Audit-Vorbereitung für die Schulleitung (Kanton Thurgau)
Ein kantonaler Audit-Durchgang ist für eine Thurgauer Schule ein bedeutendes Ereignis. Eine SL, die ihn als bewusst gestaltbaren Prozess versteht (statt als Belastung, die «vorüberzieht»), nutzt ihn zur Schulentwicklung. Die folgenden Hinweise sind erfahrungsbasiert – nicht aus dem Rahmen-Dokument selbst, sondern aus seiner praktischen Verarbeitung.
Zeitliche Planung
Ein Audit braucht Vorlauf. Realistisch:
- 12 Monate vorher: Audit-Datum kommuniziert, erste interne Standortbestimmung mit dem Stufenmodell.
- 9 Monate vorher: Lücken identifiziert, Schwerpunkt-Themen für die Vorbereitung gesetzt, Steuergruppe involviert.
- 6 Monate vorher: Konkrete Bearbeitung der Lücken läuft. Konzepte werden geschärft, fehlende Dokumente erstellt, schriftliche Befragungen durchgeführt.
- 3 Monate vorher: Kollegium wird umfassend informiert; Eltern werden informiert; Schulbehörde wird abgestimmt einbezogen.
- 1 Monat vorher: Letzte Dokumenten-Pflege; logistische Vorbereitung (Räume, Zeitfenster, Begleitung des Audit-Teams).
Wer erst 3 Monate vorher beginnt, kommt typischerweise in Stress und produziert Hektik-Dokumente, die nicht in die Schulpraxis eingebettet sind.
Dokumenten-Inventar
Frühzeitig: Welche Dokumente werden vom Audit-Team gefragt? Mindestens:
- Leitbild mit den Werten der Schule
- Qualitätskonzept (mit Mitwirkung, 360°, Reflexion/Evaluation, Beschwerdemanagement – siehe Qualitätskonzept und mehrjähriger Entwicklungsplan)
- Mehrjähriger Entwicklungsplan mit Indikatoren
- Funktionendiagramm und Pflichtenhefte
- Personalführungskonzept (Zielstufe Merkmal 8a) – siehe Personalführungskonzept an der Schule
- Unterrichtskonzept mit methodisch-didaktischen Ansprüchen
- Unterrichtsbeobachtungsbogen der SL
- Gesprächsleitfaden für MAG/MAB/FBS
- Beurteilungsvereinbarungen (zyklusintern, zyklusübergreifend)
- Kommunikationskonzept
- Behördenprogramm der Schulbehörde
- Befragungsergebnisse der letzten Periode mit abgeleiteten Massnahmen
Diese Dokumente sollten aktuell, kohärent und beleg-fähig sein. Audit-Teams achten nicht nur auf die Existenz, sondern auf die Stimmigkeit – Konzepte, die keine Spur im Schulalltag haben, fallen auf.
Selbstbewertung gegen Innenbild
Vor dem Audit eine strukturierte Selbstbewertung durchführen: Wo stehen wir auf den vier Stufen, pro Merkmal? Diese Selbstbewertung wird vom Audit-Team aufgegriffen und mit ihrer Aussensicht verglichen.
Wichtig: Realistische Einschätzung. Wer alle Merkmale auf Zielstufe sieht, hat entweder eine ausserordentliche Schule oder ein verzerrtes Selbstbild. Das Audit-Team merkt das. Eine ehrliche Selbstbewertung, die Lücken benennt, verschafft mehr Glaubwürdigkeit als eine geschönte.
Stakeholder einbeziehen
Audit ist nicht «Sache der SL» – es betrifft alle Beteiligten:
- Steuergruppe: Mitarbeit an Vorbereitung, Verantwortung für einzelne Bereiche.
- Kollegium: Information über Ablauf, Klärung, was vom Audit-Team erwartet wird (z.B. Interview-Bereitschaft). Niemand soll überrumpelt werden.
- Schüler:innen: Vorbereitung, falls Schüler-Interviews vorgesehen sind. Schüler:innen müssen verstehen, was passiert – nicht «trainiert» werden, ehrlich zu antworten.
- Eltern: Information, dass das Audit stattfindet, mit Erklärung des Sinns und der Folgen.
- Schulbehörde: Abstimmung – die Behörde ist ja selbst Teil des Verfahrens (Merkmal 7a, Behördenprogramm).
Eigene Verfassung
Hier ein oft unterschätzter Aspekt: die Selbstführung in der Audit-Phase. SL erleben das Audit häufig als emotional belastend – ihre Arbeit wird beurteilt. Vorbereitung umfasst:
- Realistische Erwartungen (das Audit ist nicht Endgericht, sondern Standortbestimmung)
- Strukturierte Bearbeitung der Vorbereitung (kein Last-Minute-Frust)
- Klare Trennung Person und Funktion (Kritik am Qualitätsmanagement ist nicht Kritik an der Person)
- Unterstützungsnetzwerk (SL-Kolleg:innen, Coaching, Mentoring)
Nach dem Audit
Das Audit endet nicht mit dem Bericht. Die Schulleitung trägt Verantwortung für die Verarbeitung:
- Bericht im Kollegium darstellen – mit Stärken und Empfehlungen.
- Konkrete Konsequenzen ableiten – in den nächsten Mehrjahresplan einbauen.
- Bei Pflicht-Auflagen (Elementarstufe nicht erreicht): klarer Zeitplan zur Behebung.
- Bei Empfehlungen: gemeinsam mit Steuergruppe und Kollegium prüfen, welche aufgenommen werden.
Praxis-Pointe: Die wertvollste Audit-Arbeit beginnt nach dem Audit. Wer den Bericht versorgt und vergisst, verschenkt das Potenzial. Wer ihn systematisch verarbeitet, hat für die nächste Audit-Periode bereits die halbe Vorbereitung gemacht.
Verbindungen
- Audit-Verfahren Volksschule Thurgau – das kantonale Audit-Verfahren, dessen Vorbereitung diese Note operationalisiert
- Qualitätsrahmen TG als Arbeitsinstrument der Schulleitung – der inhaltliche Bezugsrahmen, an dem im Audit gemessen wird
- Stufenmodell als Standortbestimmungs-Instrument – das Bewertungsraster im Audit – Vorbereitung heisst Standortbestimmung pro Stufe
- Qualitätskonzept und mehrjähriger Entwicklungsplan – das auditierte Hauptdokument der Schule
- Selbstführung der Schulleitung – Audit-Vorbereitung ist auch persönliche Vorbereitung: Selbstreflexion vor externer Begutachtung
Literatur
- Amt für Volksschule Thurgau (2024). Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau. Kanton Thurgau. https://av.tg.ch/public/upload/assets/99086/Qualitaetsrahmen_Volksschule_Thurgau.pdf — Gültig ab 01.08.2024 (Stand 22.01.2024)
Verweise auf diese Seite
- Audit-Verfahren Volksschule Thurgau Zettelkasten
- Qualitätsrahmen TG als Arbeitsinstrument der Schulleitung Zettelkasten
- Stufenmodell als Standortbestimmungs-Instrument Zettelkasten