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Berufsethische Grundwerte der Lehrperson

Berufsethische Grundwerte der Lehrperson

Das LCH-Berufsleitbild verankert das berufliche Handeln in mehreren Grundwerten, die als ethische Bezugspunkte für alle Tätigkeitsfelder dienen. Sie sind keine «Soft Skills», sondern konstitutiv für den Lehrberuf – ohne sie verlöre er seine pädagogische Substanz.

Würde und Achtung

Würde der lernenden Person ist der oberste Bezugspunkt: Jede:r Schüler:in wird unabhängig von Leistung, Herkunft, Verhalten oder Vorgeschichte als Person geachtet. Das gilt auch bei Schüler:innen, die schwierig sind, die enttäuschen, die belasten. Würde ist nicht etwas, das verdient werden muss – sie ist die Grundlage jeder pädagogischen Beziehung.

Operativ heisst das: Keine Demütigung, keine Lächerlichmachung, kein Ausspielen vor der Klasse, keine Etikettierung. Auch nicht in Belastungssituationen, in denen die Versuchung gross ist.

Wahrhaftigkeit

Wahrhaftigkeit verlangt, dass Lehrpersonen sachlich richtig vermitteln, ehrlich beurteilen, transparent kommunizieren. Schüler:innen müssen sich darauf verlassen können, dass Aussagen der Lehrperson der Sache entsprechen – beim Inhalt wie bei der Rückmeldung. Vorgespiegelte Begeisterung, unklare Notenbegründungen, geschönte Versprechungen unterhöhlen Vertrauen.

Wahrhaftigkeit schliesst auch ein, dass die Lehrperson eigene Grenzen anerkennt – «das weiss ich nicht, ich schaue nach» ist berufsethisch besser als improvisierte Halbwahrheit.

Gerechtigkeit

Gerechtigkeit meint die faire Behandlung aller Schüler:innen – ungeachtet von Geschlecht, sozialer Herkunft, Religion, Leistung, sympathischer Wirkung. Das ist anspruchsvoller, als es klingt: Jede:r hat Vorlieben und Vorurteile, die unbemerkt wirken. Gerechtigkeit braucht Selbstreflexion und systematische Überprüfung – wessen Hand sehe ich zuerst? Wem traue ich was zu? Wessen Fehler entschuldige ich, wessen nicht?

Gerechtigkeit verlangt auch angemessene Differenzierung: Gleichbehandlung aller wäre ungerecht gegenüber denen, die mehr Unterstützung brauchen. Gerecht ist, jedem das zu geben, was er braucht – mit klaren, nachvollziehbaren Massstäben.

Verantwortung und Sorgfalt

Lehrpersonen handeln verantwortungsvoll: Sie übernehmen die Folgen ihrer Entscheidungen, planen sorgfältig, dokumentieren wo nötig, schützen die ihnen anvertrauten Schüler:innen. Sorgfalt zeigt sich auch im «Kleinen»: vorbereitet in den Unterricht kommen, pünktlich sein, Rückmeldungen ernst nehmen, Vereinbarungen einhalten.

Diskretion und Persönlichkeitsschutz

Diskretion schützt die Persönlichkeit von Schüler:innen und Familien. Was die Lehrperson im Berufsalltag erfährt – über familiäre Verhältnisse, Schwierigkeiten, Diagnosen – ist vertraulich. Weitergabe nur an Berechtigte und nur, was wirklich gebraucht wird. Klatsch im Lehrerzimmer verletzt diesen Wert mehr als oft bewusst.

Diese Grundwerte sind interdependent – sie können sich auch widersprechen (Wahrhaftigkeit vs. Diskretion bei sensiblen Themen). Das berufsethische Handeln besteht oft darin, im Konkreten zwischen ihnen abzuwägen.

Verbindungen

Literatur