Lernhindernisse in Organisationen (Senge)
Senge identifiziert mehrere typische Lernbehinderungen, die in Organisationen auftauchen und die Disziplinen der lernenden Organisation unterminieren. Wer sie kennt, kann sie früher erkennen und gegensteuern.
Häufige Lernhindernisse
«Ich bin meine Position»: Mitglieder identifizieren sich so stark mit ihrer Rolle, dass sie die Verantwortung für das Ganze nicht mehr fühlen. In Schulen: «Das ist nicht mein Fach.» «Dafür bin ich nicht angestellt.»
«Der Gegner ist da draussen»: Probleme werden externalisiert (Behörden, Eltern, schwierige Schüler:innen, die Politik). Damit fällt der Blick auf die eigenen Beiträge zur Situation weg. Senge zeigt: «Da draussen» und «hier drinnen» sind oft Teil desselben Systems.
Die Illusion der Initiative: Aktivismus wird mit Lernen verwechselt – viel Bewegung, wenig Reflexion. «Wir machen ständig etwas Neues» kann eine Lernverhinderungs-Strategie sein, weil keine Initiative lange genug läuft, um aus ihren Wirkungen zu lernen.
Fixierung auf Ereignisse: Die Aufmerksamkeit liegt auf dem akuten Ereignis (gestern gab es einen Vorfall), statt auf den Mustern dahinter (welche Vorfälle treten in welchen Konstellationen wiederholt auf?).
Das Gleichnis vom gekochten Frosch: Langsame Veränderungen werden nicht wahrgenommen – die Organisation reagiert nur auf akute Krisen, nicht auf schleichende Entwicklungen. In Schulen: langsamer Anstieg von Verhaltensproblemen, sinkende Anmeldezahlen, Kollegiums-Erosion.
Die Täuschung durch Erfahrung: «Wir lernen aus Erfahrung» funktioniert nur, wenn die Folgen unserer Handlungen zeitnah erlebbar sind. Bei Schulentwicklung liegen Ursache und Wirkung oft Jahre auseinander – Lernen aus solchen Schleifen ist anspruchsvoll.
Der Mythos vom Managementteam: Führungsteams werden als kompetente Entscheider:innen dargestellt – innerlich sind sie aber oft von defensiven Routinen geprägt und debattieren nicht offen, was zählt.
Konsequenz
Die Lernhindernisse sind keine Defekte einzelner Personen, sondern strukturelle Eigenschaften von Organisationen. Sie tauchen auch in motivierten, gut besetzten Teams auf. Wer sie als persönliches Versagen interpretiert, übersieht ihre Struktur und kämpft an der falschen Front.
Für die lernende Schule bedeutet das: Bewusst Räume und Routinen schaffen, in denen diese Hindernisse adressiert werden können – Reflexionsforen, Supervision, ehrliche Retrospektiven nach Entwicklungsprojekten.
Verbindungen
- Schule als lernende Organisation – die Senge-Theorie ist auf Schule als lernende Organisation übertragbar
- Team-Lernen (Senge, 4. Disziplin) – Team-Lernen ist die Senge-Disziplin, die Hindernisse direkt adressiert
- Mentale Modelle (Senge, 2. Disziplin) – mentale Modelle sind oft die unsichtbaren Quellen organisationaler Hindernisse
- Konfliktmanagement an Schulen – Lernhindernisse manifestieren sich oft als ungelöste Konflikte
Literatur
- Senge, P. M., Klostermann, M. & Freundl, H. (2021). Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation (11. Aufl.). Freiburg: Schäffer-Poeschel.
Verweise auf diese Seite
- Projektmanagement für Schulvorhaben Zettelkasten
- Vom Projekt zur Prozessorientierung Zettelkasten