Didaktisches Handeln – Grundbegriffe (Berner)

Berner, Isler und Weidinger entwickeln in Einfach gut unterrichten einen praxisnahen Zugang zur Allgemeinen Didaktik. «Einfach» ist dabei kein Versprechen: Gerade der Unterricht, der leicht und locker daherkommt, ist «ein Zusammenspiel vielfältigster didaktisch-methodischer und sozialer Kompetenzen» (2024, S. 11). Unterrichten ist professionelles Handeln – nicht das Anwenden von Rezepten, sondern die reflektierte Gestaltung von Lernsituationen entlang allgemeingültiger Qualitätsmerkmale, über die sich die Unterrichtsforschung weitgehend einig ist (ebd.).

Kernbegriffe

Im Zentrum stehen drei Begriffe: Unterricht als geplante Lernsituation, Lernen als individueller Aneignungsprozess der Schülerinnen und Schüler, Lehren als das Handeln der Lehrperson, das Lernen ermöglicht. Diese Trias ist didaktisches Grundwissen; Berner et al. geben ihr mit Helmke und Weinert den Massstab: Guter Unterricht ist ein Unterricht, in dem mehr gelernt als gelehrt wird (S. 31). Lehren ist nicht Lernen – selbst der beste Unterricht «macht» kein Lernen, er bietet Lerngelegenheiten an (vgl. Angebot-Nutzungs-Modell).

Planen, Durchführen, Reflektieren

Didaktisches Handeln umfasst drei zeitlich verschachtelte Tätigkeiten, und der Aufbau des Buches folgt ihnen: Ein einführendes Kapitel setzt den Rahmen der Merkmale guten Unterrichts; sechs Kapitel widmen sich je einer Konzeption oder Methode des Durchführens, von der direkten Instruktion bis zum Lernen durch Spielen, ein siebtes der Beurteilung; den Abschluss bilden die strukturierte Planung und die differenzierte Reflexion (S. 13 f.). Andreas und Tuyet Helmke nennen im Vorwort das Merkmal-Kapitel und das Reflexionskapitel «zwei tragende Säulen»: Kollegiale Rückmeldungen – Hospitation, Videoanalyse – und der Abgleich der Perspektiven machen blinde Flecken bewusst, öffnen geschlossene subjektive Theorien und schützen als geteilte Reflexion sogar vor Erschöpfung (S. 9). Reflexion wird im Alltag am ehesten vernachlässigt; das Buch gibt ihr deshalb ein eigenes Kapitel.

Berners Grundhaltung

Berner et al. plädieren für eine handwerklich-reflektierte Haltung und wenden sich gegen zwei Pole. Gegen den Methodenglauben: Die verbreitete Meinung, selbstbestimmte und explorative Lernformen seien grundsätzlich besser, beruht auf isoliert betrachteten Faktoren; die Antwort ist eine «integrative, vielfältige Didaktik» statt einer «didaktisch-methodischen Monokultur» (S. 12 f.). Und gegen die Mystifizierung, gute Lehrpersonen seien geboren, nicht gemacht: Klassenführung «ist nicht Ausdruck irgendeines Talents» (S. 34), und im Nachfolgeband heisst die These gegen die Vorstellung einer angeborenen Lehrerpersönlichkeit schlicht: «Auf das Tun der Lehrerinnen und Lehrer kommt es an» (2021, S. 254).

Handwerk heisst auch, dass Wissen anwendbar werden muss. Die Kapitel sind deshalb nach dem dialogischen Lernen gebaut – «Das ist Ihre Aufgabe», «Das müssen Sie wissen», «So können Sie das anwenden», Übungen und Beispiele (S. 15) –, damit kein «träges Wissen» entsteht, das man kennt, aber nicht tut (Vorwort, S. 7). Der Grund für den Einstieg über die eigene Erfahrung ist ein empirischer: «Teachers teach as they were taught, not as they were taught to teach» (Altman, zitiert S. 16). Und der Anspruch an die Atmosphäre ist mit Comenius formuliert – eine Schule, in der Lernen «nicht Blut, Schweiss und Tränen bedeutet, sondern Freude, Lachen und entspannte Konzentration» (S. 17). Zugleich warnen die drei vor dem Missverständnis, gut unterrichten sei alles: Ohne ein öffentliches, demokratisch legitimiertes Bildungswesen «ist jeder noch so durchdachte didaktisch-methodische Unterricht nur Stückwerk» (S. 18).

Diese Grundlegung verbindet praktisches Können mit theoretischer Reflexion und ist Voraussetzung für alle weiteren Themen des Buches (Klassenführung, Lernaufgaben, Heterogenität, Beziehung, Methoden).

Verbindungen

Literatur