Audit-Verfahren Volksschule Thurgau
Das Audit ist die kantonale Überprüfung der Schulqualität im Thurgau – ein systematischer Vergleich von Innen- und Aussensicht auf die Schule. Es löst die früheren Formate der externen Schulevaluation ab und stützt sich direkt auf den Qualitätsrahmen.
Funktion
Das Audit erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig:
- Kontrollfunktion: Überprüfung, ob die Elementarstufe (kantonaler Mindestanspruch) in allen 12 Merkmalen erreicht ist.
- Entwicklungsfunktion: Identifikation von Stärken und Entwicklungsbereichen über die Mindestanforderungen hinaus.
- Legitimationsfunktion: Externe Bestätigung der Schulqualität gegenüber Schulbehörde, Eltern, Öffentlichkeit.
- Lernfunktion: Der Vergleich Innen-Aussen liefert der Schule eine Perspektive, die intern nicht zugänglich ist.
Vergleich Innen-Aussen
Im Verfahren werden zwei Sichtweisen systematisch verglichen:
Innensicht: Die Schule legt dar, wo sie sich auf den vier Stufen sieht – belegt mit Dokumenten (Konzepte, Vereinbarungen, Protokolle, Berichte), eigenen Erhebungen, dem mehrjährigen Entwicklungsplan.
Aussensicht: Das Audit-Team sichtet Dokumente, führt Interviews mit Schulleitung, Lehrpersonen, Schüler:innen, Eltern und Schulbehörde, beobachtet Unterricht. Es kommt zu einer eigenen Einschätzung auf dem Vier-Stufen-Modell.
Die Differenz zwischen Innen- und Aussensicht ist oft das Aufschlussreichste – sie zeigt blinde Flecken (Schule sieht sich auf Zielstufe, Audit-Team auf Elementarstufe) oder auch versteckte Stärken (umgekehrt).
Konsequenzen aus dem Audit
Wenn die Elementarstufe nicht erreicht ist, verschriftlicht das Audit-Team konkrete Entwicklungsziele. Die Schule muss diese in eine Periode (typischerweise bis zum nächsten Audit) umsetzen.
Wenn die Elementarstufe erreicht ist, formuliert das Audit-Team Empfehlungen – nicht zwingend bindend, aber substanziell zu prüfen. Die Schule entscheidet selbst, ob und wie sie sich Richtung Ziel- oder Exzellenzstufe entwickeln will.
Verhältnis zur kontinuierlichen Qualitätsarbeit
Das Audit ist periodische Standortbestimmung, nicht alltägliches Qualitätsmanagement. Die alltägliche Arbeit liegt bei der Schule – mit ihrem internen Qualitätskreislauf, ihren Routinen, ihren Reflexionen und Evaluationen.
Eine gut geführte Schule begegnet dem Audit nicht mit Panik, sondern mit den Routine-Dokumenten, die sie ohnehin pflegt. Wer erst zum Audit Konzepte und Vereinbarungen aus dem Boden stampft, hat das Modell missverstanden.
Für die operative Vorbereitung eines Audit-Durchgangs siehe Audit-Vorbereitung für die Schulleitung (Kanton Thurgau).
Verbindungen
- Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau – Grundkonzept – der konzeptuelle Rahmen, an dem im Audit gemessen wird
- externe-schulevaluation – Audit ist die TG-Variante externer Schulevaluation
- Selbstevaluation und Fremdevaluation – die zwei Säulen – Audit ist eine Form der Fremdevaluation, der die schulische Selbstevaluation vorausgeht
- Audit-Vorbereitung für die Schulleitung (Kanton Thurgau) – die operative SL-Vorbereitung auf das Verfahren
Literatur
- Amt für Volksschule Thurgau (2024). Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau. Kanton Thurgau. https://av.tg.ch/public/upload/assets/99086/Qualitaetsrahmen_Volksschule_Thurgau.pdf — Gültig ab 01.08.2024 (Stand 22.01.2024)
Verweise auf diese Seite
- Audit-Vorbereitung für die Schulleitung (Kanton Thurgau) Zettelkasten
- Qualitätsplanung im Kanton Thurgau (§ 9 VSV TG) Zettelkasten
- Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau – Grundkonzept Zettelkasten