🕸️
Begabungs- und Begabtenförderung (BBF)

Begabungs- und Begabtenförderung (BBF)

«Begabungs- und Begabtenförderung» ist im Schweizer Schuldiskurs und im Lehrplan 21 der integrative Standardbegriff für die Förderung von Potenzial und Leistungsstärke. Der Doppelbegriff ist kein Pleonasmus, sondern verbindet bewusst zwei Pole — und markiert damit den positiven Pol des Förderns: Hier geht es nicht um den Ausgleich eines Defizits, sondern um die Entfaltung von Potenzial.

Zwei Pole, ein Begriff

Der zusammengesetzte Begriff hält beide zusammen: kein Potenzial soll übersehen werden (der inklusive Anspruch), und die besonders Leistungsfähigen sollen nicht vergessen gehen (der spezifische Anspruch). Im gestuften Fördermodell liegt die Begabungsförderung damit auf Stufe 1 (guter Unterricht für alle), die Begabtenförderung auf Stufe 2 (gezielte einfache Massnahme; vgl. Unterstützungssystem und Glossar).

Die zwei Massnahmenstränge: Akzeleration und Enrichment

Die Begabtenförderung kennt zwei klassische Wege:

Beide sind keine Gegensätze, sondern werden je nach Kind und Fach kombiniert.

Begabung ist nicht gleich Leistung

Eine hohe Begabung schlägt sich nicht automatisch in guten Noten nieder. Das macht die Diagnostik von Begabung und Motivation wichtig und erklärt das Phänomen des Underachievers — hohe Begabung bei schwacher Leistung (Leistungsmotivation und Underachievement). Motivation ist dabei so zentral wie die kognitive Begabung selbst (Lehwald 2017). Die übliche Konvention für Hochbegabung (IQ über 130) erfasst denn auch nur einen Ausschnitt dessen, was BBF adressiert.

Förderung, nicht Elite

BBF ist von der Eliteförderung abzugrenzen (Begabung vs. Eliteförderung): Sie zielt nicht auf die Reproduktion privilegierter Gruppen, sondern ist Teil der Chancengerechtigkeit — Begabungen finden sich in allen sozialen Schichten, und gerade Underachiever oder Kinder aus bildungsfernen Familien profitieren. Damit fügt sich BBF in den inklusiven Anspruch ein, jedes Kind seinem Potenzial entsprechend zu fördern (vgl. Integration und Inklusion).

Lehrplan 21 und kantonale Verankerung

Der Lehrplan 21 verpflichtet zur Förderung aller Schülerinnen und Schüler, ausdrücklich auch der leistungsstarken, und liefert damit die curriculare Grundlage der Begabungsförderung. Die Begabtenförderung ist hingegen kantonal unterschiedlich organisiert: teils als Teil der sonderpädagogischen Massnahmen, teils als separates Angebot mit eigenen Pools, Beauftragten oder regionalen Kursen. Die feinkörnige kantonale Auflösung steht im Glossar und im Unterstützungssystem. Auf der Ebene der Schulentwicklung beschreibt Miceli (2023) BBF als Aufgabe der ganzen Schule, nicht einzelner Spezialangebote.

Für die Schulleitung

Die Leitungsaufgabe ist doppelt: ein BBF-Konzept verankern und eine Haltung des Potenzialblicks im Kollegium pflegen (Begabungen sehen, nicht nur Defizite). Konkret entscheidet die Schulleitung über Akzelerationen (etwa das Überspringen), steuert Enrichment-Ressourcen und trägt die Elternberatung bei Hochbegabung mit. Interview-tauglich: Begabungsförderung ist für mich kein Eliteprojekt, sondern Chancengerechtigkeit — ich will jedes Kind seinem Potenzial entsprechend fordern, vom Underachiever bis zur Hochbegabten.

Verbindungen

Literatur