lautet: Motivation = Erwartung × Wert. Erwartung meint die Einschätzung, eine Aufgabe bewältigen zu können (vgl. Erwartungseffekte); Wert meint die Bedeutsamkeit der Aufgabe für die Lernende:n. Wer eine Aufgabe weder bewältigen zu können glaubt noch sinnvoll findet, hat null Motivation – egal wie laut die Lehrperson auffordert.

Praktische Implikation: Bei Motivationsproblemen lohnt sich die Diagnose, woran es fehlt: Erwartung (zu schwer / zu leicht / als zu schwer erlebt?) oder Wert (Sinn fehlt? Anschluss ans Leben fehlt? Beziehung zur Lehrperson?). Nur dann lassen sich passende Massnahmen ableiten.

Verbindungen

Literatur