Q2E in der Schulleitungspraxis
Q2E ist kein Konzept, das «installiert» wird wie eine Software. Es entwickelt sich über Jahre in einer Schule – und es wirkt nur, wenn die Schulleitung es aktiv trägt. Steiner und Landwehr widmen der Implementations-Frage erheblichen Raum.
Phasen der Implementation
Eine typische Q2E-Einführung erstreckt sich über mehrere Jahre. Klassische Phasen:
Vorbereitung (6–12 Monate): Die Schulleitung informiert sich, klärt die eigene Position, bereitet das Kollegium vor, klärt mit der Behörde Rahmen und Ressourcen. Vorzeitiges Starten überfordert – aber zu langes Zögern lässt die Energie versanden.
Einführung Grundstruktur (1–2 Jahre): Erste Q2E-Elemente werden eingeführt – meist beginnend mit Leitbild-Arbeit oder Schulprogramm und einem ersten Schwerpunktthema. Die Schule lernt den Zyklus kennen und entwickelt erste Routinen.
Vertiefung und Routine-Bildung (2–4 Jahre): Weitere Q2E-Elemente werden integriert – Individualfeedback, Selbst- und Fremdevaluation. Routinen verfestigen sich, das Modell wird zur «normalen» Praxis.
Reifephase (ab 4–5 Jahren): Q2E ist Alltagsbestandteil. Die Schule passt das Modell ihren spezifischen Bedingungen an und entwickelt eigene Akzente.
Hebel der Schulleitung
Damit Q2E nicht zur Hülse wird, braucht es aktives Tun der Schulleitung:
Zeitliche Verankerung: Q2E-Arbeit braucht Zeit – im Stundenplan, im Jahresprogramm. Wenn nur «zwischen Tür und Angel» Qualitätsarbeit gemacht wird, bleibt sie marginal.
Strukturelle Verankerung: Eine Steuergruppe Qualität oder eine «Q-Gruppe» ist sinnvoll – mit klarem Mandat, Ressourcen, regelmässigen Treffen. So wird Verantwortung verteilt, ohne dass die Schulleitung alles allein tragen muss (anschlussfähig an Distributed Leadership).
Inhaltliche Fokussierung: Lieber wenige Themen gründlich als viele oberflächlich (vgl. Vom Projekt zur Prozessorientierung). Q2E mahnt zu Reduktion: Welcher Qualitätsbereich braucht jetzt Aufmerksamkeit? Was wird verschoben?
Kommunikative Verankerung: Q2E wird im Kollegium thematisiert, gefeiert, reflektiert. Wenn niemand davon spricht, existiert es nicht.
Typische Fallen
Steiner und Landwehr warnen vor wiederkehrenden Mustern:
Bürokratisierung: Q2E wird zu Papier, das ausgefüllt werden muss – ohne Wirkung auf die tatsächliche Schulpraxis. Selbst-Evaluationsbögen werden routinemässig ausgefüllt, die Ergebnisse niemandem gezeigt.
Selektive Anwendung: Q2E wird nur dort angewandt, wo es ungefährlich ist – nicht dort, wo es schmerzhaft wäre.
Schulleitungs-Distanz: Die Schulleitung verlangt Q2E vom Kollegium, ohne sich selbst zu beteiligen. Die fehlende Vorbildwirkung untergräbt das Modell.
Überforderung in Krisenzeiten: In Belastungssituationen werden Qualitäts-Routinen als erstes geopfert. Damit verschwinden gerade die Reflexions-Räume, die in Krisen wichtig wären.
Q2E als Lernweg
Q2E ist letztlich ein Lernweg der Schule als Organisation. Es bringt Konzepte (Senges lernende Organisation, PLG, datengestützte Schulentwicklung, reflexive Praxis) in ein konkretes Implementations-Modell. Schulleitungen, die das verstehen, nutzen Q2E nicht als externes Korsett, sondern als Werkzeug zur eigenen Schulentwicklungs-Reife.
Verbindungen
- Q2E – Grundkonzept – die theoretische Basis, deren Implementation hier praktisch wird
- Q2E – Der Qualitätszyklus – der Q2E-Zyklus strukturiert die Implementations-Phasen
- Schulleitung als Prozessgestalterin – Q2E-Implementation ist ein Paradebeispiel für SL-Prozessgestaltung
- Steuergruppen als Schulentwicklungs-Motor – Steuergruppen tragen typischerweise die Q2E-Implementation
- Vom Projekt zur Prozessorientierung – Q2E wird oft als Projekt gestartet und muss in Prozessroutinen überführt werden
Literatur
- Steiner, P. & Landwehr, N. (2008). Q2E – Qualität durch Evaluation und Entwicklung (Heft 1 bis 6). Qualität durch Evaluation und Entwicklung. Konzepte, Verfahren und Instrumente zum Aufbau eines Qualitätsmanagements an Schulen. Bern: Hep.
Verweise auf diese Seite
- Altersdurchmischtes Lernen (AdL) Zettelkasten
- Führungskreislauf und Qualitätskreislauf im TG-Qualitätsrahmen Zettelkasten
- Q2E – Grundkonzept Zettelkasten