Klassenführung als Handwerk

Klassenführung – umfassender: Classroom Management – wird von Lehrpersonen, aber auch von Schulleitungen und Schulbehörden oft als das entscheidende Merkmal gelingenden Unterrichts genannt; bei Berner, Isler und Weidinger ist sie das zweite der zwölf Merkmale, und mit Helmke gilt sie als notwendige Voraussetzung für erfolgreiches und anspruchsvolles Unterrichten (2024, S. 27). Ohne sie bleibt jede didaktische Brillanz wirkungslos. Die Überschrift dieses Beitrags ist bei Berner et al. Programm: «Lernen Sie Klassenführung – sie ist nicht Ausdruck irgendeines Talents!» (S. 34).

Prävention vor Intervention

Die Basis einer modernen Klassenführung bilden Regeln, die gemeinsam mit den Lernenden erarbeitet werden. Störungen begegnet man sinnvollerweise präventiv durch Strategien der Aufmerksamkeitslenkung – Anweisungen und organisatorische Massnahmen, die die Aufmerksamkeit steuern; treten Störungen dennoch auf, sollen sie diskret und undramatisch behandelt werden (S. 27). Zwei Vertiefungen empfehlen Berner et al.: Noltings Leitfaden, der auf Jacob Kounins lerntheoretischem Klassiker aufbaut, und Rüedis tiefenpsychologisch orientierte Disziplin und Selbstdisziplin in der Schule, die den Akzent auf die Gestaltung der Lehrer-Schüler-Beziehung legt (S. 27 f., 35).

Kounins sechs Prinzipien

Aus Noltings Darstellung heben Berner et al. sechs Techniken der alltäglichen Klassenführung hervor (S. 34 f.):

Diese Prinzipien sind erlernbar – und sie lassen sich üben: Berner et al. schlagen vor, nach einer Unterrichtsstunde in einer Liste festzuhalten, welche der Strategien man befolgt, teilweise befolgt oder nicht befolgt hat (S. 45). Wer Klassenführung als Charakterfrage abtut, blockiert die eigene Professionalisierung.

Handwerk und Beziehung

Konkrete Elemente, die hier an anderer Stelle vertieft werden: klare Routinen für Start, Übergänge und Ende der Lektion (vgl. Ordnungsmomente und der Golden Circle im Umkehrschluss), klare Sprache in Anweisungen (vgl. Teacher Clarity; Klarheit ist bei Berner et al. das sechste Merkmal, S. 29) und eine tragfähige Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern – für Berner et al. gehört zur Klassenführung ein Selbsttest zur Frage, welche Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden der Disziplin förderlich ist (S. 35). Dahinter steht Kounins klassischer Befund, dass sich erfolgreiche Klassenführung weniger im Reagieren auf Störungen als im Verhindern unterscheidet (Kounin 1970, nicht im Korpus); eine Prozentzahl dafür gibt das Buch nicht an.

Verbindungen

Literatur