Mentale Modelle (Senge, 2. Disziplin)
«Mentale Modelle» sind bei Senge die tief sitzenden Annahmen, Bilder und Generalisierungen, mit denen wir die Welt erklären und in ihr handeln. Sie sind meist unbewusst, formen aber unsere Wahrnehmung und Entscheidungen stärker als explizite Strategien.
Wirkung mentaler Modelle
Mentale Modelle sind nicht per se schlecht – sie reduzieren Komplexität und ermöglichen schnelles Handeln. Problematisch werden sie, wenn sie veraltet, unhinterfragt oder kollektiv übernommen sind, ohne dass jemand sie noch prüft. Klassische Beispiele in Schulen: «Wer Mathe nicht schafft, ist faul.» «Eltern aus diesem Quartier interessieren sich nicht für Schule.» «Das haben wir schon immer so gemacht.»
Mentale Modelle prägen, was wir wahrnehmen (was passt zur Annahme), was wir interpretieren (alles wird in die Annahme eingeordnet) und was wir handeln (entsprechend der Annahme). Wer mentale Modelle nicht bearbeitet, bearbeitet die Wirklichkeit nicht – sondern nur seine Wahrnehmung davon.
Die Disziplin
Mentale Modelle zu pflegen heisst: sie bewusst machen, prüfen und bei Bedarf revidieren. Senge spricht von der Disziplin, eigene Annahmen sichtbar zu machen («Was glaube ich gerade?») und für Prüfung freizugeben («Stimmt das?»).
Werkzeuge sind: die «Leiter der Inferenz» (wie kam ich von Beobachtung zu Bewertung zu Annahme?), das «linke-Hand-Tagebuch» (was sage ich? Was denke ich dabei wirklich?), bewusst dialogische Gesprächsformen.
Schulebene
Schulen sind Speicher kollektiver mentaler Modelle – sie heissen dann «Schulkultur» oder «das hat sich hier so eingebürgert». Schulleitungen, die Veränderung in Gang setzen wollen, müssen die mentalen Modelle ihres Kollegiums kennen – sonst stossen alle Reform-Energie an unsichtbare Wände.
Die Disziplin braucht Vertrauen: Mentale Modelle sichtbar zu machen heisst, sich verletzlich zu zeigen. Eine Schulkultur, in der das gefahrlos möglich ist, ist Voraussetzung – sonst bleiben die wirklichen Modelle hinter Höflichkeit verborgen.
Verbindungen
- Persönliche Meisterschaft (Senge, 1. Disziplin) – mentale Modelle sind Inhalt persönlicher Meisterschaft – Annahmen werden bewusst
- Innovation, Wandel und Widerstand in Schulen (Capaul) – Widerstand gegen Wandel speist sich aus impliziten mentalen Modellen
- Schulkultur als Gegenstand der Schulleitungs-Arbeit – Schulkultur ist die kollektive Verdichtung mentaler Modelle
- beruehmte-paedagogische-konzepte – viele klassische Konzepte sind mentale Modelle, die noch wirken
Literatur
- Senge, P. M., Klostermann, M. & Freundl, H. (2021). Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation (11. Aufl.). Freiburg: Schäffer-Poeschel.
Verweise auf diese Seite
- Informelle Führung in Schulen Zettelkasten
- Lernhindernisse in Organisationen (Senge) Zettelkasten
- Persönliche Meisterschaft (Senge, 1. Disziplin) Zettelkasten
- Systemdenken – die fünfte Disziplin Zettelkasten
- Team-Lernen (Senge, 4. Disziplin) Zettelkasten