Die MIKE-Reihe 2015 bis 2021: Kinder und ihre Eltern

Beitrag #5.2 in der Reihe Lesekompetenz

Die MIKE-Studie der ZHAW befragt seit 2015 alle zwei Jahre rund tausend Sechs- bis Dreizehnjährige in der Schweiz – und parallel ihre Eltern. Das macht sie für die Zeitlinie der Lebenswelten wertvoller als jede andere Reihe: Sie zeigt die Primarschulkinder und ihre Modelle im selben Haushalt. Die jüngste Welle ist MIKE 2021, erschienen 2023. Eine neuere Welle ist Stand heute nicht publiziert.

Die Reihe

6–13 Jahre2015201720192021
Eigenes Handy, Angabe der Kinder52 %48 %«fast die Hälfte»43 %
Eigenes Handy, Angabe der Eltern–26 %31 %25 %
Kinder: Bücher lesen, mindestens einmal pro Woche70726870
Kinder: Internet nutzen41596462
Kinder: Handy nutzen43525253
Kinder: Gamen61666864
Eltern: Handy nutzen, täglich oder mehrmals pro Woche84939594
Eltern: Internet nutzen81808786
Eltern: Bücher lesen59655954
Eltern: soziale Netzwerke––4355
Korrelation der Freizeitprofile Eltern–Kinder0,420,570,730,71

Belege:

Nach dem Vorlesen fragt MIKE die Eltern nicht.

Was die Reihe zeigt

  1. Der eigene Handybesitz der Kinder nahm nicht zu, und das wöchentliche Bücherlesen blieb bei 70 Prozent. Die Primarschulkinder lesen 2021 so oft wie 2015.
  2. Der Sprung liegt am Anfang der Reihe, zwischen 2015 und 2017, bei der Internetnutzung der Kinder (41 auf 59 Prozent) und bei der Handynutzung der Eltern (84 auf 93 Prozent). Seitdem ist beides stabil.
  3. Die Eltern lesen weniger Bücher – 59, 65, 59, 54 Prozent täglich oder mehrmals pro Woche –, und ihre Freizeitprofile gleichen denen der Kinder immer mehr. Für die Modellhypothese ist das ein Hinweis, kein Mass.

In Kohorten gegliedert: Der Jahrgang 2009, der in PISA 2025 getestet wurde, war 6 bis 8 Jahre alt, als dieser Sprung geschah – und demnach in den ersten Primarschuljahren, in denen die Leseflüssigkeit entsteht. Die Dosis des Primarschulkinds liegt nicht im Schulzimmer, sondern daheim.

Hörspiele und Status

MIKE zeigt auch die Hörspielkultur der Deutschschweiz: 37 Prozent der Kinder hörten 2019 regelmässig ein Hörspiel oder Hörbuch, im Tessin 6, in der Romandie 5 Prozent (Waller et al. 2019, S. 33); 2021 mit Podcasts 45, 14 und 13 Prozent (Suter et al. 2023, S. 33). Man sieht, wo diese Praxis sitzt: «Je höher der SoS, umso häufiger werden verschiedene auditive Medieninhalte konsumiert», während Eltern mit niedrigerem Status höhere Fernsehzeiten berichten (S. 33 und 37). Kinder aus Schweizer Familien hören zu 30 Prozent regelmässig Hörspiele, Kinder mit Migrationshintergrund zu 18 Prozent (Waller et al. 2019, S. 33). In 37 Prozent der Deutschschweizer Haushalte mit Kindern steht noch ein Kassettenrekorder, im Tessin in 15, in der Romandie in 16 Prozent (Suter et al. 2023, S. 23). Was das für den Verdacht gegen die Hörspielbox heisst, steht bei den Eltern als Lesemodell.

Was die Reihe nicht sagt

MIKE misst Nutzung, nicht Lesekompetenz, und die Reihe endet 2021. Die Werte sind Angaben der Kinder und der Eltern, bei den Jüngsten mit Hilfe der Eltern erhoben. Dass die Dosis bei tiefem Status und Migrationshintergrund höher ist, trägt keine Richtung.

Verbindungen

Literatur

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