Lernstrategien und Metakognition
Lernstrategien sind Vorgehensweisen, mit denen Lernende ihren Lernprozess strukturieren; Metakognition ist das Wissen über das eigene Denken und Lernen – «Denken übers Denken». Beide sind eng verbunden: Wer Metakognition entwickelt, wählt klügere Strategien. Bei Berner, Isler und Weidinger tauchen Lernstrategien als Werkzeug auf, das Aufmerksamkeit und Konzentration mittelfristig sichert: kognitive Strategien wie Elaborations-, Wiederholungs- und Organisationsstrategien sowie «Selbstkontroll- und Metakognitionsstrategien» – Planen, Organisation, Zeitmanagement, Selbstmonitoring (2021, S. 87).
Drei Strategie-Typen
Lernstrategien lassen sich grob in drei Typen einteilen – eine Systematik der Lernpsychologie (Wild und Schiefele, nicht im Korpus), die Berner et al. für die ersten beiden Typen übernehmen:
Kognitive Strategien verarbeiten Inhalt: Wiederholen (Vokabeln, Formeln), Elaborieren (Vorwissen aktivieren, Fragen stellen, Notizen machen, Mnemotechniken), Organisieren (Zusammenfassen, Wissensschemata bilden, externe Visualisierung; S. 87). Welche Strategie sinnvoll ist, hängt vom Lernziel ab – Auswendiglernen verlangt andere Strategien als Verstehen.
Metakognitive Strategien steuern den Prozess: Planen (Was tue ich zuerst? Wie viel Zeit brauche ich?), Überwachen (Habe ich verstanden? Wo hapert es?), Bewerten (Hat es funktioniert? Was würde ich anders machen?). Bei Berner et al. gehören dazu auch Fragen, die Lernende sich selbst stellen, um die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten – etwa nach dem Muster des Cognitive Apprenticeship (S. 87).
Ressourcen-Strategien organisieren Umstände: Zeit einteilen, Lernumgebung gestalten, Hilfe suchen, Anstrengung dosieren, Motivation regulieren. Das Buch führt diesen Typ nicht als Kategorie, behandelt seine Inhalte aber in eigenen Kapiteln – Lernräume, Motivation, Selbstregulation.
Metakognition als Schlüssel
Metakognition wird in der Lernforschung als besonders wirkungsvolle Fähigkeit identifiziert; Berner et al. verweisen auf Hattie, der metakognitiven Kompetenzen einen hohen Effekt zuschreibt, und empfehlen, mit den Schülerinnen und Schülern über das eigene Lernen zu sprechen (S. 241). Sie unterscheidet erfahrene von unerfahrenen Lernenden: Erfahrene kennen ihre Stärken und Schwächen, wissen, welche Strategien bei welcher Aufgabe funktionieren, und merken früh, wenn etwas nicht klappt.
Metakognition ist nicht «hochbegabt sein», sondern eine erlernbare Kompetenz. Sie wächst durch explizite Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernen – durch Lernjournale, durch Gespräche über das «Wie» des Lernens, durch Feedback zur Strategienutzung (nicht nur zum Ergebnis, vgl. Feedback in der Lernforschung – differenziert betrachtet). Ihre kognitive Voraussetzung sind die exekutiven Funktionen, die Berner et al. als Basis selbstgesteuerten Lernens beschreiben – trainierbar in jedem Alter (S. 54).
Schule und Strategien
Schule prüft oft Inhalte, thematisiert aber selten Strategien: Eine Mathematik-Stunde zeigt, wie Brüche addiert werden, aber nicht, wie man sich Brüche aneignet; eine Geschichts-Lektion vermittelt Daten, aber nicht, wie man sich historische Zusammenhänge merkt. Berner et al. setzen dagegen auf Planung: Sequenzen zum Kennenlernen und Trainieren verschiedener Lernstrategien gehören in die Jahresplanung – anhand von Lerninhalten, die ohnehin stattfinden (S. 88). Und im Fazit heisst es: Lehrpersonen sind in der Rolle, den Lernenden die notwendigen Werkzeuge mitzugeben – Lernstrategien, Raum und Zeit für selbstorganisierte Lernsettings, Möglichkeiten der Selbstgestaltung eigener Lernprozesse (S. 253).
Die Konsequenz für den Unterricht: Strategien explizit machen – nicht nur «was zu lernen ist», sondern «wie es gelernt werden kann». Diese «Sprache des Lernens» (vgl. Hatties Lernende als eigene Lehrperson) ist in der Lerndidaktik von Berner et al. zentral.
Verbindungen
- Selbstreguliertes Lernen – Lernstrategien sind das Werkzeug selbstregulierten Lernens
- Lernende als ihre eigene Lehrperson – Lernende, die ihre Strategien kennen, steuern ihr Lernen selbst
- Feedback in der Lernforschung – differenziert betrachtet – metakognitives Feedback ist besonders wirksam
- Exekutive Funktionen – exekutive Funktionen sind die kognitive Voraussetzung von Metakognition
Literatur
- Berner, H., Isler, R. & Weidinger, W. (2021). Einfach gut lernen. Bern: Hep. – exekutive Funktionen als Basis selbstgesteuerten Lernens S. 54; Lernstrategien als mittelfristige Intervention für Aufmerksamkeit S. 87 f.; Hattie zu metakognitiven Kompetenzen S. 241; Werkzeuge der Lehrpersonen S. 253. Druckseite = PDF-Seite − 1.
- Wild, K.-P. & Schiefele, U. (1994). Lernstrategien im Studium. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 15(4), 185–200. (nicht im Korpus; Dreiteilung kognitiv, metakognitiv, ressourcenbezogen)
Verweise auf diese Seite
- Kognitive Entwicklung (Piaget & Vygotsky) Zettelkasten
- Selbstreguliertes Lernen Zettelkasten
- Überfachliche Kompetenzen im Lehrplan 21 Zettelkasten