Distributed Leadership – verteilte Führung
Anderegg et al. greifen das Konzept Distributed Leadership auf und übertragen es auf die Schweizer Schulrealität. Die Grundthese: Führung in komplexen Schulen kann nicht eine Person allein leisten – sie ist immer auf mehrere Schultern verteilt, ob bewusst gestaltet oder nicht.
Was «verteilt» bedeutet
Verteilte Führung heisst nicht einfach Aufgabendelegation. Sie bedeutet, dass Führungsfunktionen (Initiieren, Koordinieren, Entwickeln, Repräsentieren) in der Schule mehrfach besetzt sind: durch die formelle Schulleitung, durch Fachverantwortliche, durch Steuergruppen, durch informelle Meinungsführer:innen im Kollegium. Wer welche Funktion wahrnimmt, kann je nach Thema wechseln.
Gestaltungsaufgabe der Schulleitung
Distributed Leadership entlastet die Schulleitung nicht von Verantwortung – im Gegenteil. Sie muss die Verteilung bewusst gestalten: Wer trägt welche Verantwortung? Welche Rollen sind formalisiert, welche informell? Wer entscheidet was? Wo gibt es Doppelspurigkeiten oder Lücken?
Anderegg et al. weisen darauf hin, dass verteilte Führung Vertrauen voraussetzt: Schulleitungen müssen es aushalten, dass Aufgaben anders erledigt werden, als sie es selbst getan hätten. Wer Mikromanagement betreibt, blockiert die Wirkung dieses Modells.
Eng verknüpft ist das Konzept mit professionellen Lerngemeinschaften und mit einer kooperativen Schulkultur – ohne diese Grundlage bleibt Distributed Leadership Theorie.
Verbindungen
- Steuergruppen als Schulentwicklungs-Motor – Steuergruppen sind die institutionalisierte Form verteilter Führung im Schulentwicklungs-Kontext
- Professionelle Lerngemeinschaft (PLG) – PLGs operationalisieren verteilte Führung auf der Kollegiums-Ebene
- Stakeholder der Schule – Distributed Leadership bezieht systematisch verschiedene Stakeholder in Führungsprozesse ein
- Schulkultur als Gegenstand der Schulleitungs-Arbeit – verteilte Führung gelingt nur in einer Kultur, die Vertrauen und geteilte Verantwortung trägt
- Angelsächsische Schulleitungsansätze – Übersicht – Distributed Leadership als eines der angelsächsischen Konzepte neben Instructional, Transformational, Servant und Successful Leadership
- Successful School Leadership nach Leithwood, Day und Sammons – distribuierte und direkte Führung als kontextsensitive Kombination
- Transformational vs. Servant Leadership im Schulkontext – Distributed Leadership als strukturelle Voraussetzung beider Stile
Literatur
- Anderegg, N., Beywl, W., Breitschaft, J., Bremm, N., Bronnert-Härle, H., Brückel, F., Carl, F., Castelli, P., Dierks, B., Fullan, M., Gerick, J., Gernhöfer, U., Guerra, R., Hagener, T., Hallinger, P., Jesacher-Rößler, L., Klein, E. D., Knies, A., Köferli, S., Kuster, R., MacBeath, J., Maurer, B., Peng, V., Pietsch, M., Racherbäumer, K., Rincón-Gallardo, S., Robinson, V., Schratz, M., Schwarz, J., Spirig Esseiva, R., Stähling, R., Strauss, N. C., Swaffield, S., Townsend, T., Tulowitzki, P., Wilhelm, C. & Ziervogel, L. (2023). Leadership for Learning – gemeinsam Schulen lernwirksam gestalten. Bern: Hep. https://doi.org/10.36933/9783035523010
Verweise auf diese Seite
- Altersdurchmischtes Lernen (AdL) Zettelkasten
- Angelsächsische Schulleitungsansätze – Übersicht Zettelkasten
- Informelle Führung in Schulen Zettelkasten
- Profi-Bürokratie (Mintzberg, 1979) Zettelkasten
- Qualitätsbereich Organisation (TG) Zettelkasten
- Schulleitung Zettelkasten
- Schulleitung als Leitungsaufgabe Zettelkasten
- Schulleitung als Prozessgestalterin Zettelkasten
- Schulleitung und Teacher Leadership – Zusammenspiel Zettelkasten
- Successful School Leadership nach Leithwood, Day und Sammons Zettelkasten
- Teacher Leadership – Grundkonzept Zettelkasten
- Transformational vs. Servant Leadership im Schulkontext Zettelkasten