Lernstrategien und Metakognition
Berner unterscheidet zwischen Lernstrategien (Vorgehensweisen, mit denen Lernende ihren Lernprozess strukturieren) und Metakognition (dem Wissen über das eigene Denken und Lernen – «Denken übers Denken»). Beide sind eng verbunden: Wer Metakognition entwickelt, wählt klügere Strategien.
Drei Strategie-Typen
Lernstrategien lassen sich grob in drei Typen einteilen:
Kognitive Strategien verarbeiten Inhalt: Wiederholen (Vokabeln, Formeln), Elaborieren (Verknüpfung mit Vorwissen, Beispiele bilden), Organisieren (Mindmap, Strukturierung), Transformieren (in eigene Worte fassen). Welche Strategie sinnvoll ist, hängt vom Lernziel ab – Auswendiglernen verlangt andere Strategien als Verstehen.
Metakognitive Strategien steuern den Prozess: Planen (Was tue ich zuerst? Wie viel Zeit brauche ich?), Überwachen (Habe ich verstanden? Wo hapert es?), Bewerten (Hat es funktioniert? Was würde ich anders machen?).
Ressourcen-Strategien organisieren Umstände: Zeit einteilen, Lernumgebung gestalten, Hilfe suchen, Anstrengung dosieren, Motivation regulieren.
Metakognition als Schlüssel
Metakognition wird in der Lernforschung als besonders wirkungsvolle Fähigkeit identifiziert. Sie unterscheidet erfahrene von unerfahrenen Lernenden: Erfahrene Lernende kennen ihre Stärken und Schwächen, wissen, welche Strategien bei welcher Aufgabe funktionieren, und merken früh, wenn etwas nicht klappt.
Metakognition ist nicht «hochbegabt sein», sondern eine erlernbare Kompetenz. Sie wächst durch explizite Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernen – durch Lernjournale, durch Gespräche über das «Wie» des Lernens, durch Feedback zur Strategienutzung (nicht nur zum Ergebnis, vgl. Feedback in der Lernforschung – differenziert betrachtet).
Schule und Strategien
Berner kritisiert, dass Schule oft Inhalte prüft, aber selten Strategien thematisiert. Eine Mathematik-Stunde zeigt, wie Brüche addiert werden, aber nicht, wie man sich Brüche aneignet. Eine Geschichts-Lektion vermittelt Daten, aber nicht, wie man sich historische Zusammenhänge merkt.
Die Konsequenz für den Unterricht: Strategien explizit machen – nicht nur «was zu lernen ist», sondern «wie es gelernt werden kann». Diese «Sprache des Lernens» (vgl. Hatties Lernende als eigene Lehrperson) ist in der Berner'schen Lerndidaktik zentral.
Verbindungen
- Selbstreguliertes Lernen – Lernstrategien sind das Werkzeug selbstregulierten Lernens
- Lernende als ihre eigene Lehrperson – Lernende, die ihre Strategien kennen, steuern ihr Lernen selbst
- Feedback in der Lernforschung – differenziert betrachtet – metakognitives Feedback ist besonders wirksam
- Exekutive Funktionen – exekutive Funktionen sind die kognitive Voraussetzung von Metakognition
Literatur
- Berner, H. (2021). Einfach gut lernen. Bern: Hep.
Verweise auf diese Seite
- Kognitive Entwicklung (Piaget & Vygotsky) Zettelkasten
- Selbstreguliertes Lernen Zettelkasten
- Überfachliche Kompetenzen im Lehrplan 21 Zettelkasten