Qualitätskonzept und mehrjähriger Entwicklungsplan
Zwei zentrale schulische Steuerungs-Dokumente verlangt der Qualitätsrahmen TG: das Qualitätskonzept (statisches Rahmenwerk für das Wie) und der mehrjährige Entwicklungsplan (dynamische Strategie für das Was). Sie sind komplementär – beide werden gebraucht, jedes für sich reicht nicht.
Das Qualitätskonzept
Das Qualitätskonzept beschreibt wie die Schule ihr Qualitätsmanagement betreibt. Auf der Zielstufe verlangt der TG-Rahmen, dass darin geregelt sind:
- Mitwirkungs- und Entscheidungsprozesse: Wer wird wann zu welchen Themen einbezogen? Wer entscheidet?
- 360°-Feedback-Ausgestaltung: Periodizität (wie oft befragen wir wen?), Verantwortlichkeiten, Umgang mit erhobenen Daten, Kommunikation der Ergebnisse.
- Reflexion vs. Evaluation: Wann arbeiten wir mit Reflexion, wann mit Evaluation? Die bewusste Unterscheidung gehört ins Konzept.
- Beschwerdemanagement: Wie geht die Schule mit Beschwerden um?
Damit ist das Qualitätskonzept das Betriebssystem der schulischen Qualitätsarbeit. Es wird selten geändert (alle 4–6 Jahre überprüft), aber es liegt allen anderen Qualitäts-Aktivitäten zugrunde.
Der mehrjährige Entwicklungsplan (MEP)
Der MEP definiert, woran die Schule in den nächsten Jahren arbeitet. Auf der Elementarstufe verlangt der TG-Rahmen, dass:
- der Plan mehrjährig angelegt ist (typischerweise 4 Jahre, im Rhythmus mit Legislatur-Perioden der Schulbehörde),
- er sich am Qualitätskreislauf orientiert (Planen → Umsetzen → Überprüfen → Massnahmen pro Schwerpunkt),
- die Ziele abgestimmt mit den Legislaturzielen der Schulbehörde sind,
- pro Schuljahr Indikatoren, Termine, Verantwortlichkeiten präzisiert sind.
Auf der Zielstufe sind zusätzlich Umsetzung und Überprüfung schriftlich festgehalten.
Verhältnis der zwei Dokumente
Qualitätskonzept und Mehrjahresplan stehen in funktionalem Verhältnis:
- Das Qualitätskonzept sagt: «So machen wir Qualitätsarbeit.»
- Der Mehrjahresplan sagt: «An diesen Themen arbeiten wir in den nächsten Jahren – nach Logik des Qualitätskonzepts.»
Wer nur ein Qualitätskonzept hat, aber keinen Mehrjahresplan, hat Routinen ohne Richtung. Wer einen Mehrjahresplan, aber kein Qualitätskonzept hat, hat Vorhaben ohne System.
Schwerpunkt-Setzung
Eine zentrale SL-Aufgabe ist die Schwerpunkt-Setzung im Mehrjahresplan. Realistisch sind:
- 2–3 grosse Entwicklungsthemen pro 4-Jahres-Periode, nicht mehr
- Pro Schuljahr 1 Hauptschwerpunkt, der intensiv bearbeitet wird
- Nebenher die laufende Qualitätsarbeit (Routinen, Audits, MAGs)
Mehr ist Selbstüberforderung – das Kollegium kann nicht in zehn Themen gleichzeitig substantiell weiterentwickeln. Die Steuergruppe ist die Instanz, die mit der SL die Schwerpunkt-Setzung mitvorbereitet und das Tempo realistisch hält.
Praxis-Falle
Eine wiederkehrende Falle: Die Schule schreibt ambitionierte Pläne, hat aber keine Routine zur Überprüfung. Nach zwei Jahren weiss niemand mehr, wo man steht. Der TG-Rahmen verlangt explizit, dass die Überprüfung vorgesehen ist – mit Indikatoren, Terminen, Verantwortlichkeiten. Das ist die kantonale Schutzvorrichtung gegen «Pläne in der Schublade».
Praktisch heisst das: Jeden Plan-Eintrag mit der Frage versehen: «Woran erkennen wir in einem Jahr, ob das gelungen ist?» Wenn keine Antwort möglich ist, ist die Zielformulierung zu vage – oder das Vorhaben gehört noch nicht in den Plan.
Lebendig halten
Beide Dokumente brauchen periodische Aufmerksamkeit, nicht nur einmaliges Erstellen:
- Jährlich wird der MEP-Stand überprüft – meist im Frühjahr für das nächste Schuljahr.
- Alle 2–3 Jahre wird das Qualitätskonzept überprüft – meist im Rahmen einer SL-Klausur oder eines Pädagogischen Tages mit der Steuergruppe.
- Bei Audit-Durchgängen sind beide Dokumente die zentralen Belege für die Innensicht.
Verbindungen
- Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau – Grundkonzept – der konzeptuelle Rahmen, den das Schul-Qualitätskonzept umsetzt
- Qualitätskreislauf TG – der TG-Q-Zyklus strukturiert den Mehrjahresplan
- Qualitätsbereich Führung (TG) – ein zentraler Bereich, der im Q-Konzept abzudecken ist
- Steuergruppen als Schulentwicklungs-Motor – tragen typischerweise die Umsetzung des Q-Konzepts
- Beschwerdemanagement an der Schule – Beschwerdemanagement ist ein verpflichtender Inhalt des TG-Q-Konzepts
Literatur
- Amt für Volksschule Thurgau (2024). Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau. Kanton Thurgau. https://av.tg.ch/public/upload/assets/99086/Qualitaetsrahmen_Volksschule_Thurgau.pdf — Gültig ab 01.08.2024 (Stand 22.01.2024)
Verweise auf diese Seite
- Audit-Vorbereitung für die Schulleitung (Kanton Thurgau) Zettelkasten
- Beschwerdemanagement an der Schule Zettelkasten
- Das Planungsjahr der Schule Zettelkasten
- Qualitätsbereich Führung (TG) Zettelkasten
- Qualitätskreislauf TG Zettelkasten
- Qualitätsplanung im Kanton Thurgau (§ 9 VSV TG) Zettelkasten
- Qualitätsrahmen TG als Arbeitsinstrument der Schulleitung Zettelkasten
- Schulprogramm im Kanton Zürich (§§ 41–48 VSV) Zettelkasten
- Supervision und Intervision Zettelkasten