Lehrplan 21
Der Lehrplan 21 ist der gemeinsame Lehrplan der 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone für die obligatorische Volksschule (Zyklen 1–3, Kindergarten bis 9. Klasse). Er wurde 2014 von der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) verabschiedet und in den Kantonen ab 2017 etappiert eingeführt. Rechtsgrundlage für die kantonsübergreifende Harmonisierung ist das HarmoS-Konkordat (2007) und Artikel 62 Absatz 4 BV.
Strukturmerkmale
- Drei Zyklen: Zyklus 1 (Kindergarten + 1./2. Klasse), Zyklus 2 (3.–6. Klasse), Zyklus 3 (7.–9. Klasse). Der Zyklus 1 verbindet Kindergarten und Schule explizit konzeptionell – ein wichtiger Bruch mit der früheren Trennung.
- Kompetenzorientierung: Lernziele werden als beobachtbare Kompetenzen formuliert (Was können Schüler:innen am Ende eines Zyklus?), nicht als Stoffkataloge. Das verändert Unterricht, Beurteilung und Schulleitungssteuerung erheblich.
- Fachbereiche und überfachliche Kompetenzen: Neben fachlichem Lernen (Sprachen, Mathematik, NMG/RZG/NT, Gestalten, Musik, Bewegung und Sport) werden überfachliche Kompetenzen (personale, soziale, methodische) und drei fächerübergreifende Themen (Berufliche Orientierung, Medien und Informatik, Bildung für Nachhaltige Entwicklung BNE) verbindlich.
- Grundansprüche statt Stoffvolumen: Für jeden Zyklus sind Grundansprüche definiert, die alle Schüler:innen erreichen sollen – darüber hinaus ist individuelle Förderung möglich.
Bedeutung für die Schulleitung
Die Schulleitung ist verantwortlich dafür, dass der Lehrplan 21 in ihrer Schule wirksam umgesetzt wird. Das umfasst:
- Unterrichtsentwicklung: Begleitung des Kollegiums bei der Umstellung auf kompetenzorientierten Unterricht und -beurteilung.
- Personalentwicklung: Weiterbildungsplanung zu Kompetenzorientierung, Medien und Informatik, BNE, Beurteilungspraxis.
- Organisationsentwicklung: Stundentafel, Teamstrukturen, Lernarrangements, altersdurchmischtes Lernen (ADL), Tagesstrukturen.
- Pädagogisches Raumprogramm: Der Lehrplan 21 verlangt Räume für Gruppenarbeit, fächerverbindende Projekte, individualisierte Lernformen – mit direkter Wirkung auf Schulraumplanung.
Kantonale Umsetzung
Trotz gemeinsamem Lehrplan bleibt die kantonale Souveränität in Umsetzungsfragen erhalten – ein klassisches Phänomen der Schweizer Educational Governance. Die Kantone regeln Stundentafel, Beurteilungssystem, Übertrittsverfahren, Lehrmittelkonkordat, Einführungszeitpunkt und Begleitprogramme eigenständig. Daraus entstehen teils erhebliche Unterschiede zwischen den Kantonen, die für SL relevant sind, wenn sie kantonsübergreifend arbeiten oder den Stellenwechsel ins Auge fassen.
Der Kanton Zürich hat den LP21 ab 2018/19 eingeführt, der Kanton Thurgau ab 2017/18, der Kanton St. Gallen ab 2017/18 – jeweils mit eigenen Beschlüssen und Weisungen des kantonalen Bildungsrats.
Verbindungen
- lehrplan-21-umsetzung-und-herausforderungen – Detaillierte Betrachtung der praktischen Implementationsfragen in den Schulen.
- Überfachliche Kompetenzen im Lehrplan 21 – Vertiefung zu personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen.
- Lehrplan 21 in Zürich, Thurgau und St. Gallen – substanzielle Unterschiede der kantonalen Fassungen – Vergleich der kantonalen Umsetzungsweisen (relevant für SL in ZH/TG/SG).
- Medien und Informatik (Lehrplan 21): Kompetenzen aufbauen – MI als neuer obligatorischer Bereich, eine der grösseren OE-/PE-Herausforderungen.
- kantonale-vorgaben-programme-vsv-lehrplan-21-quims – Wie der LP21 in kantonalen Programmen wie QUIMS verankert ist.
- Bildungsrats-Beschlüsse und Lehrplan 21 — Weisungen und Standards – Rechtliche Verankerung in den kantonalen Beschlüssen.
- Educational Governance – Der LP21 ist ein Paradebeispiel für Mehrebenen-Steuerung im föderalen Bildungssystem.
- Schulraumplanung in der Schweizer Volksschule – Der kompetenzorientierte Unterricht des LP21 hat Raumanforderungen, die in die Schulraumstrategie einfliessen.
Literatur
- D-EDK (2014/2016). Lehrplan 21. Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz. Online: lehrplan.ch
- HarmoS-Konkordat (Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule, 2007).
- Lehrplan Volksschule (2017). Bildungsdirektion des Kantons Zürich. https://zh.lehrplan.ch — Kantonale Primärfassungen (in Zotero): und – detailliert verglichen in .
- Amt für Volksschule Thurgau (2021). Lehrplan Volksschule Thurgau. Kanton Thurgau. https://tg.lehrplan.ch
Verweise auf diese Seite
- Begabungs- und Begabtenförderung (BBF) Zettelkasten
- Educational Governance Zettelkasten
- Förderansätze in der Schule Zettelkasten
- Gesamtschule — ein Begriff, drei Bedeutungen Zettelkasten
- Projektbasiertes Lernen und multiple Intelligenzen Zettelkasten
- Projektwoche im Musterbetrieb Zettelkasten
- Schulanlässe. Ideenkatalog mit Kosten- und Aufwandsprognosen Zettelkasten
- Schulraumplanung in der Schweizer Volksschule Zettelkasten
- Unterrichtsentwicklung (UE) Zettelkasten
- VSG-Totalrevision St. Gallen 2026 Zettelkasten
- Weiche Schulische Heilpädagogik ↔ Schulsozialarbeit Zettelkasten