Die JAMES-Reihe 2010 bis 2024: Smartphone, Internet, Lesen

Beitrag #5 in der Reihe «Lesekompetenz»

Die JAMES-Studie der ZHAW befragt seit 2010 alle zwei Jahre rund tausend 12- bis 19-Jährige in der Schweiz. Dieser Beitrag stellt die Reihen zusammen, die für die Zeitlinie der Lebenswelten zählen: die Verbreitung des Smartphones, die Online-Zeit und das Lesen. Alle Werte sind Selbsteinschätzungen der Jugendlichen; die Berichte warnen jedes Mal vor der breiten Streuung, und Zeitvergleiche vor 2016 sind wegen Fragebogenänderungen nicht in jedem Fall möglich – für das Bücherlesen ist die Frage gleich geblieben (Külling-Knecht et al. 2024, S. 12).

Verbreitung und Zeit

12–19 Jahre20102012201420162018202020222024
Eigenes Smartphonerund die Hälfte der Handynutzer79 %97 %98 %99 %99 %99 %99 %
Internet pro Wochentag (Median)2 h 052 h 082 h2 h 302 h 302 h3 h 143 h 07
Internet pro Wochenendtag3 h 013 h 033 h3 h 404 h3 h4 h 574 h 30
Handy pro Wochentag–––3 h2 h 303 h 103 h3 h
Handy pro Wochenendtag–––4 h3 h 055 h4 h 154 h

Belege: 2010 – «An Wochentagen wird nach Selbsteinschätzung durchschnittlich 2 Stunden und 5 Minuten im Internet gesurft, an freien Tagen knapp eine Stunde mehr (3 Stunden und 1 Minute)» (Willemse, Waller und Süss 2010, S. 23 und 44); 2012 – «Gaben 2010 noch knapp die Hälfte der jugendlichen Mobiltelefonnutzer an, dass sie ein Smartphone besitzen (Waller & Süss, 2012), waren es im Jahr 2012 bereits 79 %» (Willemse et al. 2012, S. 24, 46 und 57); 2014 – «Die Internet-Nutzungsdauer stagniert seit der Erhebung im Jahr 2010» (Willemse et al. 2014, S. 28, 35 und 57); 2016 – Internetzeit «Zum ersten Mal seit 2010» gestiegen (Waller et al. 2016, S. 29, 63 und 65); 2018 (Suter et al. 2018, S. 24, 37 und 65–66); 2020 – Handyzeit mit «die grössten Sprünge nach oben seit Beginn der Messreihe im Jahre 2010» (Bernath et al. 2020, S. 24 und 29); 2022 (Külling et al. 2022, S. 37 und 43); 2024 – «Die Smartphoneverbreitung bleibt im Jahr 2024 unverändert bei 99 %» (Külling-Knecht et al. 2024, S. 37 und 44).

Was die Reihe zeigt: Die Verbreitung sprang 2010 bis 2014 von der Hälfte auf 97 Prozent – vor dem Bruch der Lesekompetenz 2015. Die Online-Zeit blieb bis 2014 bei zwei Stunden und stieg erst 2016 und 2022. Der Gradient ist derselbe wie beim Lesen, nur umgekehrt: mehr Internetzeit bei Migrationshintergrund, in der Realschule und bei tiefem sozioökonomischem Status (Bernath et al. 2020, S. 24; Külling et al. 2022, S. 37).

Lesen

12–19 Jahre, täglich oder mehrmals pro Woche20102012201420162018202020222024
Bücher lesen26 %29 %25 %25 %26 %23 %22 %24 %

Belege: 2010 bis 2014 nach Willemse et al. 2014, Abbildung 15, S. 20; 2016 bis 2024 nach Külling-Knecht et al. 2024, Abbildung 26, S. 34. Der Bericht 2024 selbst hält fest, dass das Hören von Musik und Hörbüchern, das Lesen von Büchern und E-Books sowie die Nutzung von Tablets über die Jahre konstant geblieben seien (S. 34).

Was bei den Jugendlichen einbricht, ist nicht das Buch, sondern die Presse: Zeitung auf Papier 16 → 5 Prozent, Zeitschrift auf Papier 11 → 3, Zeitung online 26 → 8, Gratiszeitung 29 → 4, je 2016 bis 2024 (Külling-Knecht et al. 2024, Abbildung 26, S. 34); das Zeitschriftenlesen war schon 2010 bis 2014 von 27 auf 15 Prozent gefallen (Willemse et al. 2014, Abbildung 15, S. 20). Die beiläufige Alltagslektüre ist aus dem Alltag der Jugendlichen verschwunden – genau jene Lesepraxis, die PISA mit dem Lesen für praktische Bedürfnisse und dem Zeitungs- und Zeitschriftenlesen abfragt. Wer liest, liest wie früher; wer nicht liest, hat keine Zeitung mehr, die ihn nebenbei zum Lesen bringt (Lesekompetenz seit PISA 2000: die Schweizer Zeitreihe).

Hörspiele und Hörbücher laufen bei den Jugendlichen neben dem Buch: In der Deutschschweiz hören 16 Prozent regelmässig Podcasts und 12 Prozent Hörspiele oder Hörbücher, deutlich mehr als in der Romandie (Külling-Knecht et al. 2024, S. 33) – die Fortsetzung der Hörspielkultur, die bei den Kindern noch stärker ist (Die MIKE-Reihe 2015 bis 2021: Kinder und ihre Eltern).

Was die Reihe nicht sagt

JAMES misst Verbreitung und Zeit, nicht Wirkung. Dass die Dosis dort am höchsten ist, wo das Lesen am schwächsten ist, trägt keine Richtung – dieselben Gruppen lasen schon vor dem Smartphone schwächer. Und JAMES beginnt mit zwölf; was in der Primarschule und in den Elternhäusern geschah, misst die MIKE-Reihe.

Verbindungen

Literatur

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