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Innovation, Wandel und Widerstand in Schulen (Capaul)

Innovation, Wandel und Widerstand in Schulen (Capaul)

Capaul, Seitz und Keller (2020) behandeln die Veränderungsdynamik unter dem Entwicklungsmodus Innovation (Kap. 12, vgl. Optimierung vs. Innovation). Der Wandel wird als dreiphasiger Innovationsprozess modelliert; der Widerstand der Betroffenen gilt als normales Begleitphänomen, und das Concerns-Based Adoption Model (CBAM) dient als Diagnose-Linse auf den Entwicklungsstand der einzelnen Personen. Leitidee: Wandel ist nicht zu brechender Widerstand, sondern ein begleitbarer Entwicklungsverlauf.

Drei Phasen des Innovationsprozesses

Als Grundlage dient Lewins Modell (1943/1948/1963), das «die drei grundlegenden Phasen der Innovation» beschreibt (S. 583):

Capaul vergleicht mehrere Phasenmodelle (Tab. 84: Lewin; Müller-Stewens & Lechner 2016; Hall & Hord 2015) und arbeitet im Weiteren mit einem eigenen 3-Phasen-Modell (Tab. 85, S. 585): (1) Innovationen initiieren (grob konzipieren und auf eine breite Basis stellen), (2) Innovationen entwickeln und implementieren, (3) Innovationen optimieren und konsolidieren. Die anspruchsvollste Phase ist die Implementierung – Hall und Hord bebildern sie mit der «Implementierungsbrücke» (Abb. 121). Viele Innovationen scheitern, weil dabei die personellen und emotionalen Faktoren vernachlässigt werden (S. 584).

Widerstand als normales Begleitphänomen

Innovationsprozesse sind von Momenten geprägt, in denen Betroffene – rational wie irrational, getrieben von Ängsten, Überforderung und befürchtetem Kompetenzverlust – offen oder verdeckt Widerstand leisten (Kap. 12.6, S. 586). Erst die verhaltensorientierte Organisationslehre anerkannte, dass Widerstand aus den eigenen Reihen kommt und die Innovationsziele gefährden kann (Müller-Stewens & Lechner 2016). Capaul zitiert Hauschildt et al. (2016): Eine Innovation ohne Widerstand sei keine Innovation – Widerstände tragen die Merkmale eines Konflikts. Die Beteiligten sind dabei oft starken Belastungen ausgesetzt, zusätzlich zum Alltag (S. 580); weil der Prozess hohe Arbeits- und emotionale Belastungen erzeugt, ist der Aufbau von Vertrauen und Sicherheit eine zentrale Führungsaufgabe (S. 588).

CBAM: die Betroffenheit diagnostizieren

Innerhalb dieses Rahmens dient das Concerns-Based Adoption Model (Hall & Hord 2015, zurückgehend auf Fuller) als Orientierungshilfe (Kap. 12.7, S. 589 ff.). Drei Instrumente stufen die Lehrpersonen im Innovationsprozess ein:

Diagnose vor Intervention

Capaul stellt die Diagnose als Voraussetzung der geeigneten Intervention (Kap. 12.7.3, S. 594). Diagnose-Mittel: gezieltes Ansprechen einzelner Personen oder Anspruchsgruppen, schriftliche Befragungen, Zwischenevaluationen im Konvent (z. B. Zielscheibe) und eine Echogruppe – eine repräsentative freiwillige Gruppe aus der Lehrerschaft (evtl. mit Lernenden), die laufend befragt wird. Die Interventionen sind dann stufengerecht zu wählen (Abb. 124, in Anlehnung an Robbins & Alvy 2003): auf tiefen Stufen v. a. informieren und Umsetzungswege zeigen; auf mittleren Stufen Anwender berichten lassen und auf Konsequenzen hinweisen; auf hohen Stufen Zusammenarbeit und Weiterentwicklung ermöglichen.

Interventionsprinzipien

Aus dem Interventionskatalog (S. 587 f.; Tab. 87, S. 595):

Interventionen gehen nicht nur vom «Change Facilitator Team» aus; sie entstehen auch aus den Deutungen der Beteiligten selbst und sind dann weniger steuerbar (S. 590).

Verbindungen

Literatur