Inneres Team nach Schulz von Thun: Innere Pluralität, Oberhaupt, innere Aufstellung

Wer klar kommunizieren will, muss wissen, was er selbst will – und das ist selten eindeutig. Das Lexikon von Schulz von Thun et al. (2012) nennt die «innere Pluralität» den «Normalfall in schwierigen Situationen» und bildet sie im Modell des Inneren Teams ab (Stichwort «Inneres Team»). Für Konflikte, Mitarbeitergespräche und die Selbstführung liefert es eine Methode, sich zu klären, bevor man spricht. Das Kommunikationsquadrat ordnet die Äusserung; das Innere Team schaut auf den Menschen, der sie macht.

Innere Pluralität als Normalfall

Das Stichwort «Inneres Team» fragt, wie man in Übereinstimmung mit sich selbst kommunizieren soll, «wenn widerstreitende Impulse in mir sind und um Vorherrschaft ringen». Die Antwort ist ein Bild: Im Innern melden sich «Mitspieler» zu Wort, jeder mit einem Anliegen und einer «Botschaft». Das Modell fragt, wie sie «im inneren Selbstgespräch des Menschen und in seinen inneren Machtkämpfen» miteinander umgehen.

Anfangs ist eher von einem «zerstrittenen Haufen» zu reden als von einem Team. Dass daraus eines wird, ist Aufgabe des Oberhaupts: Es soll zu jedem Mitglied einen guten Draht herstellen, dessen Anliegen verstehen und akzeptieren, «ohne sich mit einem von ihnen gemein zu machen». Sein Werkzeug ist die innere Ratsversammlung: die bewusste Aussprache aller Stimmen, die sich zu einer Frage melden, unter seiner Leitung – mit dem Ziel einer Antwort, die auf einer inneren Vereinbarung beruht (Abb. 32). Denn «dumm sind sie alle nicht!»

Drei Anwendungen

Das Lexikon nennt drei Anwendungen für Selbstberatung und Coaching (Stichwort «Inneres Team», Abb. 30):

Dem Oberhaupt fallen damit Führungsaufgaben zu: innere Moderation, innere Konfliktmediation, innere Teambildung. Ihr Ziel ist nach dem Stichwort «Integration» die «Integration der ungeliebten Mitglieder» – derselbe Gedanke trägt das Werte- und Entwicklungsquadrat.

Was nach aussen dringt

Innere Uneinigkeit bleibt selten innen. Das Stichwort «Äußerung» beschreibt die inkongruente Doppelbotschaft: Die Worte sagen Ja, Ton und Miene sagen Nein – das Beispiel ist die «im kühlen Ton und mit verärgerten Gesichtszügen geäußerte Zusage». Häufig deute sie auf einen inneren «Widerstreit zwischen zwei Gegenspielern»; dann sei «die Selbstklärung und innere Wahrheitsfindung des Senders noch nicht abgeschlossen». Wer im Kommunikationsquadrat widersprüchliche Botschaften empfängt, hört womöglich zwei Mitglieder eines Inneren Teams zugleich.

Herkunft und Einordnung

Ausgeführt ist das Modell in Miteinander reden 3 (zuerst 1998), dessen Untertitel es mit der situationsgerechten Kommunikation verbindet. Nach dem Stichwort «Stimmigkeit» ist Kommunikation stimmig, wenn sie authentisch und situationsgerecht zugleich ist – für den Blick nach innen bietet das Innere Team «Hilfestellung», für den Blick nach aussen das Situationsmodell. Das Innere Team ist ein Bild für die Selbstklärung, kein Diagnoseverfahren; empirische Belege führt der Eintrag nicht an.

Für die Schulleitung

Belegt am Lexikon, an einem Führungshandbuch und an zwei Praxiswerken; die Bezüge zu anderen Beiträgen sind eigene Einordnung.

Das Modell dient der eigenen Klärung: Welche Stimmen in einer Lehrperson sprechen, weiss nur sie selbst. Wo die innere Gruppendynamik überfordert, unterstützen nach dem Lexikon Beratung, Coaching oder Psychotherapie das Oberhaupt.

Verbindungen

Literatur