Personalführungskonzept an der Schule
Die Zielstufe des TG-Qualitätsrahmens (Merkmal 8a) verlangt ein eigenständiges Personalführungskonzept, in dem fünf Phasen der Personalarbeit beschrieben sind: Planung, Gewinnung, Führung, Entwicklung, Trennung. Damit wird Personalführung von Einzelfall-Praxis zu systematischer Aufgabe.
Die fünf Phasen im Detail
1. Personalplanung: Wie viele Stellen brauchen wir in welcher Konstellation? Wie wirken Pensionierungen, Pensumsänderungen, neue Aufträge zusammen? Personalplanung blickt mehrjährig voraus – nicht nur ins nächste Schuljahr.
2. Personalgewinnung: Wie suchen wir neue Mitarbeitende? Welche Stellen schreiben wir wann aus? Wie laufen Bewerbungsgespräche? Welche Beteiligten sind im Auswahlprozess? Hier braucht es klare Verfahren, nicht ad-hoc-Lösungen pro Vakanz.
3. Personalführung im engeren Sinn: Wie führe ich Mitarbeitende im Alltag? Welche Routinen pflege ich (regelmässige Kurzgespräche, Unterrichtsbesuche)? Wie reagiere ich auf Anliegen? Wie gestalte ich MAGs/MABs/FBS inhaltlich?
4. Personalentwicklung: Wie unterstütze ich Mitarbeitende in ihrer Entwicklung? Welches Weiterbildungs-Budget gibt es? Wie identifizieren wir Förderbedarfe und Potenziale? Wie gehe ich mit Lehrpersonen um, die Führungsverantwortung übernehmen wollen (Teacher Leadership)?
5. Personaltrennung: Wie verläuft eine Trennung – freiwillig (Pensionierung, Stellenwechsel) oder unfreiwillig (Entlassung wegen Leistungsproblemen, gesundheitliche Gründe)? Was geschieht in Übergangsphasen? Wie wird Wissen gesichert?
Was im Konzept stehen sollte
Ein gepflegtes Personalführungskonzept enthält mindestens:
- Grundsätze der Personalarbeit (was ist uns wichtig: Wertschätzung, Transparenz, Fairness, Entwicklungsorientierung)
- Verfahrens-Beschreibungen für die fünf Phasen
- Verantwortlichkeiten (was macht die SL allein, was im Schulleitungs-Team, was mit der Schulbehörde, was mit dem Personaldienst)
- Zeitliche Routinen (MAG-Zyklus, UB-Zyklus, Aus-/Eintrittsgespräche)
- Bezug zum Berufsleitbild und zu rechtlichen Vorgaben
- Anpassungs-Logik – wann und wie das Konzept überprüft wird
Praxis-Hinweise
Klein anfangen: Ein Personalführungskonzept entsteht nicht in einem Wochenende. Eine SL kann in der Anfangsphase die fünf Phasen erst skizzieren und dann sukzessive vertiefen – Phase nach Phase, Jahr nach Jahr.
Vorhandenes nutzen: Vieles existiert bereits implizit – als gelebte Praxis, als Mail-Routinen, als Schulbehörden-Regeln. Das Konzept macht es explizit und damit überprüfbar, kommunizierbar, weiterentwickelbar.
Lebendig halten: Das Konzept gehört auf den Tisch – bei Personal-Entscheidungen, bei MAGs, bei Konflikten. Wer es schreibt und dann nie wieder ansieht, verschwendet die Arbeit.
Mit dem LCH-Berufsleitbild verzahnen: Das Berufsleitbild gibt die berufsethische Grundierung; das Personalführungskonzept übersetzt sie in lokale Praxis.
Wirkung
Ein gepflegtes Personalführungskonzept hat mehrere Wirkungen: Es schützt die SL vor Beliebigkeit und Willkür-Vorwürfen; es gibt Mitarbeitenden Klarheit, was sie erwarten dürfen; es ermöglicht Vertretungen (wenn die SL ausfällt, ist die Personalarbeit nicht blockiert); es legitimiert Entscheidungen gegenüber der Schulbehörde.
Praxis-Tipp: Ein erstes funktionierendes Personalführungskonzept ist eines der wirksamsten Investments für eine neu antretende Schulleitung – es schafft in den ersten zwei bis drei Jahren überproportional Klarheit und Stabilität.
Verbindungen
- Qualitätsbereich Führung (TG) – der kantonale Qualitätsbereich, in dem Personalführung systematisch abgebildet wird
- Mitarbeitergespräch als Führungsinstrument – MAGs sind das operative Hauptinstrument eines Personalführungskonzepts
- Personalführung als Führungsaufgabe (Capaul) – PE als ein Strang neben Personalauswahl und -beurteilung im Konzept
- Berufsleitbild in der Schulleitungspraxis – berufsethische Grundlage, an der das Konzept seine Werte anbindet
- Schulleitung als Prozessgestalterin – ein Personalführungskonzept ist ein laufender Prozess, nicht ein einmaliges Dokument
Literatur
- Amt für Volksschule Thurgau (2024). Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau. Kanton Thurgau. https://av.tg.ch/public/upload/assets/99086/Qualitaetsrahmen_Volksschule_Thurgau.pdf — Gültig ab 01.08.2024 (Stand 22.01.2024)
Verweise auf diese Seite
- Audit-Vorbereitung für die Schulleitung (Kanton Thurgau) Zettelkasten
- Pensenplanung und Personalpool Zettelkasten
- Personalentwicklung als Teil eines attraktiven Arbeitgeberprofils Zettelkasten
- Qualitätsbereich Führung (TG) Zettelkasten