LCH-Berufsleitbild – Grundgedanke
Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) hat 2024 ein aktualisiertes Berufsleitbild verabschiedet, das die berufsethischen Grundlagen und das professionelle Selbstverständnis des Lehrberufs in der Schweiz formuliert. Es ist nicht «Anweisungen von oben», sondern ein selbst gesetztes Bezugsdokument der Profession – ein Akt der Selbstdefinition.
Zweck eines Berufsleitbilds
Ein Berufsleitbild erfüllt mehrere Funktionen: Es definiert nach innen, was die Profession von sich erwartet (Identität); es kommuniziert nach aussen, wofür der Beruf steht (Legitimation); es orientiert in Konfliktfällen, was berufsethisch tragfähig ist (Massstab); und es ermöglicht Reflexion, weil die Profession sich an einem expliziten Bezugspunkt selbst befragen kann.
Ohne ein solches Leitbild wirkt eine Profession wie blosse Aneinanderreihung von Einzelpersonen. Mit Leitbild wird sie zur kollektiven Berufsgemeinschaft mit geteilten Standards.
Wesentliche Akzente des LCH-Berufsleitbilds 2024
Das aktuelle Leitbild setzt mehrere Schwerpunkte: berufsethische Grundwerte (Würde, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit – siehe Berufsethische Grundwerte der Lehrperson); vier Verantwortungsfelder (Schüler:innen, Eltern, Kolleg:innen/Schule, Gesellschaft – siehe Verantwortungsfelder der Lehrperson); Reflexivität als professionelle Grundhaltung; Grenzen pädagogischen Handelns (siehe pädagogische Grenzüberschreitungen und Grenzen pädagogischen Handelns).
Das Leitbild ist explizit als lebendiges Dokument verstanden – nicht als statische Verordnung. Es lädt zu kontinuierlicher Auseinandersetzung ein und wird periodisch revidiert.
Verhältnis zu rechtlichen Regelungen
Das Berufsleitbild ist kein Recht – es kann niemanden disziplinarisch verpflichten. Aber es ist auch mehr als Empfehlung: Es ist eine professionelle Selbstverpflichtung, an der sich Lehrpersonen messen lassen können und sollen. In Konfliktfällen kann es als Argumentationsbasis dienen, etwa wenn rechtliche Vorgaben eindeutige Fälle nicht erfassen.
Für Schulleitungen ist das Berufsleitbild zudem ein wertvolles Werkzeug der Personalführung: Es bietet eine geteilte Sprache für Berufsethik-Gespräche, die über reine Rechtsfragen hinausgehen.
Verbindungen
- LCH (2024) – die Quellen-Literaturnotiz mit dem Volltext-Hintergrund
- Berufsethische Grundwerte der Lehrperson – die Grundwerte sind der Kern des Leitbilds
- Schulleitung als professionalisierte Leitungsfunktion (Capaul) – das Leitbild verortet Lehrpersonen als Profession – analog SL-Profession
- Verantwortungsfelder der Lehrperson – die vier Felder strukturieren das Leitbild
- Pädagogische Grenzüberschreitungen – das Leitbild benennt die Grenzen pädagogischen Handelns explizit
Literatur
- Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz [LCH] (2024). Berufsleitbild LCH | Berufsethik LCH.
Verweise auf diese Seite
- Berufsethische Grundwerte der Lehrperson Zettelkasten
- Berufsleitbild in der Schulleitungspraxis Zettelkasten
- Geleitete Schule – Grundkonzept Zettelkasten
- nBA (neu definierter Berufsauftrag) für Lehrpersonen Zettelkasten
- Schulleitung als Profession (professionssoziologischer Diskurs) Zettelkasten
- Tertiarisierung der Lehrpersonenausbildung Zettelkasten
- Verantwortungsfelder der Lehrperson Zettelkasten