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Schule als soziales System (Capaul)

Schule als soziales System (Capaul)

Capaul, Seitz und Keller (2020) betrachten die Schule als dynamisches soziales System, das in vielfältigen wechselseitigen Beziehungen zu seiner Aussenwelt steht (S. 161). Sie stützen dieses Verständnis auf zwei Pfeiler: das St. Galler Management-Modell (u. a. Euler & Rüegg-Stürm 2002, Owens), das die Anatomie liefert, und Senges Systemdenken (Kap. 5.2.2), das die Denkhaltung liefert.

Aussenwelt: drei Umweltkreise und Anspruchsgruppen

Die Umwelt der Schule ist von aussen nach innen in drei Kreise gegliedert (S. 161, 262, Abb. 4): Gesellschaft und Wirtschaft (Beschäftigungssystem), das Bildungssystem und das direkte Schulumfeld. In jedem Kreis stehen der Schule Anspruchsgruppen gegenüber, mit denen sie in aktiver Auseinandersetzung steht.

Innenwelt: die Anatomie des Schulmodells

Die Innenwelt beschreibt Capaul ausdrücklich als Aufgaben der Schulleitung (Kap. 2.2) und ordnet sie nach den Kategorien des St. Galler Modells (S. 40–44):

Die Staffelung der Führung in normativ – strategisch – operativ ist eine zweite Achse desselben Modells → NSO-Modell: normativ – strategisch – operativ.

Systemdenken nach Senge

In einem eigenen Abschnitt (Kap. 5.2.2, S. 124–126) überträgt Capaul Senges «fünf Disziplinen» (Die fünfte Disziplin, Senge 1990/2006; Abb. 18) auf die Schule: persönliche Ziele (Lehrpersonen als «aktive Kraft» – «Organisationen lernen nur, wenn die einzelnen Individuen lernen»), mentale Modelle (transparent auszudiskutierende Grundannahmen), shared vision (Commitment zu den gemeinsamen Schulzielen), Teamlernen und – als integrierende fünfte Disziplin – das Systemdenken: Die Schulleitung müsse die Schule «als System mit Vernetzungen und dynamischen Wechselwirkungen betrachten und nicht als Summe isolierter Abteilungen oder Lehrpersonen»; die meisten Prozesse liefen «vernetzt und nicht linear» ab (S. 126).

Konsequenz für die Führung

Daraus folgt: Schulführung kann nicht linear-mechanisch denken, sondern muss die Vernetzung der Elemente antizipieren – ein Eingriff an einer Stelle wirkt auf die anderen zurück. Capaul stützt das doppelt: über Senges Systemdenken (Kap. 5.2.2) und über einen eigenen Modellabschnitt zu den «Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen den Elementen des Schulmodells» (Kap. 2.2.4–2.2.5), in dem er mit Bleicher (2004) von einer «gegenseitigen Durchdringung aller Dimensionen» ausgeht: Schon die drei Management-Ebenen dürften nicht zu getrennten Zuständigkeiten zerlegt werden; den Schnittstellen komme hohe Priorität zu; Qualitätsverbesserung entstehe durch gemeinsames Denken und Handeln (S. 44–45). Weil dieselben Kategorien zugleich die Landkarte der Führungsaufgabe sind, behält wirksame Führung alle Ordnungsmomente, Prozesse und Entwicklungsmodi im Blick.

Was Capaul nicht so sagt

Eine Gliederung der Schule in «vier Subsysteme» (personal/strukturell/prozessual/kulturell) findet sich bei Capaul nicht. Den Begriff «Subsystem» verwendet er in anderem Sinn – für die Kopplung und Autonomie organisationaler Teileinheiten (lose/feste Kopplung, Fremd-/Eigengestaltung; Kap. 6 Struktur). Die systemische Anatomie liefert stattdessen das St.-Galler-Modell (oben). — Die auf S. 210 genannte Trias «drei Variablen, die sich gegenseitig beeinflussen» bezieht sich auf Faktoren des Lernerfolgs/der Arbeitsbedingungen, nicht auf die drei Ordnungsmomente.

Verbindungen

Literatur