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Operatives vs. strategisches Führen

Operatives vs. strategisches Führen

Die Unterscheidung zwischen operativem und strategischem Führen ist bei Dubs (2019) nicht ein einzelnes Begriffspaar, sondern eine systematische Differenzierung, die auf zwei verschiedenen Ebenen wirkt. Wer die beiden Ebenen vermischt, gerät leicht in Verwirrung – wer sie sauber unterscheidet, sieht die Schulführung schärfer.

Zwei Lesarten bei Dubs

Lesart A – Behörde und Schule (NPM-Logik)

Auf der Ebene des Bildungssystems ist die Unterscheidung Kern des New Public Management-Modells: Die Schulbehörde verantwortet die strategische Führung (langfristige Ziele, Leitbild, Leistungsauftrag/Leistungsvereinbarung), die Schulleitung verantwortet die operative Führung (tägliche Umsetzung). Dubs schreibt explizit (Kap. 2.4 «Die Behördenorganisation: Strategische und operative Führung», S. 72):

«Ein zentrales Anliegen des NPM ist eine klare Trennung der Verwaltungsführung in strategische und operative Führung.»

Die Schwierigkeit in der Praxis benennt Dubs ebenfalls (S. 73): Schulbehörden, die «teilautonome Schulen einführen, ihren Aufgabenbereich und ihre Kompetenzen aber nicht systematisch darauf ausrichten, sondern sich weiterhin vornehmlich mit den einfacheren operativen Aufgaben, die in die Verantwortung der Schule gehören, beschäftigen». Das ist die systemische Verdrängungsdynamik bei Dubs: nicht das Operative verdrängt das Strategische innerhalb der SL, sondern Behörden steigen ins Operative ab statt strategisch zu agieren.

Lesart B – Drei Ebenen innerhalb der Schulführung

Auf der Ebene innerhalb der Schule differenziert Dubs (S. 87, Abb. 4.2) nicht zwei, sondern drei Formen der Schulführung – aus dem St. Galler Management-Modell übernommen:

EbeneZweckZeithorizont
Normative SchulführungWertvorstellungen, generelle Ziele, Führungsprinzipien5–8 Jahre
Strategische SchulführungLangfristige Zielvorstellungen für die Entwicklung der Schule zu einer guten Schule3–5 Jahre
Operative SchulführungTägliche Führung und Aktionen1–2 Jahre

Die häufig in der Praxis vorgenommene Reduktion auf zwei Ebenen (strategisch vs. operativ) verkürzt diese Dubs'sche Systematik: die normative Ebene – Werte und Führungsprinzipien – ist bei Dubs eine eigenständige Schicht mit eigenem Zeithorizont, nicht ein Sub-Aspekt des Strategischen.

Operative Führung präzise (Dubs S. 32)

Was operative Führung im Schulalltag konkret heisst, definiert Dubs S. 32 in drei Komponenten:

«Die tägliche Führung, d. h. die operativen Führungsprozesse einer Schule ist Prozessführung, bei der (1) Fragestellungen des Tagesgeschäftes durch Einzelentscheidungen gelöst, (2) Prioritäten für das Tagesgeschäft gesetzt werden und (3) immer wieder eine Optimierung aller Tätigkeiten angestrebt wird.»

Operative Führung ist also nicht bloss «Abarbeiten», sondern Prozessführung – mit Einzelentscheid, Priorisierung und kontinuierlicher Optimierung als methodischem Kern.

«Operatives verdrängt Strategisches» – Synthese-Beobachtung

Die im Management-Diskurs verbreitete Aussage, das Operative verdränge das Strategische innerhalb der Führungs-Rolle, ist bei Dubs nicht direkt formuliert – sie ist eine plausible Synthese-Beobachtung aus der allgemeinen Management-Literatur (Drucker, Covey u. a.), die in der Schulpraxis vielfach empirisch bestätigt ist. Bei Dubs findet sich die verwandte, aber andere Beobachtung S. 73 (siehe Lesart A): Behörden dringen ins Operative ein, statt strategisch zu führen.

Eine Empfehlung «bewusste Zeit- und Aufmerksamkeitsallokation, damit Strategiearbeit nicht in Randstunden verschwindet» findet sich bei Dubs nicht als explizite Aussage, ist aber konsistent mit seiner Systematik und mit der Drei-Ebenen-Logik: Wenn normative, strategische und operative Führung eigene Zeithorizonte haben, brauchen sie auch eigene Bearbeitungsräume.

Anschluss an verwandte Unterscheidungen

Die Operativ-/Strategisch-Unterscheidung ist verwandt mit, aber nicht identisch zur Doppelrolle Leadership/Management:

Aber nicht deckungsgleich – Leadership/Management ist eine Rollen-Unterscheidung (welche Wirkungs-Modi entfaltet die SL?), strategisch/operativ ist eine Zeit- und Verantwortungs-Unterscheidung (auf welchem Horizont arbeitet sie, und wer ist zuständig?). Die normative Ebene fügt eine eigene Dimension hinzu, die in der Leadership/Management-Differenzierung nicht direkt vorkommt.

Verbindungen

Literatur