Q2E – Grundkonzept
Q2E – Qualität durch Evaluation und Entwicklung ist eines der einflussreichsten Schulqualitäts-Modelle im deutschsprachigen Raum. Norbert Landwehr und Peter Steiner entwickelten es ab Mitte der 1990er Jahre für Schweizer Schulen; das Standardwerk von 2008 fasst das Modell systematisch zusammen. Q2E ist heute Bezugsrahmen vieler kantonaler Qualitätsmanagement-Konzepte – auch der Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau lehnt sich daran an.
Grundidee
Q2E geht von einer einfachen Annahme aus: Qualität entsteht nicht durch Kontrolle von oben, sondern durch systematische Selbst-Beobachtung und Selbst-Entwicklung der Schule – ergänzt durch Aussensicht. Die Schule wird als verantwortlicher Akteur ihrer eigenen Qualität verstanden, nicht als zu inspizierendes Objekt.
Damit verbindet Q2E zwei Bewegungen: das Total-Quality-Management aus der Wirtschaft (mit dem PDCA-Zyklus) und die schulpädagogische Tradition, die Lehrpersonen und Schulen als reflexive Praktiker:innen versteht.
Methodische Herkunft von Q2E
Q2E ist im Schweizer Kontext der Ort, an dem die Verbindung von Aktionsforschung und multiperspektivischem Feedback ausbuchstabiert ist – ohne sie als «Aktionsforschung» zu benennen. Q2E ist methodologisch ein Aktionsforschungs-Modell mit Q-Management-Vokabular: Multiperspektivität, Selbstevaluation, iterative Zyklen, kollegiale Reflexion. Die historisch korrekte Antwort auf die Frage, woher Q2E methodisch kommt, lautet: aus der Aktionsforschungs-Tradition Lewins (siehe Action Research nach Lewin und lewin-1947-frontiers-in-group-dynamics-ii-channels-gcj2pwsq), in industrieller Übersetzung über TQM/Deming (siehe PDCA-Zyklus (Deming-Kreis)) kombiniert. Diese Doppelherkunft ist anschlussfähig in Qualitätsdebatten: Q2E ist kein willkürliches Schweizer Konstrukt, sondern steht in zwei international etablierten Methoden-Traditionen, die sich im Schulkontext produktiv überlagern.
Architektur des Modells
Q2E besteht aus mehreren ineinandergreifenden Elementen:
Qualitätsbereiche (siehe Q2E – Die vier Qualitätsbereiche): Die Bereiche, in denen Schulqualität sich zeigt – Schulkultur, Schulführung, Unterricht (Lehren und Lernen), Schulergebnisse.
Qualitätszyklus (siehe Q2E – Der Qualitätszyklus): Der wiederholbare Prozess von Planen, Umsetzen, Überprüfen, Anpassen.
Säulen der Evaluation (siehe Selbstevaluation und Fremdevaluation – die zwei Säulen): Selbstevaluation auf Schul- und Individualebene, ergänzt durch externe Evaluation.
Individualfeedback / 360°-Feedback (siehe 360°-Feedback im Q2E-Modell): Lehrpersonen erhalten systematisch Rückmeldungen von Schüler:innen, Kolleg:innen und gegebenenfalls Vorgesetzten – eine Q2E-spezifische Praxis.
Steuerung durch Schulleitung (siehe Q2E in der Schulleitungspraxis): Q2E gelingt nur mit aktiver Verankerung durch die Schulleitung.
Verbreitung und Adaptationen
Q2E hat sich in der Schweiz breit durchgesetzt – besonders in der Berufsbildung (Sek II) und in der Volksschule. Mehrere Kantone (u.a. Thurgau mit dem Qualitätsrahmen 2024, Bern, Solothurn) haben das Modell adaptiert. Die Adaptationen unterscheiden sich in Details (z.B. Anzahl Qualitätsbereiche, Zyklus-Schritte), behalten aber die Grundarchitektur bei.
Das Modell ist anschlussfähig an Capauls mehrdimensionales Qualitätskonzept und an den klassischen PDCA-Zyklus – Q2E ist keine konkurrierende Theorie, sondern eine operationalisierte Form bewährter Konzepte.
Verbindungen
- Schulqualität und Qualitätsmanagement bei Capaul – Q2E ist ein konkretes Beispiel mehrdimensionaler Qualitäts-Sicherung
- Q2E – Die vier Qualitätsbereiche – die inhaltliche Strukturierung des Grundkonzepts
- Q2E – Der Qualitätszyklus – die prozessuale Strukturierung des Grundkonzepts
- Selbstevaluation und Fremdevaluation – die zwei Säulen – die zwei Evaluations-Modi, die Q2E systematisch verbindet
- pdca-zyklus-schulentwicklung – PDCA ist der übergeordnete Zyklus-Logik, die Q2E spezifiziert
- Action Research nach Lewin – die zweite methodische Wurzel von Q2E; Lewins Aktionsforschungs-Methodologie als sozialwissenschaftliche Tradition hinter Selbstevaluation und Multiperspektivität
- 360°-Feedback im Q2E-Modell – das Q2E-Instrument, an dem die Aktionsforschungs-Herkunft am deutlichsten sichtbar wird
Literatur
- Steiner, P. & Landwehr, N. (2008). Q2E – Qualität durch Evaluation und Entwicklung (Heft 1 bis 6). Qualität durch Evaluation und Entwicklung. Konzepte, Verfahren und Instrumente zum Aufbau eines Qualitätsmanagements an Schulen. Bern: Hep.
- Lewin, K. (1947). Frontiers in Group Dynamics. II. Channels of Group Life; Social Planning and Action Research. Human Relations, 1(2), 143–153. https://doi.org/10.1177/001872674700100201
Verweise auf diese Seite
- 360°-Feedback im Q2E-Modell Zettelkasten
- Action Research nach Lewin Zettelkasten
- Die Schulentwicklungsinsel Zettelkasten
- Feedback-Kultur an der Schule Zettelkasten
- Führungskreislauf und Qualitätskreislauf im TG-Qualitätsrahmen Zettelkasten
- Mitarbeitergespräch als Führungsinstrument Zettelkasten
- PDCA-Zyklus (Deming-Kreis) Zettelkasten
- Personalentwicklung als Teil eines attraktiven Arbeitgeberprofils Zettelkasten
- Q2E in der Schulleitungspraxis Zettelkasten
- Q2E – Der Qualitätszyklus Zettelkasten
- Q2E – Die vier Qualitätsbereiche Zettelkasten
- Qualitätsrahmen Volksschule Thurgau – Grundkonzept Zettelkasten
- Schulanlässe. Ideenkatalog mit Kosten- und Aufwandsprognosen Zettelkasten
- Schulqualität als Input-Prozess-Output-Modell (Ditton) Zettelkasten
- Schulqualität und Qualitätsmanagement bei Capaul Zettelkasten
- Selbstevaluation und Fremdevaluation – die zwei Säulen Zettelkasten