Schulqualität als Input-Prozess-Output-Modell (Ditton)
Ditton (2000) systematisiert Schulqualität in einem Modell, das im deutschsprachigen Raum zur Standardreferenz wurde – Teil der internationalen Input-Prozess-Output-Tradition der Schuleffektivitätsforschung. Es verbindet zwei Dimensionen.
Zwei Dimensionen: Mehrebenen + Prozess
- Statisch – Mehrebenensystem: Schule ist ein verschachteltes System, in dem individuelle, unterrichtliche, schulische und kontextuelle Faktoren in wechselseitiger Verschränkung zu den Wirkungen beitragen. Vier Ebenen: Individuen (Schüler/Lehrer) → Lehr-Lern-Situation (Unterricht) → Schule → sozial-regionaler Kontext (S. 79).
- Dynamisch – Prozessbetrachtung («Produktionsfunktion des Schulwesens»): Eingangsbedingungen (Inputs) werden über Prozesse in Ergebnisse (Outputs, Outcomes) transformiert (S. 79).
Die Komponenten (Abb., S. 79 f.)
- Voraussetzungen / Bedingungen – strukturell, finanziell, materiell, personell, sozial (Inputfaktoren, inkl. struktureller Bedingungen des Schulwesens)
- Intentionen – Bildungsziele, Lehrpläne (intendiertes Curriculum)
- Schulqualität – schulische Merkmale und Prozesse: Schulkultur, Schulmanagement, Kooperation und Koordination, Personalentwicklung, implementiertes Curriculum
- Unterrichtsqualität – Unterrichtsmerkmale und -prozesse: Qualität des Lehrens und Lernens, Adäquatheit der Lehrinhalte
- Wirkungen (Outputs) – Leistungen, fachübergreifende Kompetenzen, Einstellungen, Haltungen (erreichtes Curriculum)
- Langfristige Wirkungen (Outcomes) – Bildungsziele, beruflicher Erfolg, gesellschaftlich-soziale Teilhabe
Ditton betont die Output-/Outcome-Unterscheidung: Outputs sind die unmittelbaren Ergebnisse (nicht nur Fachleistungen, auch Einstellungen und Haltungen), Outcomes die langfristigen Wirkungen. Die Bewertung der Wirkungen ist stets an die Erwartungen und Zielsetzungen zu koppeln, die dem Schulwesen vorgegeben werden (S. 79 f.).
Bedeutung für die Qualitätsarbeit
Das Modell warnt vor Verengung: Allein auf Schülerleistungen fixierte Assessment-Programme bleiben für Qualitätskontrolle und -sicherung unzureichend, weil sie Kontext- und Prozessfaktoren ausblenden. Qualitätssicherung muss alle Ebenen erfassen und die Wirkungen auf Unterrichtssituationen beziehen (S. 80 f.).
Verbindungen
- Schulqualität und Qualitätsmanagement bei Capaul – Capauls effektivitäts- und indikatorenbasiertes Qualitätsverständnis als komplementärer Zugang (nicht zu verwechseln mit Dittons IPOO-Raster)
- Ebenen der Unterrichtsqualität – die Unterrichtsebene (Komponente 4) im Detail
- Q2E – Grundkonzept – Q2E als Verfahren der Qualitätssicherung
- externe-schulevaluation – Evaluation als Erfassung der Wirkungen
- Visible Learning – das Grundkonzept – Hatties Wirkungsforschung (Outputs/Outcomes)
Literatur
- Ditton, H. (2000). Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung in Schule und Unterricht. Ein Überblick zum Stand der empirischen Forschung. In A. Helmke, W. Hornstein & E. Terhart (Hrsg.), Qualität und Qualitätssicherung im Bildungsbereich: Schule, Sozialpädagogik, Hochschule (Zeitschrift für Pädagogik, 41. Beiheft, S. 73–92). Weinheim: Beltz. – Mehrebenen- und Prozessdimension sowie Komponenten-Schema S. 79 f.; Grenzen leistungsfixierter Assessments S. 80 f.
- Ditton, H. (2000). Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung in Schule und Unterricht. Ein Überblick zum Stand der empirischen Forschung. Qualität und Qualitätssicherung im Bildungsbereich; Schule, Sozialpädagogik, Hochschule, Zeitschrift für Pädagogik, Beiheft, 73–92. https://doi.org/10.25656/01:8486
Verweise auf diese Seite
- Schulqualität und Qualitätsmanagement bei Capaul Zettelkasten