Schuladministration und PUPIL@SG
Die Schuladministration ist im Alltag eine Schlüsselstelle. Sie führt die Daten, auf denen die gesamte Planung ruht: Stammdaten der Schülerinnen und Schüler, Anmeldungen und Übertritte, Absenzen, Personaldossiers, Zeugnisse, Elternkontakte. Sind diese Daten unzuverlässig, ist jede Klassenbildung und jede Pensenplanung ein Ratespiel.
Für die Führungsarbeit folgt daraus eine unbequeme Präzisierung: Die Schulleitung ist nicht Kundin der Administration, sondern verantwortlich für deren Datenqualität. Wer im Frühjahr belastbare Zahlen will, muss im Herbst dafür gesorgt haben, dass sie gepflegt werden.
Die drei Funktionen der Schuladministration
Es lohnt sich, drei Ebenen zu unterscheiden, weil sie unterschiedliche Führungslogiken haben:
- Datenführung – Stammdaten, Mutationen, Statistikmeldungen an den Kanton. Verlässlichkeit ist hier alles; die Arbeit ist unsichtbar, solange sie stimmt.
- Prozessabwicklung – Anmeldungen, Absenzen, Zeugnisse, Personaladministration. Hier entscheidet sich, wie viel Zeit Lehrpersonen und Schulleitung mit Verwaltung verbringen.
- Erste Anlaufstelle – Sekretariat als Gesicht der Schule gegenüber Eltern und Behörden. Eine Rolle mit hoher Aussenwirkung und wenig formaler Anerkennung.
PUPIL@SG – die kantonale Lösung
St. Gallen führt mit PUPIL@SG eine kantonsweite Schulverwaltungslösung. Träger der Einführung sind das Amt für Volksschulen, eGovernment St.Gallen digital und die Pupil AG gemeinsam.
Das Kernsystem ist für alle Schulträger verpflichtend – gestützt auf das eGovernment-Gesetz – und umfasst drei Bereiche:
| Bereich | Was abgelöst wird | Inhalt |
|---|---|---|
| Schulverwaltung | VRSG SV, Scolaris | Stammdaten, Anmeldungen, GIS-Modul, Arztbesuche, sonderpädagogische Massnahmen und Therapien |
| Personal | diverse Excel-Tabellen und Einzeltools | Berufsauftrag, Arbeitsjahrberechnung, Mutterschaftsurlaub, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Treueprämie |
| Schulalltag | CMI LehrerOffice | Unterrichtsorganisation (Schulplaner), Beurteilung, Journal |
PUPIL Connect (Elternkommunikation) gehört zum Kernsystem und wird über den eGovernment-Service finanziert. Die Nutzung ist freiwillig – aber wer die Elternkommunikation überhaupt über eine App betreibt, muss PUPIL Connect einsetzen und andere Lösungen (Klapp, SchoolFox, PushPush und dergleichen) ablösen. Optional und kostenpflichtig sind weitere Module, etwa Tagesstrukturen / Mittagstisch / Ferienbetreuung und Musikschule.
Warum das für die Planung mehr ist als IT
Drei Punkte, die die Verbindung zur Kernaufgabe herstellen:
Der Berufsauftrag liegt im System. Dass die Personalprozesse rund um den Berufsauftrag in SG aus Excel in das Kernsystem wandern, verbindet Pensenplanung und Personaladministration in einer Datenbasis. Die in der VPVL geregelte Gewichtung der Arbeitsfelder ist damit nicht mehr eine Nebenrechnung, sondern ein geführter Datensatz.
Das GIS-Modul trifft eine Rechtspflicht. Die Klassenbildung muss in St. Gallen Quartiergrenzen und Schulwege berücksichtigen (VVU SG Art. 1 Abs. 1). Ein Kartenmodul, das Wohnadressen, Einzugsgebiete und Schulwege sichtbar macht, ist deshalb kein Komfort, sondern Werkzeug für einen begründungspflichtigen Entscheid – zumal Klassenbildung und -zuweisung in SG rekursfähig sind (VSG SG Art. 129 lit. c).
Kantonale Standardisierung verschiebt Autonomie. Ein verpflichtendes Kernsystem nimmt dem Schulträger Werkzeugwahl ab und gibt ihm Vergleichbarkeit und Datenaustausch zurück. Das ist ein klassischer Fall der Spannung, die Schulautonomie und Verantwortung beschreibt – und ein Feld, auf dem eine Schulleitung Haltung zeigen kann: Standardisierung dort begrüssen, wo sie Doppelspurigkeiten beseitigt; Spielräume dort einfordern, wo pädagogische Prozesse betroffen sind.
Einordnung des Anbieters
Die Pupil AG mit Sitz in St. Gallen entwickelt die Lösung; ihre Ursprünge liegen 2013 im Sekundarschulzentrum Ägelsee in Wilen bei Wil. Der Kanton St. Gallen vergab den Zuschlag 2021 nach Ausschreibung (SaaS-Bezug, mandantenfähig, modular). Seit 2026 ist PUPIL Teil der Plattform Seven Education; die bisherigen Funktionen bleiben nach Herstellerangaben bestehen.
Verbindungen
- Das Planungsjahr der Schule – die Administration liefert Schritt 1 der Planungskette; ohne saubere Stammdaten beginnt die Kette falsch
- Pensenplanung und Personalpool – der Berufsauftrag wird in SG im Kernsystem geführt; Pensendaten und Personaladministration fallen zusammen
- Klassenbildung in der Volksschule – das GIS-Modul unterstützt die rechtlich geforderte Berücksichtigung von Quartiergrenzen und Schulwegen
- kanton-st-gallen – kantonaler Rahmen, Behörden und Rechtsgrundlagen
- schulautonomie-und-verantwortung – verpflichtende kantonale Systeme als Autonomiefrage
- Educational Governance – ein verpflichtendes kantonales Kernsystem ist Mehrebenensteuerung in Reinform
- Digitalisierung im Unterricht – Nachbardomäne: Verwaltungsdigitalisierung folgt anderen Treibern als Unterrichtsdigitalisierung, wird aber oft mit ihr verwechselt
Quellenlage
Zu diesem Thema enthält der Zotero-Korpus keine Literatur – die Angaben stammen aus dem kantonalen Rechtsbestand sowie aus offiziellen und Hersteller-Websites. Herstellerangaben sind als solche zu behandeln: Sie beschreiben den Funktionsumfang, nicht dessen Bewährung im Alltag.
Literatur
- PUPIL@SG: Kernsysteme und Module für PUPIL@SG. Gemeinsame Website des Amtes für Volksschulen des Kantons St. Gallen, eGovernment St.Gallen digital und der Pupil AG. www.pupilsguide.ch – abgerufen 4.8.2026.
- Verordnung über den Volksschulunterricht des Kantons St. Gallen (sGS 213.12) – Art. 1 Abs. 1 (Quartiergrenzen und Schulwege).
- Volksschulgesetz des Kantons St. Gallen (sGS 213.1) – Art. 129 lit. c (Rekursfähigkeit der Klassenbildung).
- inside-it.ch: Kanton St.Gallen beschafft Schulverwaltungs-Software von Pupil, 19.8.2021 (Zuschlag, Ausschreibungskriterien, Herkunft der Lösung).
- Herstellerangaben Pupil AG bzw. Seven Education, abgerufen 4.8.2026.
Verweise auf diese Seite
- Das Planungsjahr der Schule Zettelkasten
- Pensenplanung und Personalpool Zettelkasten