Selbstreguliertes Lernen
Selbstreguliertes Lernen (SRL) bezeichnet die Fähigkeit, das eigene Lernen bewusst zu planen, zu überwachen, zu steuern und zu reflektieren. Berner sieht in der Förderung von SRL eine zentrale Aufgabe schulischen Lernens – Schüler:innen sollen nicht nur Inhalte lernen, sondern das Lernen selbst.
Drei Phasen
SRL läuft typischerweise in drei Phasen ab: Vorbereitung (Ziel klären, Vorwissen aktivieren, Strategien auswählen, Plan erstellen), Durchführung (Aufmerksamkeit halten, Strategien anwenden, Fortschritt überwachen, bei Bedarf anpassen), Reflexion (Ergebnis prüfen, eigenes Vorgehen bewerten, Konsequenzen für nächstes Mal ableiten).
Die meisten Schüler:innen lassen die erste und dritte Phase aus – sie «legen einfach los» und «sind fertig, wenn die Aufgabe gelöst ist». Damit fehlen die Phasen, in denen Lernen über die einzelne Aufgabe hinaus stattfindet.
Drei Komponenten
SRL wird in drei Komponenten differenziert: Kognitive Komponente (welche Strategien wende ich an? – siehe Lernstrategien und Metakognition); Metakognitive Komponente (was weiss ich über mein eigenes Lernen? Was funktioniert bei mir wie?); Motivationale Komponente (kann ich mich selbst aktivieren? Wie gehe ich mit Frust um? Welche Motivationsquellen aktiviere ich?).
Diese drei Komponenten greifen ineinander. Wer die Strategien kennt, aber sich nicht aktivieren kann, kommt nicht weit. Wer hochmotiviert ist, aber falsche Strategien wählt, ebenso wenig.
Wie SRL gefördert wird
SRL wird nicht durch einmalige Einführung gefördert, sondern durch regelmässige Routinen im Unterricht: Lernziele transparent machen, Strategien explizit thematisieren («Wie könnt ihr das angehen?»), Reflexionsphasen einbauen («Was hat dir geholfen? Was hat dich gebremst?»), Selbsteinschätzung vor und nach Tests, Lernportfolios oder Lernjournale führen.
Berner betont: SRL braucht Geduld. Lernende, die bisher gewohnt waren, geführt zu werden, müssen die Selbstregulation schrittweise üben. Bei manchen dauert es Monate, bis sich die Routinen verfestigen – und sie können in stressreichen Phasen wieder zerfallen, dann braucht es geduldiges Neu-Anlaufen.
Verbindungen
- Lernende als ihre eigene Lehrperson – die radikale Form selbstregulierten Lernens
- Lernstrategien und Metakognition – das kognitive Werkzeug der Selbstregulation
- Selbsteinschätzung der Lernenden – ein Top-Faktor – Selbsteinschätzung ist eine selbstregulative Schlüsselpraxis
- Lernmotivation – Quellen und Dynamik – Selbstregulation und Motivation bedingen sich gegenseitig
Literatur
- Berner, H. (2021). Einfach gut lernen. Bern: Hep.
Verweise auf diese Seite
- Exekutive Funktionen Zettelkasten
- Intrinsische Motivation Zettelkasten
- Lernstrategien und Metakognition Zettelkasten
- Neurofeedback Zettelkasten
- Partizipation und Empowerment Zettelkasten
- Wahlmöglichkeiten und Selbststeuerung Zettelkasten
- Überfachliche Kompetenzen im Lehrplan 21 Zettelkasten