Reflexion vs. Evaluation – die TG-Unterscheidung
Eine TG-spezifische Differenzierung: Der Qualitätsrahmen Thurgau unterscheidet im Qualitätskreislauf bewusst zwischen Reflexion und Evaluation. Beide haben ihren Platz im Qualitätskonzept und werden auf der Exzellenzstufe sogar explizit voneinander abgegrenzt. Diese Unterscheidung wirkt zunächst spitzfindig, hat aber praktische Bedeutung.
Die Definition
Reflexion: Internes Nachdenken über die Zielerreichung. Findet im Kollegium oder in Teilgruppen statt. Stützt sich auf Erfahrungen, Beobachtungen, Gespräche. Eher qualitativ, eher informell. Liefert eine Innensicht.
Evaluation: Überprüfung der Zielerreichung mittels schriftlicher Befragungen (oder anderer systematisch erhobener Daten). Eher quantitativ, eher formell. Liefert eine breitere und belastbarere Datenbasis.
Warum die Unterscheidung wichtig ist
Schulen tendieren oft dazu, Reflexion und Evaluation zu vermischen oder das eine als das andere auszugeben:
- «Wir haben das im Kollegium besprochen, das war unsere Evaluation» – das ist Reflexion, nicht Evaluation. Sie hat ihren Wert, aber sie ist nicht repräsentativ und nicht datenbasiert.
- «Wir haben eine Befragung gemacht, da brauchen wir nicht mehr darüber zu reden» – das ist Evaluation, aber sie braucht Reflexion zur Verarbeitung. Daten allein verändern nichts.
Die TG-Unterscheidung schärft die Aufmerksamkeit dafür, welche Form der Überprüfung für eine konkrete Frage angemessen ist – und welche nicht.
Wann was?
Reflexion eignet sich für:
- regelmässige Routine-Überprüfung von Schul-Praxis
- erste Klärung neuer Themen
- Fragen, die qualitatives Erfahrungswissen erfordern
- Themen, bei denen die Beteiligten eingebunden sein müssen
Evaluation eignet sich für:
- periodische Standortbestimmungen
- Themen, bei denen die Stimme einer breiten Gruppe zählt (Schüler:innen, Eltern, Kollegium)
- Anliegen, die mit der Schulbehörde oder im Audit belegt werden müssen
- Vergleiche über Zeit (Längsschnitt-Daten)
Verhältnis im Qualitätskreislauf
Im TG-Modell ergänzen sich die beiden Formen:
- Reflexionen geschehen in der Schule regelmässig – als Routine im Kollegium.
- Evaluationen geschehen periodisch – mit grösserer Vorbereitung und systematischer Auswertung.
Das deckt sich mit der Q2E-Logik der zwei Säulen (siehe Selbstevaluation und Fremdevaluation – die zwei Säulen): Alltagsnahe interne Qualitätsarbeit (≈ Reflexion) und periodische systematische Erhebungen (≈ Evaluation).
Vor und nach Projekten
Auf der Exzellenzstufe wird die Unterscheidung erweitert: Evaluationen finden wenn angezeigt auch vor Beginn eines Projekts statt – als Bedarfserhebungen. Das macht aus dem Kreislauf eine vollständige Schlaufe: Vor dem Projekt klären, was nötig ist; während des Projekts beobachten und reflektieren; nach dem Projekt evaluieren, was es gebracht hat.
Diese Logik ist Kern datengestützter Schulentwicklung – und macht die Schule zur lernenden Organisation, nicht nur zur reagierenden.
Verbindungen
- Qualitätskreislauf TG – die Unterscheidung wird im Kreislauf prozessual relevant
- Selbstevaluation und Fremdevaluation – die zwei Säulen – Reflexion ist eine Vorstufe formalisierter Selbstevaluation
- Reflexive Praxis der Schulgemeinschaft – Reflexion als kontinuierliche Praxis, nicht als episodische Evaluation
- Datengestützte Schulentwicklung – Evaluation nutzt Daten, Reflexion auch Erfahrung – beide ergänzen sich
Literatur
- Amt für Volksschule Thurgau (2024). Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau. Kanton Thurgau. https://av.tg.ch/public/upload/assets/99086/Qualitaetsrahmen_Volksschule_Thurgau.pdf — Gültig ab 01.08.2024 (Stand 22.01.2024)
Verweise auf diese Seite
- Führungskreislauf und Qualitätskreislauf im TG-Qualitätsrahmen Zettelkasten
- Qualitätsbereich Führung (TG) Zettelkasten
- Qualitätskonzept und mehrjähriger Entwicklungsplan Zettelkasten
- Qualitätskreislauf TG Zettelkasten
- Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau – Grundkonzept Zettelkasten
- Supervision und Intervision Zettelkasten