Lehr-Lern-Arrangements
Ein Lehr-Lern-Arrangement ist nach Zumsteg (2020) ein ausgestaltetes und theoriegestütztes Unterrichts-Setting, das die Formen von Lehren und Lernen massgeblich prägt. Anders als eine einzelne Methode oder Sozialform ist es die Gesamtgestaltung des Lern-Settings einer Unterrichtseinheit – inklusive Sozialform, Steuerung, Medien und Aktionsform.
Zwei Dimensionen
Zumsteg ordnet Lehr-Lern-Arrangements in einem Koordinatensystem mit zwei Achsen:
- Nach- vs. Selbstkonstruktion – Vollziehen die Schüler:innen vorstrukturierte Inhalte nach, oder entdecken und strukturieren sie selber?
- Fremd- vs. Selbststeuerung – Steuert die Lehrperson (oder ein Lehrmittel) den Lernprozess, oder entscheiden die Schüler:innen über Tempo, Ort, Form, Inhalt, Ziel?
Konkrete Arrangements lassen sich in diesem Raum verorten:
| Arrangement | Konstruktion | Steuerung |
|---|---|---|
| Frontalunterricht / Vortrag | Nach | Fremd |
| Übung / Drill | Nach | Fremd |
| Wochenplan / Lernzirkel | Nach | Selbst |
| Placemat / Kooperatives Lernen | Selbst | Fremd |
| Postenarbeit / Werkstattunterricht | mittel | mittel |
| Projektunterricht | Selbst | Selbst |
| Forschendes Lernen | Selbst | Selbst |
In der Planung lässt sich entweder von den Dimensionen ausgehen (welcher Selbstkonstruktions-/Steuerungs-Grad passt zur geplanten Einheit?) oder von einem konkreten Arrangement (passt sein Profil zu Lerngruppe und Lernziel?).
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
- Methode bezeichnet eine konkrete Mikro-Technik (Brainstorming, Murmelphase, Galeriegang). Ein Lehr-Lern-Arrangement integriert mehrere Methoden zu einem Setting.
- Sozialform (Einzel-/Partner-/Gruppen-/Klassenarbeit) ist nur eine Dimension eines Arrangements, nicht das Ganze.
- Aktionsform beschreibt das didaktische Handeln (Vortragen, Diskutieren, Anleiten) auf einer noch feineren Ebene.
- Im Sinne der Strukturmomente des Berliner Modells (siehe Lehr-Lern-Prozesse – Grundbegriffe) konkretisiert ein Lehr-Lern-Arrangement das Strukturmoment «Methoden» – aber mit Bezug zu Medien, Sozialform und theoretischer Begründung.
Praktische Bedeutung für die Schulleitung
Beim Unterrichtsbesuch und in der Unterrichtsentwicklung ist die Leitfrage zentral: Welches Arrangement wurde gewählt, ist es theoriegestützt, passt es zur Lerngruppe und zum Lernziel? Ein Lehr-Lern-Arrangement ist nicht «gut» oder «schlecht» an sich – sondern angemessen oder unangemessen im Kontext. Die schulweite Erweiterung des Arrangement-Repertoires (z. B. mehr kooperative oder selbstgesteuerte Formen) ist ein klassisches UE-Vorhaben.
Verbindungen
- Lehr-Lern-Prozesse – Grundbegriffe – Lehr-Lern-Arrangements konkretisieren das Strukturmoment «Methoden» im Berliner Modell
- Kompetenzorientierte Unterrichtsplanung – die Wahl des Arrangements ist ein zentraler Schritt der kompetenzorientierten Planung
- Ebenen der Unterrichtsqualität – das gewählte Arrangement prägt die kognitive Aktivierung und die konstruktive Unterstützung
- Unterrichtsentwicklung (UE) – die schulweite Erweiterung des Arrangement-Repertoires ist klassisches UE-Thema
Literatur
- Zumsteg, B. (Hrsg.). (2020). Unterricht kompetent planen. Vom didaktischen Denken zum professionellen Handeln. hep verlag/PHZH. (Kapitel «Entscheid für Lehr-Lern-Arrangements»)
- Niggli, A. (2000). Lernarrangements erfolgreich planen. Didaktische Anregung zur Gestaltung offener Unterrichtsformen. Sauerländer.
- Berner, H., & Zimmermann, T. (2005). Unvergessliche Lehr-Lern-Arrangements. Theoretisch geklärt – praktisch umgesetzt. Pestalozzianum.
- Zumsteg, B. (2020). Unterricht kompetent planen. Vom didaktischen Denken zum professionellen Handeln. Bern: Hep.
Verweise auf diese Seite
- Projektbasiertes Lernen und multiple Intelligenzen Zettelkasten