Sozialformen und Methodenrepertoire
Berner, Isler und Weidinger gehen mit dem Methoden-Thema bewusst entspannt um. Sie kontern eine in der Praxis verbreitete Ideologisierung («Methode XY ist immer überlegen») mit einer pragmatischen Sicht: Es gibt keine universal beste Methode – wirksam ist, was zum Lernziel, zum Inhalt und zu den Lernenden passt.
Vier klassische Sozialformen
Die vier Grundsozialformen sind in jeder Lektion mischbar: Plenum (alle gemeinsam mit der Lehrperson – wirksam für Einführung, Sicherung, Diskussion), Einzelarbeit (für Verarbeitung und Selbstprüfung), Partnerarbeit (für gegenseitige Erklärung und Aushandlung), Gruppenarbeit (für komplexe Aufgaben mit Arbeitsteilung).
Jede Sozialform hat Stärken und Schwächen. Plenum ermöglicht effiziente Steuerung, vernachlässigt aber Einzelne. Gruppenarbeit kann hoch wirksam sein, ist aber organisations- und zeitintensiv. Wer nur in einer Sozialform unterrichtet, lässt Lernchancen liegen.
Methoden als Werkzeuge
Methoden sind didaktische Werkzeuge – nicht Bekenntnisse. Berner et al. plädieren für ein gepflegtes Repertoire (Lehrer:innenvortrag, fragend-entwickelndes Gespräch, Lernspirale, Stationenlernen, Projektarbeit, kooperatives Lernen u.a.) und gegen rigide Festlegung auf eine «Lieblings-Methode».
Bezug zu Hattie
Berner et al. sind in dieser Frage konsistent mit Hatties Befund (vgl. Direkte Instruktion vs. entdeckendes Lernen): Direkte Instruktion und entdeckendes Lernen sind nicht gegensätzlich, sondern komplementär – beide haben Effektstärken im positiven Bereich, je nach Lernziel.
Auswahlkriterien
Die Methodenwahl orientiert sich an mehreren Fragen: Was soll gelernt werden (Wissen, Können, Haltung)? Wo stehen die Schüler:innen? Wie viel Zeit ist da? Wie ist die Klasse zu führen (Sozialform-Wahl als auch Klassenführungsfrage)? Welche Aufgaben habe ich? Was ist mein eigenes Können (eine schlecht beherrschte komplexe Methode ist meist schlechter als eine gut beherrschte einfache)?
Verbindungen
- Merkmale guten Unterrichts – Methodenvielfalt ist ein Qualitätsmerkmal
- Direkte Instruktion vs. entdeckendes Lernen – die zwei Pole des Methodenrepertoires
- Aufgabe als zentrales didaktisches Element – die Aufgabe konkretisiert sich in einer Sozialform
- Adaptiver Unterricht – Prinzipien – Wechsel der Sozialformen ist ein zentrales Adaptivitäts-Werkzeug
Literatur
- Berner, H., Isler, R. & Weidinger, W. (2024). Einfach gut unterrichten (3. Aufl.). Bern: Hep.