Didaktische Modelle – Überblick
Berner, Fraefel und Zumsteg geben in Didaktisch handeln und denken einen Überblick über die wichtigsten didaktischen Modelle des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Modelle sind keine konkurrierenden Wahrheiten, sondern unterschiedliche Beschreibungs- und Analysewerkzeuge – jedes mit eigenem Fokus, eigenen Stärken, eigenen blinden Flecken.
Klassische Hauptlinien
Die wichtigsten Familien didaktischer Modelle:
Bildungstheoretische Didaktik (Klafki): Fokus auf die Inhalts- und Bildungsfrage – Warum soll dieser Inhalt gelernt werden? Was bildet, was ist nur Information? (Siehe Bildungstheoretische Didaktik (Klafki).)
Lerntheoretische Didaktik (Berliner und Hamburger Modell, Heimann/Otto/Schulz): Fokus auf Strukturmomente von Unterricht – Voraussetzungen, Ziele, Inhalte, Methoden, Medien. Eher analytisch-funktional, weniger normativ.
Kommunikative Didaktik: Fokus auf Interaktion zwischen Lehrperson und Lernenden – Unterricht als kommunikatives Geschehen, Beziehungs- und Inhaltsaspekt.
Konstruktivistische Didaktik: Fokus auf Lernende als aktive Konstrukteur:innen – Lehren ist Anregen, Stützen, Begleiten von Aneignungsprozessen.
Fachdidaktiken: Fokus auf das spezifisch Fachliche – wie wird gerade dieser Inhalt erschlossen? Mathematikdidaktik, Sprachdidaktik, Naturwissenschaftsdidaktik etc. haben je eigene Traditionen.
Wann welches Modell?
Berner et al. argumentieren gegen die ideologische Festlegung auf «das richtige» Modell. Je nach Fragestellung ist ein anderes Modell hilfreicher: Wer eine Lektionsreihe plant, profitiert vom lerntheoretischen Strukturmodell; wer einen schwierigen Inhalt didaktisch reduzieren will, vom bildungstheoretischen Ansatz; wer Interaktionsprobleme analysieren will, vom kommunikativen Modell.
Wert für die Praxis
Didaktische Modelle sind keine «Anleitungen», sondern Brillen, mit denen Unterricht betrachtet werden kann. Wer mehrere Modelle kennt, kann flexibler reagieren – im Planen, Reflektieren und Verändern. Wer nur eines kennt, läuft Gefahr, alle Probleme darin zu rahmen, auch wenn ein anderes Modell besseren Zugang böte.
Für die Lehrerbildung und Personalentwicklung ist das ein wichtiger Hinweis: Didaktische Modelle gehören zur fachlichen Grundausstattung, nicht zur «Theorie, die man nach dem Studium vergessen darf».
Verbindungen
- Bildungstheoretische Didaktik (Klafki) – Klafkis Modell ist ein zentraler Vertreter der deutschsprachigen Tradition
- Lehr-Lern-Prozesse – Grundbegriffe – die Modelle fokussieren letztlich auf Lehr-Lern-Prozesse
- Didaktisches Handeln – Grundbegriffe (Berner) – didaktische Handlungstheorie ergänzt die strukturellen Modelle
- Unterrichtsanalyse als Methode – die Modelle liefern die Kategorien für Unterrichtsanalyse
Literatur
- Berner, H., Fraefel, U. & Zumsteg, B. (Hrsg.) (2018). Didaktisch handeln und denken. Mit Fokus auf angeleitetes und eigenständiges Lernen. Bern: Hep.
Verweise auf diese Seite
- Bildungstheoretische Didaktik (Klafki) Zettelkasten
- Lehr-Lern-Prozesse – Grundbegriffe Zettelkasten