🕸️
Lehr-Lern-Prozesse – Grundbegriffe

Lehr-Lern-Prozesse – Grundbegriffe

Berner, Fraefel und Zumsteg führen die Grundbegriffe ein, mit denen die didaktische Theorie Lehr-Lern-Prozesse beschreibt. Diese Begriffe sind keine Korinthen-Klauberei, sondern Voraussetzung für klares Denken über Unterricht.

Lehren ≠ Lernen

Eine fundamentale Unterscheidung: Lehren ist das beobachtbare Handeln der Lehrperson (Erklären, Fragen, Aufgaben stellen, Feedback geben). Lernen ist die innere Verarbeitung der Lernenden – nicht direkt beobachtbar. Lehren kann Lernen ermöglichen, aber nicht erzwingen (vgl. Angebot-Nutzungs-Modell nach Helmke).

Diese Trennung verändert die Logik des Unterrichts: Eine «brillante Erklärung» ist nicht automatisch wirksamer Unterricht. Wirksam ist, was bei den Lernenden ankommt und verarbeitet wird – das hängt mehr von ihnen ab als von der Lehrperson.

Strukturmomente

Das Berliner Modell (Heimann, Otto, Schulz) – später vom Hamburger Modell (Schulz) weiterentwickelt – beschreibt Unterricht durch sechs Strukturmomente plus Bedingungsfelder. Die Strukturmomente:

Entscheidungsfelder:

  1. Intentionen (Ziele)
  2. Themen / Inhalte
  3. Methoden
  4. Medien

Bedingungsfelder:

  1. Anthropogene Voraussetzungen (lernpsychologische und individuelle Bedingungen)
  2. Soziokulturelle Voraussetzungen (gesellschaftliche, schulische, familiäre Rahmenbedingungen)

Diese sechs Felder stehen in Interdependenz – sie beeinflussen sich gegenseitig. Wer die Methode wechselt, verändert die Wirkung der Inhalte; wer andere Voraussetzungen vorfindet, muss Ziele neu denken.

Praktische Brauchbarkeit

Das Strukturmodell hilft bei der Planung und besonders bei der Analyse von Unterricht (siehe Unterrichtsanalyse als Methode): Wenn etwas im Unterricht nicht funktioniert hat, lässt sich die Frage stellen – in welchem Strukturmoment liegt das Problem? Sind die Ziele unklar? Passen die Methoden zu den Inhalten? Sind die Voraussetzungen anders, als angenommen?

Diese systematische Befragung ist hilfreicher als vage Diagnosen («Die Klasse war heute nicht bei der Sache»). Sie führt zu konkreten Veränderungsoptionen.

Bezug zu aktuellen Modellen

Das Strukturmodell ist konzeptuell anschlussfähig an die Ebenen der Unterrichtsqualität und an Helmkes Angebot-Nutzungs-Modell. Es ist heute weniger als rigides Planungsschema gemeint, sondern als Analyseraster – ein Werkzeug, um Unterricht systematisch zu reflektieren.

Verbindungen

Literatur