Stakeholder der Schule
Die Schule steht in einem Geflecht von Gruppen mit unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Erwartungen. Im englischsprachigen Management heisst das «Stakeholder» – Dubs (2019) verwendet diesen Begriff aber kaum (nur 1× im ganzen Buch). Sein Begriff, aus dem St. Galler Management-Modell, ist Anspruchsgruppen.
Begriffswahl
«Stakeholder» und «Anspruchsgruppen» meinen dasselbe; im Schweizer/St. Galler Kontext und bei Dubs ist «Anspruchsgruppen» der fachlich präzise Begriff. Diese Note nutzt ihn als Hauptbegriff.
Dubs' dreiteiliges Modell (Kap. 2, S. 35–62)
Dubs widmet den Beziehungen der Schule zu ihrem Umfeld ein eigenes Kapitel 2 «Umwelten, Anspruchsgruppen und Interaktionsthemen». Es gliedert das Feld in drei aufeinander bezogene Ebenen:
1. Umweltsphären (S. 35). Die übergeordneten gesellschaftlichen Felder, in denen die Schule steht. Dubs nennt vier und gibt zu jeder «Merkpunkte für Schulleitungen»:
- Gesellschaft (Werte, Erwartungen, Wandel),
- Natur (z. B. Umgang mit Energie und Material, Vorbildwirkung),
- Wirtschaft (Arbeitswelt, Anschlussfähigkeit),
- Informatik (Digitalisierung als gesellschaftlich-technische Sphäre).
(Das ist Dubs' schulgerechte Variante der klassischen St. Galler Umweltsphären – «Informatik» an Stelle von «Technologie».)
2. Anspruchsgruppen (S. 42). Die konkreten Gruppen mit eigenen, legitimen Ansprüchen an die Schule: Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Schulbehörde, Gemeinde und Staat. Jede Gruppe hat eigene Logiken und Erwartungen, die sich teils widersprechen.
3. Interaktionsthemen (S. 62). Die Themen, über die Schule und Anspruchsgruppen tatsächlich in Austausch treten – die «Verhandlungsflächen» zwischen den Logiken.
Rolle der Schulleitung
Die Schulleitung wirkt als Vermittlerin zwischen diesen Logiken: Sie repräsentiert die Schule nach aussen, kanalisiert Erwartungen nach innen und entscheidet, welche Ansprüche aufgenommen, welche zurückgewiesen, welche moderiert werden. Dubs unterstützt das mit konkreten «Merkpunkten für Schulleitungen» zu jeder Umweltsphäre und Anspruchsgruppe.
Eine bewusste Anspruchsgruppen-Analyse – wer ist relevant, mit welchen Interessen, in welcher Beziehung zur Schule – hilft, diese Aufgabe nicht reaktiv, sondern gestaltend wahrzunehmen. Dubs' dreiteiliges Raster (Umweltsphären → Anspruchsgruppen → Interaktionsthemen) ist dafür ein präziseres Werkzeug als eine generische «Stakeholder-Landkarte».
Verbindungen
- NSO-Modell: normativ – strategisch – operativ – Umweltsphären und Anspruchsgruppen stammen aus demselben St. Galler Management-Modell wie das NSO-Modell
- Educational Governance – die Mehrebenen-Steuerung (Staat, Behörde, Schule) ist die governance-theoretische Sicht auf dasselbe Anspruchsgruppen-Geflecht
- elternarbeit-und-kooperation – konkretisiert die Beziehung zur wichtigsten externen Anspruchsgruppe (Eltern: bei Dubs 86× im Kapitel)
- Multiprofessionelle Teams – interne Anspruchsgruppen-Konstellation
Literatur
- Dubs, R. (2019). Die Führung einer Schule: Leadership und Management (3., vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl.). Franz Steiner Verlag, Stuttgart. – Kap. 2 «Umwelten, Anspruchsgruppen und Interaktionsthemen»: Umweltsphären S. 35 (Gesellschaft, Natur, Wirtschaft, Informatik), Anspruchsgruppen S. 42, Interaktionsthemen S. 62; Modell-Überblick S. 24
- Dubs, R. (2019). Die Führung einer Schule. Leadership und Management (3. vollst. überarb. u. erw. Aufl.). Stuttgart: Steiner.
Verweise auf diese Seite
- Bildungsbericht als Führungsinstrument der Schulleitung Zettelkasten
- Die Schulentwicklungsinsel Zettelkasten
- Distributed Leadership – verteilte Führung Zettelkasten
- Gesellschaftliche Verantwortung der Lehrperson Zettelkasten
- Geteilte Vision (Senge, 3. Disziplin) Zettelkasten
- Partizipative Schulentwicklung Zettelkasten
- Schule als soziales System (Capaul) Zettelkasten
- Schulqualität und Qualitätsmanagement bei Capaul Zettelkasten