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Lernende als ihre eigene Lehrperson

Lernende als ihre eigene Lehrperson

Eine Leitthese, die Hattie in der Sequel weiter ausarbeitet: Das wirkungsvollste Lernen entsteht dort, wo Schüler:innen schrittweise zu ihrer eigenen Lehrperson werden – also ihre Lernziele kennen, ihren Stand realistisch einschätzen, Strategien wählen, Fortschritt überwachen und sich selbst Feedback geben.

Warum so wirksam

Wenn Schüler:innen wissen, wo sie hinwollen, wo sie stehen und was die nächsten Schritte sind, steuern sie ihr Lernen aktiv statt es zu erleiden. Die Wirkung ist mehrfach belegt – siehe Self-Reported Grades mit einer der höchsten Effektstärken bei Hattie.

Der Mechanismus ist plausibel: Aktive Lerner:innen verarbeiten Information tiefer, halten Anstrengung länger durch, regulieren Frust besser, transferieren auf neue Situationen wirksamer.

Drei Feedback-Fragen

Hattie formuliert drei zentrale Fragen, die jede:r Lernende sich selbst beantworten können sollte: «Wo gehe ich hin?» (klares Lernziel und Erfolgskriterien), «Wie weit bin ich?» (realistische Einschätzung des aktuellen Stands), «Was sind die nächsten Schritte?» (passende Strategien). Diese drei Fragen sind auch der Kern von wirksamem Feedback.

Konsequenzen für den Unterricht

Damit Schüler:innen zu ihren eigenen Lehrer:innen werden können, muss Unterricht transparent machen, was gelernt werden soll und wie man erkennt, dass man es kann (Erfolgskriterien). Schüler:innen brauchen Routinen der Selbsteinschätzung (z.B. vor einer Prüfung selbst tippen, was sie wissen, danach abgleichen). Sie brauchen Sprache für das eigene Lernen («Ich habe das verstanden, weil…», «Ich bin noch unsicher bei…»).

Lehrpersonen müssen umgekehrt Macht abgeben – Lernen ist nicht etwas, was sie steuern, sondern was sie ermöglichen. Das setzt eine entsprechende Grundhaltung voraus, wie sie in den Mind frames formuliert ist.

Für Schulleitungen: Schulen, die «Sprache des Lernens» kultivieren (sichtbare Lernziele, regelmässige Selbsteinschätzung, transparente Erfolgskriterien) machen Lernen zu einem geteilten Projekt zwischen Lehrenden und Lernenden – nicht zu etwas, was «mit» Schüler:innen gemacht wird.

Verbindungen

Literatur