Selbstevaluation und Fremdevaluation – die zwei Säulen
Q2E ruht auf zwei sich ergänzenden Säulen: interne Selbstevaluation der Schule und externe Fremdevaluation durch Aussenstehende. Beide haben eigene Stärken und blinde Flecken – nur gemeinsam ergeben sie ein tragfähiges Bild.
Selbstevaluation
Selbstevaluation heisst: Die Schule beobachtet sich selbst – mit Befragungen, Daten-Erhebungen, Interviews, Unterrichtsanalysen, systematischer Reflexion (siehe Reflexive Praxis der Schulgemeinschaft). Sie ist die alltagsnahe Form der Qualitätsarbeit.
Stärken: Detailkenntnis, Anschluss an die konkrete Situation, Selbstverantwortung der Schule, niedrige Hemmschwelle (im Vergleich zu externer Inspektion). Blinde Flecken: Selbstbild kann verzerrt sein («wir sehen, was wir sehen wollen»); routinierte Wahrnehmung übersieht das Gewöhnliche; Schwierigkeiten in Tabu-Bereichen offen anzusprechen.
Q2E entwickelt mehrere Selbstevaluations-Instrumente: standardisierte Befragungen (Schüler:innen, Eltern, Kolleg:innen, Schulleitung), Beobachtungsraster für Unterrichtsbesuche, Reflexionsformate für Pädagogische Tage, Selbstbewertungs-Tools für einzelne Qualitätsbereiche.
Fremdevaluation (Externe Evaluation)
Externe Evaluation holt eine Aussensicht. Externe Fachleute (Bildungsbehörden, Inspektorate, Fachstellen) besuchen die Schule, führen Interviews, sichten Dokumente, beobachten Unterricht – und verfassen einen Bericht mit Stärken und Entwicklungsbereichen.
Stärken: Aussensicht, methodische Distanz, Vergleichbarkeit über mehrere Schulen, Legitimations-Funktion gegenüber Behörden, Anlass für Veränderung («Externe sagen, was intern verdrängt wurde»). Blinde Flecken: Momentaufnahme, mögliche Inszenierung durch die Schule, Tendenz zur generalisierten Beobachtung, Reaktanz im Kollegium («die wissen nicht, wie es bei uns ist»).
In der Schweiz ist die externe Evaluation kantonal unterschiedlich geregelt – Periodizität (typischerweise alle 4–6 Jahre), Methodik, Verbindlichkeit der Empfehlungen variieren.
Verhältnis der zwei Säulen
Q2E versteht beide Säulen als komplementär, nicht konkurrierend:
- Interne Selbstevaluation ist die alltägliche Qualitätsarbeit – sie geschieht ständig.
- Externe Fremdevaluation ist die periodische Standortbestimmung – sie geschieht alle paar Jahre.
Eine gute Praxis: Externe Evaluation vorbereiten durch interne Selbstevaluation – die Schule kann der externen Bewertungsperson mit Daten und Reflexionen begegnen, statt blank überrascht zu werden. Und externe Befunde fortführen in der internen Qualitätsarbeit – sie sollten nicht im Schubladenfach landen.
Schulleitungs-Rolle
Die Schulleitung verantwortet die interne Qualitätsarbeit umfassend. Bei externer Evaluation steht sie zudem als Ansprechperson und übersetzt zwischen externen Bewertern und der Schule. Ihre Aufgabe nach externer Evaluation: aus den Befunden konkrete Konsequenzen für die nächste interne Zyklus-Runde ziehen.
Verbindungen
- Q2E – Grundkonzept – Q2E verbindet beide Modi systematisch
- externe-schulevaluation – der formalisierte Fremdevaluations-Modus
- Qualitätssicherung und Evaluation (FSB, interne QE) – die Sicherungs-Logik hinter beiden Modi
- Reflexive Praxis der Schulgemeinschaft – Reflexion ist die niederschwellige Form der Selbstevaluation
- Unterrichtsanalyse als Methode – Unterrichtsanalyse ist ein konkretes Eval-Verfahren beider Modi
Literatur
- Steiner, P. & Landwehr, N. (2008). Q2E – Qualität durch Evaluation und Entwicklung (Heft 1 bis 6). Qualität durch Evaluation und Entwicklung. Konzepte, Verfahren und Instrumente zum Aufbau eines Qualitätsmanagements an Schulen. Bern: Hep.
Verweise auf diese Seite
- Audit-Verfahren Volksschule Thurgau Zettelkasten
- Q2E – Der Qualitätszyklus Zettelkasten
- Q2E – Grundkonzept Zettelkasten
- Reflexion vs. Evaluation – die TG-Unterscheidung Zettelkasten
- Stufenmodell als Standortbestimmungs-Instrument Zettelkasten