Schulleitung und Teacher Leadership – Zusammenspiel
Strauss argumentiert: Teacher Leadership entfaltet sich nur, wenn die Schulleitung aktiv Raum dafür schafft – sonst bleibt es entweder schlummerndes Potenzial oder informeller Widerstand. Das Zusammenspiel ist gestaltbar, aber anspruchsvoll.
Was die Schulleitung beitragen muss
Anerkennung und Sichtbarkeit: Teacher Leadership darf nicht «im Stillen» passieren – die Schulleitung muss die Beiträge von Teacher Leaders im Kollegium benennen, würdigen, und in offiziellen Foren sichtbar machen.
Strukturen: Pflichtenhefte, Funktionszulagen, klare Mandate für Fachschaft, Steuergruppe, Mentorat. Ohne Strukturen bleibt Teacher Leadership ein guter Wille einzelner Personen.
Ressourcen: Teacher Leaders brauchen Zeit – das ist die häufigste praktische Hürde. Schulleitungen müssen Zeitgefässe schaffen (Entlastungslektionen, klare Sitzungszeiten, freigeschaufelte Phasen für Entwicklungsarbeit).
Vertrauen und Loslassen: Eng verbunden mit der Idee der Schulleitung als Prozessgestalterin. Schulleitungen müssen aushalten, dass Teacher Leaders Dinge anders machen, als sie es täten – und müssen Mikromanagement vermeiden.
Typische Spannungspunkte
Konflikte zwischen Schulleitung und Teacher Leaders entstehen typisch an folgenden Punkten:
- Entscheidungsrechte: Wer entscheidet, wenn der Teacher Leader eine andere Lösung sieht als die SL?
- Information: Wer erfährt was wann?
- Anerkennung: Wer bekommt Lob für ein gelungenes Projekt – die SL, die es ermöglicht hat, oder der Teacher Leader, der es umgesetzt hat?
- Konkurrenz um Loyalität: An wen orientiert sich das Kollegium – an der formalen Schulleitung oder an einem charismatischen Teacher Leader?
Strauss plädiert dafür, diese Spannungen offen anzusprechen, statt sie zu beschwichtigen. Gerade weil Teacher Leadership Macht verteilt, braucht es klare Vereinbarungen über Spielregeln.
Was es vom Kollegium braucht
Auch das Kollegium muss mitziehen: Wenn einzelne Lehrpersonen Führungsfunktionen übernehmen, kann das bei Kolleg:innen Eifersucht, Skepsis oder Abwertung auslösen («Warum sie und nicht ich?», «Die spielt sich auf»). Eine Schulkultur, die Teacher Leadership trägt, anerkennt unterschiedliche Beiträge und Rollen – ohne sie zu hierarchisieren.
Das Zusammenspiel zwischen Schulleitung, Teacher Leaders und übrigem Kollegium ist keine statische Konstellation, sondern ein laufender Aushandlungsprozess, der durch Reflexion und Kommunikation in Balance gehalten werden muss.
Verbindungen
- Teacher Leadership – Grundkonzept – das konzeptuelle Pendant, mit dem die SL ins Zusammenspiel tritt
- Distributed Leadership – verteilte Führung – das Zusammenspiel ist eine konkrete Form verteilter Führung
- Schulleitung als Prozessgestalterin – die SL gestaltet den Prozess, in dem Teacher Leadership entsteht und wirkt
- Konfliktmanagement an Schulen – Rollenkonflikte zwischen SL und Teacher-Leadern müssen aktiv bearbeitet werden
Literatur
- Strauss, N. C. (Hrsg.) (2020). Teacher Leadership – Schule gemeinschaftlich führen. Bern: Hep.
- Anderegg, N. (2022). Teacher Leadership. Ent- oder Ermächtigung? Eine Auseinandersetzung mit Macht- und Kulturfragen. Lernende Schule, 12–14. https://www.friedrich-verlag.de/shop/teacher-leadership-d537098