🕸️
Selbstführung der Schulleitung

Selbstführung der Schulleitung

Bevor eine Schulleitung andere führen kann, muss sie sich selbst führen können. Dazu gehören bewusste Zeit- und Aufmerksamkeitsallokation (was bekommt wann Vorrang?), regelmässige Reflexion der eigenen Praxis, das Setzen von Grenzen zwischen Beruf und Privatleben und der Aufbau persönlicher Resilienz gegen die hohe Belastung des Amtes.

Begriffsherkunft

«Selbstführung» bzw. «Self-Leadership» ist kein Begriff von Dubs – im ganzen Buch kommt er nicht vor. Er stammt aus der allgemeinen Führungsliteratur (Manz und Sims; Neck und Houghton). Dubs behandelt die Sache aber sehr wohl, unter anderen Begriffen und an einer spezifischen Stelle (siehe unten).

Was Dubs tatsächlich sagt (S. 329–331)

Im Abschnitt «Die Aufgaben der Schulleiterin oder des Schulleiters» weist Dubs ausdrücklich auf die «Gegebenheiten in der Person der Schulleiterin oder des Schulleiters» hin – also auf personale Voraussetzungen, die das Ausmass der Belastung nachhaltig beeinflussen. Er nennt konkret (S. 331):

Dubs' Pointe: Bei ungünstigen persönlichen Voraussetzungen helfen selbst die besten Arbeitstechniken wenig. Damit rahmt er Selbstführung nicht als private Tugend neben dem Beruf, sondern als professionell relevante Voraussetzung der Amtsausübung – sie beeinflusst direkt Belastung und Leistungsfähigkeit. (Die zugespitzte Formulierung «Teil der Berufsausübung, nicht ihr Privates daneben» ist eine sachlich gedeckte Interpretation dieser Stelle, kein wörtliches Dubs-Zitat.)

Arbeitstechnik: Zeitmanagement (S. 331)

Als konkrete Massnahme behandelt Dubs unmittelbar anschliessend das Zeitmanagement (Abschnitt «A: Zeitmanagement», S. 331) mit dem «Überprüfen des eigenen Arbeitsverhaltens» als erstem Schritt. Selbstführung beginnt bei Dubs also nüchtern-praktisch: bei der ehrlichen Analyse, wie die eigene Arbeitszeit tatsächlich verwendet wird, bevor Techniken zur Verbesserung greifen.

Abgrenzung: Belastung der Lehrkräfte ≠ Belastung der SL

Wichtig für die korrekte Einordnung: Dubs' umfangreiche Belastungs-Diskussion (Stress, Burnout, Belastungsmodelle, S. 57–60) zielt primär auf die Lehrkräfte und auf die Aufgabe der Schulleitung, deren Belastung zu steuern. Die hier relevante Perspektive – die Selbst-Belastung und Selbstführung der Schulleitung – ist die spezifische Stelle S. 329–331. Beide Stränge nicht verwechseln: einmal Fürsorge für andere, einmal Sorge für sich selbst.

Psychologische Vertiefung: Selbstwirksamkeit

Dubs benennt Resilienz und personale Ressourcen, bleibt aber auf der Beschreibungsebene. Die psychologische Tiefenschicht dazu liefert Bandura (1997): Die Selbstwirksamkeitserwartung der Schulleitung – die Überzeugung, auch schwierige Amtssituationen bewältigen zu können – ist eine zentrale Ressource für genau die Resilienz, die Dubs fordert. Auch Goleman's emotionale Intelligenz (bei Dubs S. 166: Selbstreflexion, Selbstmotivation, Selbstregulierung) gehört in diese personale Kompetenz-Schicht.

Verbindungen

Literatur