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Selbstführung in der pädagogischen Profession

Selbstführung in der pädagogischen Profession

Selbstführung ist im Lehrberuf nicht private Tugend, sondern professionsethische Voraussetzung: Lehrpersonen und Schulleitungen arbeiten in einem Beruf mit hoher Autonomie und entsprechend hoher Selbst-Verantwortung. Dass der Dachverband LCH seinem Berufsstand 2024 ein eigenes Berufsleitbild und eine Berufsethik gegeben hat, ist Ausdruck einer kollektiven Selbstführung der Profession – und setzt zugleich Erwartungen an die individuelle Selbstführung jeder einzelnen Lehrperson und Schulleitung. Diese Note bündelt das Konzept in zwei Anwendungsebenen (LP und SL), klärt die theoretischen Wurzeln und zeigt die Werkzeuge.

Begriff und konzeptuelle Wurzeln

«Selbstführung» (englisch: Self-Leadership) bezeichnet den bewussten, reflektierten Umgang mit den eigenen Ressourcen, Aufmerksamkeiten und Werten in der Berufsausübung. Drei Wurzeln laufen zusammen:

Schweizer Verankerung – LCH 2024 und Dubs 2019

LCH-Berufsleitbild und Berufsethik 2024 als kollektive Selbstführung

Der LCH hat 2024 in einem aufwendigen Prozess Berufsleitbild und Berufsethik formuliert und an der DV verabschiedet. Das ist ein Akt kollektiver Selbstführung: Der Berufsstand setzt sich selbst Ziele, Standards und Grenzen, statt sich diese ausschliesslich von aussen geben zu lassen. Drei Hinweise im LCH-Dokument selbst:

Selbstführung wird damit zur Achse zwischen kollektivem Anspruch und individueller Praxis: Das Berufsleitbild formuliert den Anspruch, die individuelle Lehrperson lebt ihn durch Selbstführung.

Dubs 2019 zur Selbstführung der Schulleitung

Dubs sieht Selbstführung der SL als professionelle Voraussetzung, nicht als private Tugend: Eine erschöpfte oder reaktive Schulleitung kann weder strategisch arbeiten noch transformational führen. «Bevor eine Schulleitung andere führen kann, muss sie sich selbst führen können» (siehe Selbstführung der Schulleitung für die SL-Spezifik).

Zwei Anwendungsebenen

Ebene 1 – Lehrperson

Selbstführung der einzelnen Lehrperson umfasst sechs Dimensionen:

  1. Berufsethos pflegen: Innere Haltung zur eigenen Profession klären und kultivieren – die LCH-Berufsethik liefert dafür den gemeinsamen Reflexionsrahmen
  2. Reflexion verbindlich machen: Eigene Praxis regelmässig reflektieren, mit oder ohne andere – Logbuch, Supervision/Intervision, kollegiale Hospitation
  3. Weiterbildung aktiv steuern: «Lehrpersonen leben das Prinzip des lebenslangen Lernens» (LCH 2024, S. 23) – die Verantwortung dafür liegt bei der einzelnen Person, nicht beim Schulträger
  4. Grenzen ziehen: Berufsethisch widersprechende Aufträge ablehnen (LCH 2024, S. 14); Belastungs-Grenzen wahrnehmen; Arbeit-Privat-Trennung halten
  5. Selbstwirksamkeit pflegen: Erfolge wahrnehmen, kleine Wirksamkeitserfahrungen wertschätzen, Vertrauen in die eigene Wirksamkeit aktiv aufbauen (Bandura)
  6. Selbstmanagement-Werkzeuge nutzen: Zeit-, Aufmerksamkeits-, Energie-Management – siehe Riedener, Nussbaum & Storch 2018: Ich-Pakete für ein etabliertes Schweizer Selbstmanagement-Modell

Auffällig: Im LCH-Berufsleitbild und in der Berufsethik 2024 gibt es keinen expliziten Abschnitt «Verantwortung gegenüber sich selbst» – Selbstführung ist über die anderen Verantwortungsbereiche verteilt und wird implizit vorausgesetzt. Das ist eine bewusste oder unbewusste konzeptuelle Lücke des LCH-Dokuments.

Ebene 2 – Schulleitung

Die Schulleitung führt sich selbst und andere – das verdoppelt den Selbstführungs-Anspruch. Vertiefung in Selbstführung der Schulleitung (Dubs-orientierte Note), hier nur die Grundlinien:

Werkzeuge und Strukturen

Selbstführung wird durch Strukturen gestützt, nicht nur durch persönliche Disziplin. Wichtige Werkzeuge:

Bedeutung für die Schulleitung

Vier konkrete SL-Aufgaben zur Selbstführungs-Kultur im Kollegium:

  1. Sich selbst sichtbar selbstführen – die SL als Vorbild für reflektierten Umgang mit Zeit, Belastung, Grenzen
  2. Selbstführung der LP strukturell ermöglichen – durch zeitliche Räume für Reflexion, durch ein Q-Konzept, das Supervision/Intervision verankert (Supervision und Intervision)
  3. Selbstführung in der Berufseinführung adressieren – neue Lehrpersonen sind besonders verletzlich; Mentoring und kollegiale Begleitung helfen, früh eine Selbstführungs-Praxis zu entwickeln
  4. Mit dem MAG verzahnen – das Mitarbeitergespräch sollte nicht nur Leistung beurteilen, sondern Selbstführungs-Fragen aufgreifen (Belastung, Weiterbildung, Berufsethos, Entwicklungs-Ziele)

Stolpersteine

Verbindungen

Literatur